Druckschrift 
2 (1860) Director - Globus
Entstehung
Seite
546
Einzelbild herunterladen
 

546

Friedrich der Große.

Fröbel.

enthalten: Schutz der Lehrfreiheit. Dieser Schutz wirkte bei allen Misgriffen im ein-zelnen (über Bahrdt vgl. Trendelenb. S. 11) belebend auf alle Facultäten. Es regtesich ein kühnerer, freierer Geist und mit ihm neue Schöpfungen, die zum Theil erstunter den folgenden Regierungen zur Reife kamen. Quellen: Osuviss äs Trs-äsris Is Kranä, Berlin 1848; bes. Bd. IX, worin: Instruction an inchor Lorcsts(betr. d. Erzieh, des Thronfolgers); Instr. xonr la äirsotion äs l'aoaäsmis äcs noblesa Berlin; Bsttrs snr l'säuoation; VialoAns äs morals s, l'nsaZs äs la fsnns noblssss. Preuß, Friedrich der Große. Berlin 18321834, 4 Bde., zu jedem ein Urkun-denbuch. Preuß, Friedrich der Große als Schriftsteller, Berlin 1837, nebst Er-gänzungsheft 1838. Brunn, Lebensbeschr. Meierotto's. Berlin 1802. Heppe,Gesch. des deutschen Volksschulwesens, Gotha 1858 u. f. Fast ganz gehört hieher:Trendelenburg, Friedrich der Große und sein Staatsminister Freiherr von Zedlitz.Eine Skizze aus dem preußischen Unterrichtswesen. Vortr. geh. am 27. Jan. 1859 ind. Ak. d. Wissensch. Berlin, Bethge, 1859. A. Lange.

Friedland, s. Trotzendorf.

Fröbel, Friedrich (geb. den 21. April 1782 in Ober-Weißbach im FürstenthumRudolstadt, gest. den 21. Juni 1852 in Liebenstein) gehört zu denjenigen Männern inder Geschichte der Pädagogik, deren Bild noch etwas schwankendes hat. Selten sindwohl über einen und denselben Mann und seine Leistungen so völlig entgegengesetzteUrtheile gefällt worden, als über Fröbel. Er hat enthusiastische Freunde und Bewun-derer gefunden, aber nicht minder auch solche, die seine Bestrebungen aufs heftigste ver-unglimpften oder sie wenigstens geringschätzten. Es gab Pädagogen und giebt immer nochsolche, die in ihm einen pädagogischen Genius sehen und ihn zu den größten Wohltä-tern des Menschengeschlechts rechnen; *) andere dagegen haben ihn für einen Narrenund Phantasten erklärt. Das Härteste, was ihn in dieser Hinsicht getroffen hat, istwohl das Verbot seiner Kindergärten in dem preußischen Staate durch den Cultusmi-nister von Raumer.**) Man wird nicht leugnen können, daß Fröbel selbst durchseine Schriften die Veranlassung zu manchen Misverständnissen und zu mancher Mis-achtung seiner Tendenzen gegeben hat und daß das Urtheil über ihn wesentlich anderslauten muß, wenn man es bloß aus dem Studium seiner hinterlassenen Schriften ge-schöpft oder wenn man ihn auch selbst in seiner Persönlichkeit und unmittelbaren Wirk-,samkeit beobachtet hat. Der Unterzeichnete hat mehrere Wochen mit Fröbel zusammen-gelebt und hat durch Beobachtung seines Wesens und Wirkens ein so lebendiges Interessefür ihn gewonnen, wie solches aus keiner seiner Schriften zu erlangen gewesen wäre.Man fühlt es allerdings auch seinen Schriften ab, daß der Mann von einer großenJdex durchdrungen ist und für sie lebt und webt; auch stellt er diese Idee in den ver-schiedenartigsten Worten und Wendungen dar; aber es fehlt seiner Darstellung an festerBestimmtheit und fortschreitender Entwicklung. Vernunft und Gefühl arbeiteten mächtigin dem Manne, aber es fehlte ihm in einem hohen Maße der unterscheidende Verstand,der die Bestimmungen aus einander hält und der centralen Einheit der Idee erst einePeripherie giebt. Man kann sich daher beim Lesen seiner Schriften oft des Gefühlsnicht erwehren, als komme er nicht von der Stelle, und wieder als schieße er häufigüber das Ziel hinaus und müße in der praktischen Anwendung seiner Gedanken fehlgreifen. Diese Mängel seiner schriftlichen Darstellung vergaß man aber, wenn manmit ihm persönlich zusammentraf, wohlwollend und thätig auf ihn eingieng und durchFragen, Einwendungen und Zweifel ihn nöthigte, auS sich herauszugehen und sich dem

*> Dgl. Friedrich Fröbel; ein Wort der Erinnerung von Heinrich Hoffmann. Hamburg 1852.

**) Min. Rescr. v. 7. Aug. 1851.Wie aus der Brochiire: Hochschulen für Mädchen undKindergärten re. von Karl Fröbel erhellt, bilden die Kindergärten einen Theil des Fröbel'schensocialistischen Systems, das auf Heranbildung der Jugend zum Atheismus berechnet ist. Schulen rc.,welche nach Fröbel'schen oder ähnlichen Grundsätzen errichtet werden sollen, können daher nichtgeduldet werden.'- (Rönne, Das Untcrrichtswesen des Pr. Staats I. S. 886).