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2 (1860) Director - Globus
Entstehung
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Fichte.

Flattich.

Herzigkeit und der verzeihenden Liebe keinen Raum in einem System finden, welchesneben der ursprünglichen Unschuld des Menschen die gleichfalls angeborene Neigung zurSünde gänzlich in Abrede stellt. Nur das Haus ist die Pflegestätte dieser liebevollenund Liebe erzeugenden Erziehung; es war demnach ebenso folgerecht als einseitig undhart, daß Fichte die Erziehung der Jugend von dem elterlichen Hause gänzlich gelostwissen wollte. Schräder.

Filialschnle, s. Landschule.

Flatterhaftigkeit, s. Leichtsinn.

Flattich, Johann Friederich — ein origineller Pädagoge des vorigen Jahr-hunderts, den der Dichter A. Knapp „einen in das Gewand eines Dorfpfarrcrs ver-kleideten neutestamentlichen Salomo" nennt und von dem der tiefsinnige Prälat Oetingersagt, die Welt kenne seine Verdienste nicht, er aber bekümmere sich nicht darum, denner suche und wolle nichts als Wahrheit — wurde den 3. October 1713 zu Beihingenbei Lndwigsburg geboren, war von 1742 an Garnisonsprediger auf Hohenasberg, von1747 Pfarrer zu Metterzimmern, von 1760 zu Münchingen, wo er den 1. Juni 1797in seinem 84. Lebensjahr starb. Er gehörte zu jener Reihe von Repräsentanten deswürttembergischen Pietismus, die, aus der Schule des großen I. A. Bengel (s. d. Art.)hervorgegangen, während der Blütezeit des Nationalismus theils als wissenschaftlicheTheologen theils als praktische Geistliche für Erhaltung und Verbreitung biblischerErkenntnis und christlicher Gesinnung in der württembergischen Kirche aufs segensreichstewirkten, nimmt aber unter ihnen eine eigenthümliche Stellung dadurch ein, daß er alsder eigentliche Pädagoge dieser Richtung anzusehen ist; denn wenn auch z. B. Bengel,Oetinger und andre Männer dieses Kreises, wie PH. D. Burk und PH. M. Hahn,theils als praktische Erzieher theils schriftstellerisch auf diesem Feld sich bewegten, so be-thätigte sich doch immerhin ihre Hauptkraft nach einer andern Seite; Flattich hingegenconcentrirte sich in seinem Denken und Wirken ganz aufs Pädagogische und zwar sosehr, daß er auch da, wo er es nicht gerade mit Kindern, sondern mit Erwachsenen, seies als Seelsorger sei es im zufälligen Menschenverkehr, zu thun hatte, immer in päda-gogischer Spur einhergeht. So kam eines Tags ein Mann seiner Gemeinde zu ihm,der statt durch ein rechtmäßiges Gewerbe sich lieber als Musikant bei Hochzeiten undKirchweihen zu ernähren suchte, und bekannte ihm, daß er sich über sein Gewerb wohlein Gewissen mache, er sei aber eben ein armer Mann und könne diesen Nebenverdienstwohl brauchen, was denn der Herr Pfarrer davon halte. Flattich merkte wohl, daßder Mann für die Entsagung noch nicht reif sei, und gab ihm den kurzen Bescheid:„Nur fortgegeigt!" Dieselbe Antwort wiederholte er, als der Mann ihm später noch ein-mal in ähnlicher Weise seine Noth klagte. Die Unruhe des Mannes hörte natürlichauf den Rath hin nicht auf, sie wuchs vielmehr; denn er merkte wohl, wie es von Flattichgemeint war. Endlich aber kam er wieder zu seinem Seelsorger und brachte ihm mitfreudigem Herzen die Nachricht, er habe jetzt seine Geige zerschlagen. So wußte Flattichauch jenem General, der ihn fragte, ob man denn auch etwas gewisses vom Zustandnach dem Tod wissen könne, auf wahrhaft sokratische Weise zu dienen. Er fragte ihn,ob er glaube, daß er nach dem Tod nicht mehr General sein werde. „Ja," erwiedcrtejener. Ob er es auch gewiß glaube? Ja, er zweifle gar nicht daran. „Nun," sagteFlattich, „so wissen Sie also etwas gewisses vom Zustand nach dem Tod; fangen Sienur bei dem an, was Sie jetzt gewiß wissen." —Flattich war zum Erzieher wie gemacht;er war ein Mann von klarem durchdringendem Verstand, mit welchem er die edelsteEinfalt und lauterste Geradheit verband, ein Mann, dem die Seelenruhe des Weisenund ein in Gott stets heiterer und froher Muth aus dem Angesicht leuchtete, voll De-muth und aufopfernder, dienender Liebe, wie gegen jedermann, so besonders gegen dieJugend; dabei besaß er in hohem Grad die Gabe sententieser Rede, der eine Fülle dereinfachsten und treffendsten Bilder und Gleichnisse zu Gebot stand. Diese Eigenschaftenmachten ihn ebensosehr auch zum Mann des Volks, welches bis auf den heutigen Tag