Druckschrift 
2 (1860) Director - Globus
Entstehung
Seite
378
Einzelbild herunterladen
 

holds Stelle eine philosophische Professur in Jena angetragen, welche er zn Ostern 1794antrat. In diese Zeit fallen die grundlegenden Schriften seines Systems (Necens. desAenesidemus, die verschiedenen Bearbeitungen der Wissenschaftslehre, Bestimmung desGelehrten, 1794; Rechtslehre 1796; Sittenlehre 1798); neben seinen Vorlesungen suchteer indes auch unmittelbar die Sittlichkeit unter den Studenten z. B. durch Auslosungder Studentenorden zu heben, was zwar Anerkennung fand, aber durch Schlaffheit undUnverstand von anderer Seite zum größten Theile verhindert wurde. Die Anschuldigungdes Atheismus und die hieran sich knüpfenden Streitigkeiten bewogen Fichte, sein Lehr-amt 1799 aufzugeben und nach Berlin zu gehen, wo er seiner Lehre theils durch Vor-lesungen theils durch mehrere Schriften (Bestimmung des Menschen 1800; Grundzügedes gegenwärtigen Zeitalters, Wesen des Gelehrten und Religionslehre) eine größereVerbreitung sicherte. In dieser Zeit trat auch der ursprüngliche Unterschied zwischenFichte und Schelling scharf hervor (vgl. Fichte und Schelling, philosophischer Brief-wechsel, Stuttg. 1856, besonders S. 124); daß Fichte im Gegensatz zu der Schelling-schen Indifferenz des Subject-Objects die überwiegende Bedeutung des Geistes alsdes Subjects festhielt, erleichterte zugleich seine religiöse Vertiefung, welche von jetzt auin zunehmendem Maße seine Lehre und seine Schriften durchdringt. Im I. 1805 zumProfessor der Philosophie an der damals preußischen Universität Erlangen ernannt, wurdeer durch den bald ausbrechenden Krieg, an welchem er selbst als Redner Theil zu nehmenwünschte, bewogen, zunächst nach Königsberg und bei dem Nachdräugen der Franzosennach Kopenhagen zu gehen, von wo er 1807 nach Berlin zurückkehrte. Gleich im fol-genden Winter hielt er dort trotz der französischen Besetzung seine Reden an diedeutsche Nation, in denen er die Grundzüge einer Nationalerziehung als des ein-zigen Mittels zur Wiedergeburt des gesammten Deutschlands darlegte. Zugleich entwarf, er auf amtliche Veranlassung einen Plan für die in Berlin zu gründende Universität;indes gieng die Bearbeitung dieser Angelegenheit später in andere Hände über. An derneuen Universität als Professor der Philosophie, und in den beiden ersten Jahren alsDecan und Rector thätig, wünschte er gleichwohl an dem ausbrechenden Freiheitskriegeals Feldredner Theil zu nehmen, was jedoch wie früher unter dankbarer Anerkennungseiner Absicht abgelehnt wurde. Am Krankenbett seiner am Lazarethfieber darnieder-liegenden Frau wurde er von derselben Krankheit ergriffen und starb den 27. Jan. 1814.Vgl. Fichte's Leben und Briefwechsel, herausgegeben von I. H. Fichte, 2 Bde. 1830. 31.Strümpell, die Pädagogik der Philosophen Kant, Fichte, Herbart, 1843. — WieFichte nach wiederholter eigner Aeußerung vielmehr Lehrer und Redner als Schrift-steller war, so ist er auch für die Pädagogik in zweifacher Hinsicht wichtig, durch denvorwiegend ethischen Charakter seines Systems und durch den von ihm zuerst gehegtenGedanken einer Nationalerziehung im Gegensatz zu den kurz vorhergehenden kos-mopolitischen Erziehungsideen; in deidem Bezüge zeigt er seine Verwandtschaft mit Platonund Aristoteles, den philosophischen Pädagogen des Alterthums. Dagegen hat er einausführliches System der Pädagogik nicht entworfen; am ausdrücklichsten äußert er sichüber dieselbe in seinem System der Sittenlehre (Werke, Bd. IV.), seinen Reden an diedeutsche Nation (WW. Bv. VII.) und in den Aphorismen über Erziehung vom I. 1804(Bd. VIII. S. 353); indes überall hauptsächlich nach der ethisch-nationalen Seite,während er — auch dies in Gemäßheit seines philosophischen Systems — die Psycho-logischen Bedingungen der Erziehung nirgends eingehend erörtert. Denn die gelegent-lichen Betrachtungen, welche sich bei ihm über die Einbildungskraft und dasErinnerungsvermögen finden (vgl. besonders „die Thatsachen des Bewußtseins"(WW. II. 565 ff. und 577 ff.), beziehen sich wesentlich auf die Reflexion und dieDarstellung des absoluten Bewußtseins; desgleichen haben die Bemerkungen, welche erüber Gefühl und Sinn macht (a. a. O. 584), nur den Zweck, die Begrenzung desIch deutlich zu machen. Dagegen legt er überall auf den Willen als das ursprüng-liche und schöpferische Vermögen des Ich das größte Gewicht, nur daß er auch hier