Festigkeit.
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liehen Leben zu wenig praktische Zwecke verfolgt, lernt eben deshalb die Dinge dieserWelt viel zu wenig fest ins Auge fassen. Daher kommt es auch, daß er für Italienerund Polen schwärmt, in alles Fremde sich hineinphantasirt und hineinempfindet, überall seininneres Wesen öffnet, damit aber den festen Mittelpunct desselben erschüttert. Der Eng-länder denkt vielleicht weniger philosophisch und allseitig, aber seine Begriffe sind fester,weil ihnen nicht die feste Umgrenzung des Lebens und Strebens gebricht. Ein festesund geordnetes Denken und Wissen übt einen vortheilhaften Einfluß auf Festigkeit desWollens und Charakters; travaillous äono ä bion pmnssr, voilä Io xrinoixs cks lurnoralo (Uasoal).
2) Festigkeit der Gefühle, des sittlichen Strebens und Handelns.Wie das auf concreter Grundlage fest begründete Denken die Fähigkeit besitzt, jederneuen Vorstellung den rechten Platz anzuweisen in den wohlgeordneten Reihen undGliedern der Gedanken, so daß sie diese entweder stützen muß, oder falls sie nicht eiu-gefügt werden kann, verworfen wird: so muß auch das Gemüth fest werden und denMittelpunct bilden, an welchem die wechselnden Gefühle, Strebungen und Handlungenkrhstallisireu und als Einheit unmittelbar zum Bewußtsein kommen. Zur Erreichungdieses Zieles hat die Erziehung zunächst und vor allem zu sorgen, daß der junge Menschsich selber in die Gewalt bekomme. Das Kind muß schon mit dem ersten Aufdäm-mern seines Bewußtseins lernen, an sich zu halten, sich nicht an die Eindrücke undReize zu verlieren; auch in seinem höchsten Genuß, dem des Essens und Trinkens,muß es noch Auge und Ohr für seine Umgebung behalten und im Stande sein, dieBegierde der niederen Sinne zurückzudrängen, wenn seine höheren Sinne von einer-neuen Erscheinung getroffen werden. Leider wetteifern nicht selten die Eltern mit denDienstboten, die Kleinen begehrlich und sinnlich zu machen, indem sie entweder beijeder Gelegenheit, wo sich das Kind ungeduldig zeigt, die Speise als Beruhigungs-mittel anwenden, oder, wenn sie selber beim Essen sind, den hinzutretenden Kindern vonihrer Mahlzeit mittheilcn. Dadurch werden die Kleinen unfähig, mit Muhe andereessen zu sehen, während eine feste Ordnung schon nach dieser Einen Seite hin dieKraft des AnsichhaltenS stärken würde.*) Man mache es schon früh dem Knaben zumEhrenpnucte, allem, was die Bedürfnisse des Körpers betrifft, keine zu große Wichtigkeitbeizulegen, schnell z. B. den Fesseln des Schlafes sich zu entwinden, Sturm und Wetternicht zu scheuen, bei kleinen Verwundungen nicht zu jammern. Auch die Mädchen sindvor Zimperlichkeit zu bewahren. Es ist von den Aerzten öfter bemerkt worden, daß inder Art, wie die erkrankten Kinder die Arznei nehmen und sich behandeln lassen, als-bald die gute feste oder die schlechte schlaffe Kinderzucht sich bemerklich mache. DasKind darf nie etwas ertrotzen und erschweren; bleiben nur die Erwachsenen fest, so lerntes sich bald fassen. Die Kunst des Wartens und AnsichhaltenS will, wie jede andereKunst, geübt sein; es gehört dahin aber auch das Schweigen der Jugend bei den Reden
*) 0r. Schieber bemerkt in seiner „Kallipädie" (Leipzig 1858): „Es könnte manchem diekonsequente Durchführung dieser und ähnlicher Grundsätze nicht wohl thunlich erscheinen, nament-lich wegen der bekannten Häufigkeit von Schwachen aller Art unter den mit der Kinderwartungbeauftragten Personen. Hierzu nur eine kleine Erfahrung aus meinem eigenen Familienkreise.Die Wärterin eines meiner Kinder, eine im allgemeinen sehr brave Person, hatte einst trotz desausdrücklichen Verbots, dem Kinde außer seinen Mahlzeiten irgend etwas und wenn es das Un-bedeutendste sei zu verabreichen, ein Stück von einer Birne, die sie selbst aß, gegeben, wie essich auch hier durch das nachherige Benehmen des Kindes entdeckte. Sie wurde ohne sonstigeUrsache sofort aus dem Dienste entlassen, da ich das n'öthige Vertrauen in ihre unbedingte Ge-wissenhaftigkeit nunmehr verloren hatte. Dies wirkte. Eine Nachfolgerin erzählte es der andern,und ich habe seitdem nie wieder weder bei diesen noch bei den späteren Kindern eine solche Ent-deckung gemacht. Der volle Ernst ist die durchgreifendste moralische Macht, welcheauch hinter unfern Augen fortwirkt und das Durchführen aller mit Ueberwin-dung verbundenen Erziehungsgrundsätze unglaublich erleichtert."
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