Fröbel.
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Bewußtsein des anderen zu accommodiren. Der Unterzeichnete hatte bis zum Jahre1841, wo er zufällig nach dem lieblichen Blankenburg im Thüringer Walde kam, nochnichts von Fröbel und seinen Bestrebungen gehört, denn seine Schriften hatten aus denoben angeführten Gründen wenig Verbreitung und Anerkennung gefunden. Fröbel lebtedamals gerade in Blankenburg und hatte dort seinen ersten Kindergarten etablirt. Esgehörte zu seinen Eigenthümlichkeiten, jedem, der ihm begegnete und nur irgend ein In-teresse für seine Gedanken zeigte, sein Herz und seinen Geist gewissermaßen auszuschütten;ja er machte förmlich Jagd auf die Menschen, um seine Ideen gleichsam als Samen-körner in empfängliche Gemüther einzustreuen, und er gab sich oft allzu großen Hoff-nungen auf die bleibenden Wirkungen seiner Gespräche hin. Kaum war ich daher miteinem Freunde in Blankenburg angekommcn, so fand sich auch bald der lange, hagereund elastische Mann bei uns ein, legte ehe wirs uns recht versahen, einen großen Theilseiner Spielapparate auf unsere Schränke und fand sich unermüdet jeden Tag zu devStunde, wo er uns zu Hause wußte, bei uns ein, um uns die Idee seiner Kindergärtenzu entwickeln. Vieles in seinen Gedanken war mir damals nicht klar, manches schierrmir sogar bedenklich oder unpraktisch, namentlich konnte ich die symbolische Anwendung,die er von dem Naturleben machte, um das Geistesleben zu ergründen, häufig nur alseine geistreiche Spielerei betrachten; aber das ganze Wesen und Streben des Manneswurde uns sehr werth und ist es geblieben. Der lebendige Sinn für das Allgemeineund Ideale, der aus jedem seiner Worte hervorleuchtete, sein unendlicher Enthusiasmusfür Menschenerziehung und Menschenglück, seine Bereitwilligkeit, für seine Ideen jedesOpfer zu bringe», die ewig sprudelnde Quelle von Gedanken und Worten, die aus seinemEnthusiasmus für das Ideale entsprang, machten Fröbel zu einer ungewöhnlichen Er-scheinung, die jeden unbefangenen und wohlwollenden Beobachter fesseln, erfrischen undfür das Gute begeistern konnte. Wenn man das Wesen des Deutschen als Idealismusbezeichnet, so war Fröbel durch und durch ein Deutscher und eine Erscheinung wieFröbel würde auch kein anderes Volk der Erde Hervorbringen können. Fröbel hatteselbst eine sehr hohe Idee von unserem deutschen Volke. Er nennt das deutsche Volkin einer seiner Schriften ein Stammvolk, ein Urvolk, ein frommes Volk, ein tief undallseitig denkendes Volk, ein Volk mit Bürgersinn, ein gründliches, ein genügsames, einächt christliches und wahrhaft geschichtliches Volk und er selbst bemühte sich, selbst einAusdruck dieses bewunderten Volkes zu sein und jeden, mit dem er in Berührung kam,mit dem Geiste dieses Volkes in lebendige Berührung zu bringen.
So viel über die persönliche Erscheinung Fröbels. Wichtiger für unseren Zweck istes aber nach der eigenthümlichen Bestimmtheit der Idee zu fragen, die Fröbeln durchdrangund die er in die deutsche Erziehung einzuführen bestrebt war. Gewöhnlich identificirt mandas Bestreben Fröbels mit der Einführung der von ihm benannten Kindergärten. DieKindergärten sind aber nur eine sehr beschränkte Anwendung seiner allgemeinen Erziehungs-idee. Fröbel kam erst etwa um das Jahr 1840 auf den Gedanken seiner Kindergärten,indem er in ihnen seine allgemeine Erziehungsidee auf das erste Kindesalter in Anwen-dung brachte. In seinen früheren Schriften und praktischen Unternehmungen ist vonden Kindergärten noch kaum die Rede, sondern sein Bestreben ist noch ein ganz allge-meines und gieng dahin, das gesammte deutsche Erziehnngswesen auf einer neuenGrundlage zu organisiren. Diese Grundlage bezeichnet er nach verschiedenen Seitenhin in den vielen Brochüren und Schriften, auch Journalartikeln, die etwa vom Jahre1820 an von ihm veröffentlicht wurden und soll davon gleich näher die Rede sein.Andrerseits ist nicht zu leugnen, daß die Kindergärten Fröbels Namen zu erhalten vor-zugsweise im Stande sind. Mit Len Elementen der ersten kindlichen Erziehung warer gründlich bekannt, während ihm zur gründlichen Erkenntnis und Durchführung derweiter folgenden Bildung der späteren Lebensalter, wie sie z. B. auf den Gymnasienund den Universitäten gegeben werden soll, die nöthigen Kenntnisse und Erfahrungenfehlten; besonders war er mit dem classischen Alterthum und der historischen Entwick-