Fleiß.
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und die Quelle von vielen Tugenden genannt worden ist, so wird jeder erfahrene Er-zieher dieser Behauptung gewiß beistimmen. Ein geordneter Fleiß bewahrt auf positiveWeise vor unsittlichen Dingen und ist in sich selbst schon die lebendige Sittlichkeit.Nach dem Sprüchwort wird der Müssiggang mit Recht aller Laster Anfang genannt;ebenso aber ist auch der Fleiß der Anfang aller Tugenden, ja so recht die activeGrundtugend des Schülers. Denn tugendhaft ist der Mensch, wenn er sich ausfreier Entschließung zum Träger allgemeiner Zwecke macht; das geschieht aber indem wahren Fleiße; der Fleißige wird seine endliche Subjectivität los, verzehrt sichin allgemeinen Ideen und Zwecken und erfüllt dadurch seine Seele mit einem sub-stantiellen Gehalte. Die Sittlichkeit einer Schule hängt vornehmlich davon ab, daßdie Schüler fleißig sind, und das Hauptmittel der Disciplin ist daher auch die För-derung des Fleißes. Was man sonst noch Disciplin nennt, trägt meistentheils einennegativen Charakter und hat nur mit der angegebenen positiven Form der Disciplin,die die Förderung einer wissenschaftlichen Thätigkeit bezweckt, verbunden einen Werthund Erfolg, kann dagegen von dieser losgerissen vielmehr das Gegentheil von dem be-wirken, was sie bewirken soll und mehr dcmoralisirend, als die Sittlichkeit lebendig för-dernd wirken. Alle Strenge der Aufsicht über die Schüler und alle noch so harte Be-strafung vorkommender Vergehen können wenig dazu beitragen, die Disciplin einerSchule aufrecht zu erhalten; herrscht in einer Anstalt kein Fleiß, verfolgen die Schülerandere Zwecke, als diejenigen, die die Aufgabe der Schule mit sich bringt, so versinkensie sittlich trotz aller äußeren Aufsicht; ja eine strenge Aufsicht, die nichts weiter ist,als Aufsicht und nicht von einer positiven Anregung zu einer vernünftigen Thätigkeitgetragen wird, kann den Schüler nur noch lasterhafter machen, als er ohnehin schon ist,indem sie sein natürliches Freiheitsgefühl herausfordert, den Aufseher zu überlisten unddas Laster mit Heuchelei und Raffinirtheit zu umkleiden.
Wenn nun also der Fleiß der Hauptträger ist von der sittlichen Haltung einer Schule, sofragt es sich um so mehr, durch was für Mittel der Fleiß hervorgebracht und ge-fördert werden kann. Beneke führt in seiner Erziehungs- und Unterrichtslehrc (Band I.S.378) folgende Motive des Fleißes der Schüler an: Liebe zur Sache, Liebe zum Er-zieher, Furcht, Ehrgeiz, Eigennutz oder endlich auch eine Verbindung von mehreren dieserMotive oder aller. Wenn nun auch in der Schule gewiß alle diese Motive mehr oderweniger Mitwirken, um vie Schüler zum Fleiße anzureizen, so ist doch die Liebe zur Sachevon allen jenen Motiven das innerlichste, das reinste und nachhaltigste. Ist in einemSchüler erst das Interesse an der Sache, in der er unterrichtet wird, erwacht, so wirder nicht mehr äußerlich zur Arbeit getrieben, sondern er wird innerlich durch das Wesender Sache selbst dafür begeistert; die Arbeit ist dann keine Last mehr, sondern eineSelbstbefriedigung, Genuß und Freude. Eine solche aus dem lebendigen Interesse anderSache entspringende Arbeit ist auch erst eine vollkommen sittliche Arbeit, weil der Menschin einer solchen mit voller freier Selbstbestimmung sich entschließt, sich zum Organ undTräger des allgemeinen Geistes zu machen und weil er sie daher auch in dem Fallemit Freuden verrichten würde, wenn sie auch nicht äußerlich gefordert würde und wennauch kein äußerlicher Lohn damit verbunden wäre. Daher muß auch der letzte Zweckund die Probe eines guten Unterrichts stets darein gesetzt werden, daß der Lehrer indem Schüler ein lebendiges Interesse für die Sache zu erwecken weiß. Ein solcher Un-terricht allein fesselt die Aufmerksamkeit der Schüler und reizt zu einem angestrengtenund fruchtbaren häuslichen Fleiße; ein solcher Unterricht fördert den Schüler nicht alleinan Einsicht und Bildung und bereichert ihn mit nützlichen Kenntnissen, sondern erzeugtauch eine lebendige Sittlichkeit und entwickelt sie von Stufe zu Stufe; denn ein solchesInteresse für das Allgemeine, wie solches in der Schule geboten wird, und eine solche aus-dauernde Thätigkeit für das Allgemeine ist selbst lebendige Sittlichkeit und bewahrt vorvielen sittlichen Unordnungen. Denken wir uns, daß alle Lehrer einer Anstalt voll-kommene Lehrer seien d. h. die Fähigkeit besitzen, die Schüler für die Wissenschaften