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2 (1860) Director - Globus
Entstehung
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Flattich.

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Anekdoten und Aussprüche von ihm von Mund zu Mund fortpflanzt, so wie sie seinenUmgang nicht weniger auch bei Vornehmen (der bekannte — katholische — Herzog Karlverkehrte auch gerne mit ihm) beliebt machte, unter denen der unscheinbare Dorfpfarrermit der größten Unbefangenheit und Freimüthigkeit sich bewegte und denen er mit un-geschminkter Wahrheit, jedoch stets auf eine Weise, die nichts verletzendes hatte, zuantworten wußte.

Das „Jnformiren," wie er es nannte, war sein Element und seine angenehmsteBeschäftigung. Schon als Student faßte er den Entschluß, er wolle der Liebe nachleben,und da man diese am besten im Unterrichten der Jugend beweisen könne, so verlegte ersich darauf und blieb dabei bis ins höchste Alter. „Ich gab, erzählt er, manchemStudenten gute Worte und lief ihnen nach, daß sie sich umsonst von mir informirenließen. Weil ich auch merkte, daß man von einem Hochmüthigen nicht gern lerne, sounterließ ich alles, was den Schein des Hochmuths geben konnte." Da er als Vicar5 Jahre lang nicht mehr studiren konnte, so legte er sich, „um nicht ganz unbrauchbarzu sein", aufs Jnformiren. Auf seinen Pfarreien hatte er immer, in der Regel 12—16,Kostgänger aus allen Ständen von des Generals Sohn bis zum Schulmeisterssohn, imAlter öfter so ungleich, daß alle Jahrgänge vom 10. bis 20. Jahr vertreten waren;er bereitete sie zu den verschiedensten Berufsarbeiten, auch unmittelbar auf die Universitätvor. Wenn ein Vater mit seinem Sohn nicht mehr wußte, wo aus und ein, so nahmer seine Zuflucht zu Flattich, weswegen seine Kostgänger meistens, wie er sagt, einen„ästootus inAsnii oder raorum" hatten. Einmal brachte ihm ein Oberamtmann seinenSohn und erklärte sogleich beim Eintritt, mit dem Schlingel sei nichts anzufangen, erhabe schon alles mit ihm probirt, aber fruchtlos. Flattich fragte, was er denn schonmit ihm gemacht habe. Antwort: er habe ihn schon unbarmherzig geschlagen. „Wasweiter?" Er habe ihn tagweise eingesperrt. „Was mehr?" Er habe ihm nichts zu essengegeben. „Ob sonst nichts mehr?" Jetzt riß dem Amtmann die Geduld: was mandenn sonst noch thun könne? Ei, sagte Flattich, ob er denn nicht auch für seinen Sohngebetet habe? Als der Vater dies verneinte, erwiederte Flattich, da nehme es ihn nichtWunder, daß sein Sohn nicht gerathen wolle; er, Flattich, wolle es nun mit dem Pro-kuren, was er, der Vater, bisher nicht gethan habe; denn das sei eine Hauptsache inder Erziehung. Flattich hielt Wort und mit dem Sohn wurde es besser. So erzoger nach und nach 200 Zöglinge in seinem Pfarrhaus. Dabei verfuhr er oft auf dieoriginellste Weise, so z. B., wenn er mit einem jungen Menschen, der keine Minuteseine Gedanken bei etwas festhalten konnte, etliche Wochen das Schachspiel trieb, bis erdaran seine Gedanken fixiren lernte, worauf er ihn sodann erst recht informiren konnte;oder wenn er einmal bei einem Kostgänger, den man ihm als einen durch und durchfaulen Menschen übergab, damit anfieug, daß er ihn, während die andern Unterrichterhielten oder ihre Aufgaben ausarbeiteten, einige Wochen lang thun ließ, was ihmbeliebte, bis er endlich selbst bat, man möchte ihn auch mitlernen lassen. Solche Dingedarf freilich nicht jedermann nur uachmachen; dagegen wird jeder Erzieher die Wortebeherzigen dürfen, mit welchen Flattich uns schildert, wie er seinen Erziehersbernf auf-faßte und welche Anforderungen au seine eigene Person er aus demselben ableitete.Der edle Mann charakterisirt sich selbst damit am besten. „Besonders", sagt er, „be-strebe ich mich, daß meine Kostgänger eine Liebe und Hochachtung gegen mich bekommen.In meinem Bezeugen habe ich die Worte Christi zu meinem Augenmerk, da er zu seinenJüngern sagt: Ihr heißet mich Meister und Herr und sagt recht daran, denn ich binsauch, ich aber bin unter euch wie ein Diener. Daher ich auch mit meinen Kostgängernin der Liebe und Freundschaft wandte, ich fordere keinen großen äußern Respect undbeweise mich nicht als einen Vorgesetzten, bis es die Noch erfordert; ich habe auch er-fahren, daß man lernen müße, blind, taub und stumm auf gehörige Art zu sein. Inmeiner übrigen Einrichtung halte ich mich an die Regel: schlecht und recht behüte mich,Herr; denn junge Leute lieben das natürliche, ungekünstelte Wesen und von dem Rechten