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Fleiß.
zu gewinnen und denken wir diesen einzig schönen Proceß eine Reihe von Jahren nochdazu in der Knaben- und Jünglingszeit fortgesetzt; muß dann nicht die Kraft, dem All-gemeinen zu dienen, zur vollen Entwicklung kommen und muß nicht ein solcher Schüler,wenn nur sonst alles so ist, wie es sein soll, nicht bloß zu einem einsichtsvollen undgebildeten, sonvern auch zu einem guten Menschen heranreifen? Andererseits ladet einLehrer, dessen Lehrweise so mangelhaft ist, daß er für sein Lehrobject das Interesse derSchüler nicht zu wecken weiß, eine doppelte Schuld auf sich, eine intellectuelle und einesittliche. Die intellectuelle Schuld besteht darin, daß die Schüler nichts lernen; die sitt-liche Schuld aber darin, daß die Schüler in der Stunde sich zerstreuen und je nach ihrerNatur sich entweder an ein dumpfes Hinbrüten gewöhnen oder auch Possen und loseDinge denken oder gar sich sündhaften Neigungen und bösen Begierden hingeben unddaß sie vollends zu Hause, wo sie der unmittelbaren Aufsicht des Lehrers entnommensind, erst recht ihrer endlichen Subjectivität den Zügel schießen lasten. Daß die Lehrerwirklich in vielen Fällen Schuld sind an solchen traurigen Erscheinungen, die das Schul-leben so oft darbietet, wird besonders dadurch außer Zweifel gesetzt, daß dieselben Schülernicht selten bei einem Lehrer lebendiges Interesse für die Sache zeigen und aufmerksamund fleißig sind, während sie sich bei dem andern zerstreuen und ihre häuslichen Arbeitenentweder gar nicht oder doch nur äußerlich und zum Schein machen und hierdurch be-weisen, daß sie keine Liebe zur Sache haben. Wie unendlich groß ist daher doch dieVerantwortung des Lehrers! Wie heilig ist seine Pflicht, sich seines Gegenstandes ganzzu bemächtigen und zugleich sich die Fähigkeit zu erwerben, denselben in der zweckmäßigenForm zum Eigenthum des Schülers zu machen! Denn wenn dem Schüler das Rechtegeboten wird und in der rechten Form, so gewinnt er auch in der Regel früher oderspäter ein Interesse an der Sache.
Doch ist nicht zu leugnen, daß nicht bei allen Schülern einer Anstalt der Fleißdurch d-as Interesse der Sache rege gemacht werden kann, auch nicht wenn selbst dergeschickteste Lehrer sie behandelt. Bei manchen Knaben ist die für jeden Unterricht vor-auszusetzende Empfänglichkeit für das Allgemeine durch eine mangelhafte häusliche Er-ziehung nicht geweckt worden; andere haben von Haus aus für gewisse Gegenständewenig Talent; manche haben sich schon an Unordnungen aller Art gewöhnt; auch dauertes bei im allgemeinen guten Schülern immer eine gewiße Zeit, ehe sie so weit mit denGegenständen bekannt werden, daß sie ihr Wesen fühlen und erkennen und sich dannauch dafür interessiren können. In allen solchen Fällen muß die Schule durch andereMotive den Fleiß hervorzubringen suchen, denn den Fleiß muß sie zur Herrschaft brin-gen, auf welche Art es auch sei, da der Fleiß die Seele des sittlichen Schullebens ist.Bon den anderen obengenannten Motiven ist noch das edelste die Pietät des Schülersgegen den Lehrer d. h. Furcht vor demselben und Liebe zu ihm. Ist der Lehrer einMann, der seines Gegenstandes vollkommen mächtig ist, der sich mit Fleiß und Auf-opferung seinem Berufe widmet, der mit eben so viel Ernst als Wohlwollen dem Schülergegenübertritt und dessen ganze Persönlichkeit ein Ausdruck des Guten und Wahrenist, so werden selbst schlechte Schüler mit Respect gegen ihn erfüllt, sie empfindenund erkennen sein Uebergewicht, betrachten seinen Willen als maßgebend und wagennicht leicht diesem entgegenzuhandeln. Dieser Respect bestimmt dann die Thätigkeitder Schüler, und es ist daher schon eine Wirkung der Pietät, wenn sie aus reinerFurcht vor den Lehrern oder auch vor den Eltern arbeiten und es liegt schon etwas rechtheilsames in einer solchen Furcht, die den Schüler, wenn er den Lehrer unzufrieden odererzürnt sieht, mit einer Art Schauern oder Erzittern erfüllt und ihn es nicht wagenläßt, etwas nicht zu thun, was er befohlen hat. Dies Motiv der Pietät steht dem sitt-lichen Ideal noch näher, wenn sich die Furcht vor dem Lehrer in Ehrfurcht und in Liebeverwandelt und wenn der Schüler in Folge dessen alles thut, was der Lehrer nurirgend von ihm verlangt, weil er es nicht ertragen kann, daß er nicht die Zufriedenheitdes Lehrers hat, und weil es ihm Freude macht, die Anerkennung des Lehrers ooer auch