Festigkeit.
Fichte.
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eigentümlichen schwachen Seiten aufmerksam zu machen und ihnen gewisse möglicheFälle für die Zukunft vorzuhalten, wo die Festigkeit der Grundsätze und des Strebensin Gefahr geräth; wer einer Gefahr nicht unvorbereitet entgegengeht, den wird sieweniger erschüttern. Nicht minder soll aber auch der Erzieher seinem Zögling die eigen-tümliche Begabung, die edlen und kräftigen Anlagen zum Bewußtsein bringen, dieideale Seite, worin die eigentliche Lebensaufgabe des Einzelnen beruht. Das Zielkann nur erstrebt werden, wenn man es kennt und fest im Auge behält; unvorher-gesehene Umstände, widrige Schicksale, auch momentane Verfinsterung des eigenenBlickes mögen zeitweilig den lichten Punct dem Auge entrücken, auf falsche Bahnenleiten, wem aber das höhere Bewußtsein seiner Lebensidee einmal aufgegangen ist, derkann sie auch dann wieder suchen und finden. Damit aber dieses Streben nach innererVollendung nicht in Selbstsucht, in jenen Tugendstolz des Stoikers ausarte, der dieConsequenz und Festigkeit auf Unkosten der Liebe gewinnt, die nicht das Ihre sucht,muß die religiöse Erziehung, wie sie das Evangelium fordert, die sittliche Bildunganfangen und vollenden. Sie muß dem Wollen und Streben den rechten Inhalt gebenund die Erkenntnis öffnen, daß nicht die Folgerichtigkeit an sich, sondern der Gegen-stand des Willens es ist, welcher die Festigkeit achtungswerth macht und den Menschenadelt*); sie muß im Lichte der gottmenschlichen Persönlichkeit des Erlösers auch an dengefeierten Heroen der Willenskraft und Festigkeit zeigen, wie ihr Werk auf Sand ge-baut war, wo es nicht in der demüthigen Hingabe an den Willen Gottes begründetwar. Die Gefühle des Menschen wechseln mit seinen Vorstellungen; mit den Zielenund Zwecken, die er sich setzt, steigen und fallen seine Werthurtheile, seine Neigungenund Affecte; alles Irdische aber ist vergänglich, wie unser Leib, und nur „wer denWillen Gottes thut, der bleibet in Ewigkeit." Diesen Glauben zu beleben und in ihmden festen Mittelpunct zu schaffen, ist das hohe Ziel christlich-religiöser Bildung; dieevangelische Erziehung hat ihr Wesen darin, daß sie Handreichung bietet, im Zeitlichendas Ewige, im Weltlichen das Geistliche, im Menschlichen das Göttliche zu erkennenund festzuhalten — durch den Glauben an den, welcher der gesammten Menschheit derunverrückbare Mittelpunct geworden ist. A. W. Grube.
Fibel, s. ABC-Buch.
Fichte, Johann Gottlieb, geb. zu Rammenau in der Oberlausitz den 19. Mai 1762,Zögling der Landesschule Pforta, studirte seit 1780 in Jena und Leipzig Theologie.Sein philosophisches Streben gieng von der Dogmatik aus; ursprünglich dem Deter-minismus zugethan, in welchem er durch Spinoza befestigt wurde, hat er sich von demSysteme des letzteren erst durch die Entwicklung der eigenen Lehre befreit. Seit 1784Hauslehrer in Sachsen gieng er in derselben Eigenschaft 1788 nach Zürich, wo er dieGründung einer Realschule beabsichtigte; in dem noch vorhandenen Plane derselben findensich sehr beherzigenswerthe Winke über die Abfassung deutscher Aufsätze. Mit einer NichteKlopstocks verlobt wurde er durch häusliche Verhältnisse an der sofortigen Schließungder Ehe verhindert, er gieng deshalb 1790 nach Leipzig zurück, wo er sich mit derKant'scheu Philosophie beschäftigte und durch dieselbe nach seiner eignen Aussage dieUeberzeugung von der gänzlichen Freiheit des menschlichen Willens gewann. Nach einemmislungenen Versuche, eine Hauslehrerstelle in Warschau anzutreten, begab sich Fichte1791 nach Königsberg, wo er Kant kennen lernte und seinen „Versuch einer Kritik allerOffenbarung" schrieb, als dessen Verfasser man anfangs Kant ansah. Nach einer Haus-lehrerschaft in Westpreußen kehrte Fichte 1793 zu seiner Verheiratung nach der Schweizzurück, wo er jetzt Pestalozzi besuchte; gegen Ende dieses Jahrs wurde ihm an Rein-dl „So ein wildgewachsener Naturwille, welcher ungeheuren Widerstandskraft ist er fähig,wie zerstörend kann er wirken, welche Energie und Ausdauer im Bösen bewähren! — Aber nichtFestigkeit und Spannung ist es, wonach der Werth des Willens zu messen ist, sondern das Ziel,worauf er geht." vr. L. Wiese, „die Bildung des Willens."