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2 (1860) Director - Globus
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Fleiß.

aller Art und mit einer gründlichen und allgemeinen Bildung die Schule verläßt; aberes ist beinahe noch schöner und nothwendiger, daß der Jugend in der Schule der Fleißzur Gewohnheit und gleichsam zur anderen Natur gemacht werde. Man stelle zweiMenschen neben einander, von denen der eine — bei vielen Talenten, Kenntnissen undFertigkeiten — doch Neigung zur Trägheit hat und sich nur anstrengt, wenn er muß,der andere aber wenn auch vielleicht bei mäßigen Talenten und Kenntnissen von einerwahren Liebe zur Thätigkeit beseelt ist und sich den Fleiß gleichsam zur anderen Natur-gemacht hat, so wird der letztere ein weit größerer Segen für die Menschheit sein, alsder erstere. Aber wir sprechen noch viel zu gering von dem Fleiße, wenn wir nur vonseiner praktischen Brauchbarkeit im Leben reden; der Fleiß hat in sich selbst einen hohenWerth, und ist namentlich auf der Schule die eigentliche Cardinaltugend und die Quellevon vielen Tugenden. Denn was ist der Fleiß? Rosenkranz in seiner Pädagogik alsSystem (Königsberg 1848) erklärt den echten Fleiß, wie wir ihn dem Schüler wünschenmüßen, als die lebendige, umsichtige, ausdauernde Thätigkeit des Zöglings inden Acten des Lernens; und in der That sind in dieser Begriffsbestimmung so ziemlich alleMomente zusammengefaßt, die den Fleiß charakterisiren. Was zuerst die Lebendigkeitder Thätigkeit betrifft, so besteht sie darin, daß der Schüler (und im Grunde gilt es vondem Fleiße auch jedes erwachsenen Menschen in gleichem Maße) in dem Gegenstände, aufwelchen die Thätigkeit desselben sich bezieht, lebt und webt, also mit ganzer Seele darinaufgeht und sich zum freien Träger desselben macht. Eine Thätigkeit dagegen, bei der ichnicht mit ganzer Seele betheiligt bin, sondern noch etwas anderes denke und empfinde, kannnicht als Fleiß bezeichnet werden. Damit hängt weiter auch die Ausdauer zusammen.Es kann ja schon Vorkommen, daß die Seele momentan in einem Gegenstände aufflammtund in ihm ihr gegenwärtiges Leben findet; wenn sie aber die Sache nicht fort undfort verfolgt und sich nach und nach aller ihrer Momente bemächtigt, so kann auch einesolche Thätigkeit nicht den Ehrennamen des Fleißes erhalten. Der Fleiß ist vielmehreine fortgesetzte, unabläßige, nnverdroßene, namentlich auch keine Schwierigkeit scheuendeThätigkeit. Wenn endlich die Umsicht als ein Moment des Fleißes ausgenommenwird, so hat das den Sinn, daß der echte Fleiß nicht einseitig ist, sondern auf dieTotalität des menschlichen Wesens die gebührende Rücksicht nimmt. Denn man kannseinen Fleiß z. B. aus besonderer natürlicher Neigung oder durch äußere Motive ge-trieben nur auf einen Gegenstand hinrichten, während die menschliche Seele, um sichnaturgemäß zu entwickeln, durch eine gewiße Fülle von Gegenständen angeregt werdenmuß. Die Umsicht erfordert also, daß ich über dem einen Gegenstände den anderennicht vergesse. Auch die Erholung kann mit zu dieser Umsicht des Fleißes gerechnetwerden. Die Erholungen sind bekanntlich bei verschiedenen Menschen sehr verschieden.Während der Studirende sich erholt, wenn er sich eine körperliche Bewegung macht,z. B. Gartenarbeiten vornimmt, so erholt sich der Landmann gerade dadurch, daß erein Buch zur Hand nimmt. Immer aber besteht die Erholung darin, daß ich micheiner Thätigkeit hingebe, die wesentlich anderer Art ist, als diejenige, die den größtenTheil meines Lebens in Beschlag nimmt und daß ich so die Einseitigkeit, die jede be-sondere Thätigkeit in sich trägt, durch eine entgegengesetzte Thätigkeit aufhebe und hier-durch das gestörte Gleichgewicht wieder herstelle. Für den Studirenden, dessen Geistvorzugsweise auf allgemeine Gegenstände gerichtet ist, giebt es daher keine bessere Er-holung als gymnastische Hebungen und Spiele, die den Körper bewegen, durch solcheThätigkeit ruht sich die Seele aus und stählt sich zu neuer geistiger Arbeit (vgl. d. Art.Erholung). Aber auch abgesehen von der Erholung erfordert es die Umsicht, daß mansich nicht so ganz in dem einen verzehrt, daß man nicht auch für das andere Sinnhätte. Die Umsicht ist eigentlich das Gegentheil von der bloßen Lebendigkeit, aber sieist die nothwendige Ergänzung der letzteren und giebt der Lebendigkeit ihr vernünf-tiges Maß.

Wenn nun der Fleiß in diesem Sinne oben die Cardinaltugend des Schülers