Friedrich der Große.
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die Direction der Berliner Ritterakademie (Werke IX, S. 77 ff.). Für mehrere Fächerwird in derselben ausdrücklich angeordnet, daß nach jeder Lehrstunde eine halbe Stundeauf solche Denkübungen zu verwenden sei. Nach der Geschichtstunde soll der Lehrerden Schülern moralische, politische oder philosophische Bemerkungen entlocken: „es guissra plus utils ponr eux gns tont es gn'ils anront appris." Z. B. über denAberglauben der Völker: „Oro^sr von» gno Onrtius, sn santant äans sst ablins gni»'statt tnrino ä Itoms, 1s üt ksrmsr?" Daraus, daß so etwas in unfern Tagen nichtvorkommt, soll der Schüler sehen, daß es eine Fabel ist. Bei Erwähnung des Deciussoll über Vaterlandsliebe, bei Cäsar über die Unterdrückung der Freiheit gesprochenWerden. „Lst-il gnsstion äss oroisaäs», slls» konrnisssnt un bsan »njst paar äs-olainoi oontrs 1a snpsrstition. Ueiir raoonts-t-on 1s inassaors äs 1a Laint-Ilartbe-leinz-, on Isur in spie o äs l'borrsnr ponr 1s tanatisins." — In ähnlicher Weise wirdbei der Philosophie verfahren, die Friedrich übrigens nur geschichtlich will vorgetragenhaben. Er will nicht, daß den Schülern irgend ein bestimmtes System als das alleinrichtige eingeprägt werde, obwohl Locke, bei dem der geschichtliche Ueberblick zu endi-gen hat, vorzüglich eingehend behandelt werden soll, da er allein an der Hand der Er-fahrung bleibe und die der menschlichen Vernunft unzugänglichen Abgründe vermeide.Die Disputationen, welche jeder Lehrstunde folgen, sollen unvorbereitet sein, damit dieSchüler aufmerken, damit sie an das zu sagende voraus denken und endlich „ponrIss aooo ntnrnsr a parier promptsrnsnt »nr tonts» Iss sortss äsmatisrss." Man sieht, es ist ein französischer Gedankenkreis, in dem sich Friedrichhier bewegt, und wir dürfen hinzusetzen, der Gedankenkreis der Höfe und der Großendieser Welt. Dem Jahrhundert gebührt auch sein Theil. Was jedoch Friedrich eigen-thümlich angehört, der große Werth, den er auf Selbstthätigkeit und scharfes Denkenlegt, verräth ebensowohl den genialen Herrscher als sein Eifer für die Erziehung über-haupt den ächten Landesvater. Am meisten Anstoß könnte man an den Moralprinci-pien seines dem jungen Adel gewidmeten Dialoges nehmen. Derselbe enthält nebentrefflichen Stellen auch sehr Bedenkliches; allein man muß auch hier ins Auge fassen,für welche Kreise er bestimmt war. Der Grundsatz des Catonischen „naaots pusr"(IX, S. 108 u. f.) war wohl wenigstens kein Anachronismus und das Duell behandeltFriedrich mit Einsicht und Mäßigung, wenn auch nicht mit moralischer Strenge. Friedricheigenthümlich und mit seinen Grundsätzen in Betreff der intellectuellen Bildung vollkommenharmonirend ist auch der ausdrückliche Befehl, daß die Gouverneure der Ritterakademieihren Zöglingen lustige Streiche und Eulenspiegeleien Nachsehen und nur Schlechtigkeitund vor allen Dingen Trägheit (parssss) strafen sollen. Dies Streben, Gewissenhaf-tigkeit und rastlose Thätigkeit zu erregen, wo nöthig zu erzwingen, theilte Friedrich jaüberhaupt mit seinem in anderer Beziehung so unähnlichen Vater. Es ist zu einem derGrundsteine geworden, ans denen diese mächtigen Baumeister das Gebäude des preußischenStaates errichteten. Daher darf man sich nicht darüber wundern, daß Friedrich derGroße auch von den Lehrern erhöhte Thätigkeit forderte. „Die Lehrer" heißt es indem Schreiben an den Minister v. Zedlitz (Brunn, Meierotto S. 185), „müßen sichauch mehr Mühe geben mit dem Unterricht der jungen Leute, und darauf mehr Fleißwenden, und mit wahrem Attachement der Sache sich widmen, dafür werden sie bezahlt,und wenn sie das nicht gebührend thun und nicht ordentlich in den Sachen sind unddie jungen Leute negligiren, muß man ihnen auf die Finger klopfen, daß sie besserattsnt werden." — So war ihm denn natürlich auch die Trägheit der Studenten undvieler Professoren auf den Universitäten, wie aus dem Brief über die Erziehunghervorgeht, ein Greuel; allein hier fand Friedrich für seine liberale Art der Einwirkungeinen gar zu zähen Stoff. Es gelang ihm ebensowenig einen andern Ton des Stu-direns in Aufnahme zu bringen, als etwa das Leibnitz'sche System durch Locke zu ver-drängen. Was er großes für die Universitäten that, ist alles in dem einzigen Worte
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