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2 (1860) Director - Globus
Entstehung
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Flattich.

mehr auf der Grundlage tiefer christlich sittlicher Durchbildung, auf dem in ihm lebendiggewordenen Princip der dienen, nicht herrschen wollenden Liebe, welches sein ganzesWirken, insbesondere sein pädagogisches, durchdrang. Diese Liebe gab seiner Erziehungs-Weise in so ausgezeichnetem Grad den Charakter der edelsten Humanität. Sie machte,daß er bei seinen Zöglingen nicht stürmisch auf Bekehrung drang, sondern seinen all-mählichen Gang gierig; sie lehrte ihn einen Unterschied machen zwischen dem, was bleibtund wächst, und dem, was künftig selbst wegfällt. Wo er keine Bosheit, sondern mehrjugendlichen Muthwillen sah, da legte er sich auf die Geduld, aufs Zuwarten. „Wennsie einmal Regierungsräthe sind, thun sie es nimmer," antwortete er ängstlichen Leutenaus seiner Gemeinde, welche meinten, es schicke sich nicht für des Pfarrers Zöglinge,

daß sie sich so lustig herumtummelten. Diese Liebe ließ ihn nicht daran denken, sich

bei seinen Zöglingen in Nespect setzen zu wollen. „Gott," sagt er, „giebt Auctorität,die Kinder bringen die Furcht mit, man muß sich nur hüten, vor ihnen nichts Unrechtes

zu thun, dadurch man ihnen die Furcht benehme." Darum konnte er zu einem Knaben

seiner Gemeinde, der ihm beim Schlittenfahren so an die Füße fuhr, daß er zu Bodenfiel, ganz liebreich sagen: „O Büble, wie bist du im Kreuz, gelt, ich hätte dir besseraus dem Weg gehen sollen." Diese Liebe gab ihm die Kraft, sein von Natur zumJähzorn geneigtes Temperament zu überwinden. Er giebt nämlich zwar zu, daß Ruthenund Stecken und andere Strafen bei manchen jungen Leuten nöthig seien, es sei abereine Kunst, solche Mittel bei den rechten Subjecten zu rechter Zeit auf gehörige Artmit der dazu erforderlichen Gemüthsverfassung anzuwenden. Da er nun merkte, daßer diese Kunst nicht verstehe und darum, so oft er dergleichen Mittel gebrauchte, mehrSchaden als Nutzen anrichtete, so nahm er sich einmal vor, die Kinder gar nicht mehrzu schlagen, sondern mit Gebet, Liebe und Geduld zu ziehen. Einige Tage gieng das,da die Buben fürchteten, er habe den Stecken nur vergessen und hole die Schlägemorgen nach; allmählich aber versuchten sie erst kleine, dann immer größere Bübereien,so daß Flattich zuletzt das Unterrichten ganz aufgeben mußte. Aber seinen Vorsatz, nichtmehr zu schlagen, gab er nicht auf, sondern blieb dabei, in Geduld und Gebet auszu-harren. Und — er blieb Sieger. Mit nassen Augen erzählte er noch im hohen Alter,wie diese Knaben, die sich so schwer an ihm versündigten, es ihm mit Thränen, ja fuß-fällig abgebeten hätten, ja er glaubte, daß keiner von ihnen verloren gegangen sei. DieLiebe machte ihn aber auch erfinderisch, daß er statt Schlägen, Verboten und Gesetzenandere Mittel zu finden wußte, um seinen Zöglingen Unarten abzuthun. So curirteer einst Zöglinge, die er beim Kartenspiel antraf, damit, daß sie trotz Müdigkeit undSchläfrigkeit die ganze Nacht hindurch bis zum lichten Morgen Karten mit ihm spielenmußten, wodurch ihre Herzen für die herzlichen Ermahnungen, die er ihnen dann zumSchluß gab, mürbe gemacht wurden. Keiner hat je wieder eine Karte angerührt.

Wir haben im Bisherigen den „Pietisten" Flattich als einen Philanthropen imedelsten Sinne des Worts kennen gelernt; gerne werden wir noch einige weitere seinerkerngesunden Ansichten über Lernen und Unterrichten hören. Wir stellen die Bemerkungvoran, daß die abstracto Unterscheidung zwischen Unterricht und Erziehung ihm in praxifremd war, er wußte sich bei seinem Jnformireu stets als Erzieher und seine Unterrichts-regeln tragen daher einen durch und durch pädagogischen Charakter. Es lag ihm sehrviel daran, daß seine Zöglinge was tüchtiges bei ihm lernten, noch mehr aber lag ihmdaran, sie zum Gehorsam und zur Gottesfurcht zu erziehen; denn es heiße nirgends:lerne recht, auf daß dirs wohlgehe. „Jungen Leuten, welche fleißig lernen und gutenVerstand zeigen, pflegt man oft alles Böse zu übersehen und bedenkt nicht, daß solchesschädlich sei; denn wenn man schon nicht geschickt und gescheit ist, kann man dennochin der Welt ehrlich fortkommen, auch die Seligkeit erlangen, aber um einen bösenMenschen steht es im Zeitlichen und Ewigen gefährlich." Ebenso stark betonte er denZusammenhang des Lernens mit dem sittlichen Verhalten. „Die vornehmsten Hinder-nisse des Lernens machen die Lüste und das daher rührende Wünschen. Wer immer