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Festigkeit.
der Erwachsenen. Von den Alten heißt es, sie lehrten die Jungen schweigen; ihre Be-sonnenheit, das Maß und die Festigkeit der Rede ward zum nicht geringen Theil durchdiese Tugend des Schweigens begründet. Leider ist sie heutzutage selten geworden undin den „gebildeten Familien" oft am wenigsten zu Hause. — Die Erzieher dürfen sichaber selber nicht dem Geschwätz hingeben; ihre Rede sei kurz, bestimmt und sicher; sieerleichtern den Gehorsam der Jugend durch nichts mehr, als durch ihre eigene Festigkeit(vgl. d. Art. Befehlen). Was einmal befohlen und festgesetzt ist, dabei muß es auchverbleiben; mag es dem Kinde auch zuweilen hart dünken, im ganzen freuet es sichselber des unbedingten Gehorsams, denn sein noch schwacher Wille bedarf einer Stütze,die Stand hält. Nur dann, wenn diese selber ins Schwanken geräth, wenn es Partei-lichkeit, Ungerechtigkeit und Willkür bei den Eltern oder Lehrern gewahrt, wird es selberlaunisch und trotzig. Doch kommt auch bei der besten Behandlung nicht selten einTrotz und Starrsinn zum Vorschein, der weniger im bösen Willen als in der momen-tanen Unfähigkeit beruht, sich aus der Passivität der Seele zu befreien und von einemEindrücke zu abstrahiren.*) Zorniges Schelten und Drohen hilft da nicht, wohl aberdie Befreiung des Gemüths, indem mau die Aufmerksamkeit auf andere Dinge lenktund dann wieder — freundlich und fest zugleich — zum früheren Befehle zurnckkehrt.So sehr die Lehrer und Erzieher vom Fach der Festigkeit bedürfen, die sich auch denThräuen zärtlicher Mütter gegenüber zu behaupten weiß, so mäßen sie sich doch vorjener starren Festigkeit hüten, welche ohne das Eigenthümliche des vorliegenden Falleszu berücksichtigen, nur der theoretischen Vorschrift folgen will. Hingegen sind wieder dieFrauen, die mehr aus dem Gefühl heraus als nach Verstandesregeln handeln, geneigt,Ausnahmen zu machen; gut, wenn der weiblichen Schwachheit die männliche Festigkeitzur Seite steht und nachhilft.
In Betreff der Festigkeit der Gefühle hüte man sich vor verfrühtem und unzeitigemKritisiren; dies stört die Lauterkeit, Tiefe und Innigkeit der Anschauung und hindertmit der Erschütterung der Vorstellungsreihen auch die Sicherheit der Gefühlsentwicklung.Es ist schlimm, wenn Schule und Haus nicht einig sind, wenn hier Personen, Ein-richtungen und Strebungen getadelt werden, welche dort entscheidend sind. Die Jugendwird dann irre an sich selber. Wie Schule und Kirche, so müßen auch Schule undHaus sich vertrauensvoll die Hand bieten und vom gleichen guten Geiste durch-drungen sein.
Muß der Wille der Jugend an der Festigkeit der Erzieher wie die Rebe amSpalier einen Halt bekommen, so ist andererseits wohl zu beachten, daß nur die ausdem eigenen Wesen hervorgehende Selbständigkeit die rechte Festigkeit des Willensverbürgt. Darum gängele man die Kinder nicht zu sehr, überlade sie nicht mit Vor-schriften und gebe ihnen, wo es irgend angeht, Gelegenheit, ihre eigene Kraft zu ver-suchen und sich selber zu helfen.**) Der kurze gemessene Befehl verwandle sich all-mählich, wie der Knabe und das Mädchen heranwächst, in freundliche Rathschläge undallgemeinere Weisungen, welche die speciellere Ausführung dem Einzelnen vertrauens-voll überlassen. Eltern und Lehrer, die mit der Individualität ihrer Zöglinge vertrautgeworden sind, mögen sichs aber ganz besonders angelegen sein lassen, selbige auf ihre
*) Als der willenskräftige, aber starrsinnige Carl XII. von Schweden sich in Bender fest-setzte und nach dem Verlust seines Heeres für sich allein noch seinen Zweck, dessentwegen er denFeldzug unternommen, erreichen wollte, war er bereits zu einer Passivität herabgesunken, dienicht zu abstrahiren vermag; es war nicht mehr Festigkeit der Seele, sondern das Beherrschtseinvon einer fixen Idee.
**) Schon das auf dem Boden kriechende Kind kann dazu angehalten werden, wenn man ihmzur Fortbewegung, zur Erreichung eines Gegenstandes, eines Spielzeuges rc. nicht ohne Nothhilft, sondern alles der Art möglichst ihm selbst überläßt; es ist merkwürdig, wie viel dieseMaxime dazu beiträgt, SelbstthLtigkeit und Festigkeit des Charakters im Kinde anzulegen.
D. Red.