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Festigkeit.
s eitig sich halten und stützen. Bei allen Schwierigkeiten und Hemmnissen, die inden Lebensverhältnissen und in der Individualität des Zöglings, wie in der beschränktenKraft der Erzieher unvermeidlich gegeben sind, können doch folgende für die Bildungzur Festigkeit entscheidende Puncte nicht bloß erstrebt, sondern auch — nach den ge-gebenen Bedingungen selbstverständlich modificirt — erreicht werden.
1) Festigkeit des Denkens. Die Anschauung bildet die Grundmauer für dasGebäude der Gedanken. Daß von der Anschauung zum Begriff fortzuschreiten sei,darüber ist man einig; aber weniger ist man auf das längere Festhalten im Bereichder sinnlichen Anschauung bedacht; man schreitet meist zu voreilig fort zum reflectirtenund begrifflichen Denken. Von größter Wichtigkeit ist, daß von vornherein die sittlicheKraft im Anschauen, nämlich die gehaltene Aufmerksamkeit, die willige Hingabe an denGegenstand, das Anschanenwollen gebildet werde, so daß jedes Schwanken, jede Unklar-heit und Unsicherheit in den Begriffen ein Gefühl der Unruhe und des Misbehagenshervorruft. Die Kinder sind allerdings geborne Sanguiniker; ihr weiches Hirn verträgtnoch nicht jene andauernde Beschäftigung mit Einem Gegenstände, wie das reifere Alterihrer fähig ist, Abwechslung thut ihnen noch und eine zu große Anspannung ihrerAufmerksamkeit würde ihr Anschauungsoermögen eben so schwächen, wie eine zu geringe.Aber der Wechsel schließt nicht die Ordnung und zusammengehaltene Thätigkeit aus;ein bloßes Naschen von der Mannigfaltigkeit der Gegenstände, ein unstetes Flatternvon einem zum andern ist von vornherein fern zu halten. Gleich allen Sanguinikernsind auch die Kinder geneigt, nach dem ersten Eindruck zu urtheilen; man berichtige ihrUrtheil nicht durch Raisonnement, sondern durch Anleitung zu einem gründlicheren An-schauen und sorgfältigeren Beobachten — nur so gewinnt ws Festigkeit. Besonders sindes die Phantasiebegabten und Geistreichen, welche die Erziehung in Zucht zu nehmenhat, daß sie an die Wirklichkeit der Dinge herantreten und sich nicht mit dem Scheinund Glanz der Oberfläche begnügen; je leichter sie sich mit den Dingen abfinden, dieVorstellungen verbinden und trennen und das Wort in ihre Gewalt bekommen, destomehr ist dafür zu sorgen, daß sie sich nicht ihren freien Phantasieen überlassen, sondernauf Grundlage einer geordneten ihre ganze Thätigkeit in Anspruch nehmenden An-schauung auch in festgeschlossenen Gliedern des begrifflichen Denkens vorwärts schreiten.
Von großer Wichtigkeit für die Befestigung der Vorstellungen ist aber auch dieAbgrenzung des Anschauungsfeldes. Der Mensch soll frühzeitig lernen, nachden ihm gegebenen Verhältnissen und den von ihm frei gewählten Zwecken des Lebenssich zusammenzufassen; wie das Haus soll auch die Schule feste Kreise ziehen, damitder Zögling darin heimisch werde und Kraft sammle, das seiner Anschauung Dargebotcnefest sich anzueignen und geistig zu verarbeiten. Wo die Schule ihre Stellung zumLeben begriffen hat, wo sie weiß nicht bloß was sie soll, sondern auch was sie kannund will, da wird es auch an der rechten Concentration des Unterrichts (vgl. d. Art.,Th. I, S. 840 ff.) nicht fehlen. Nur innerhalb dieser fest gezogenen Schranken, aufGrundlage der gesammelten Kraft, ist die Herbart'sche Forderung der „Vielseitigkeit desInteresses" praktisch. Das Gymnasium, das zugleich Realschule sein will, hindert ebensodie geistige Festigkeit seiner Zöglinge wie eine Dorfschule, welche Humanitätszwecke „imallgemeinen" verfolgen wollte, ohne auf die Bedürfnisse ihrer Landjugend Rücksicht zuuehmen. Diese praktische Richtung ist nicht zu verwechseln mit dem materialistischenNützlichkeitsprincip, nach welchem nur das gelehrt werden soll, was sich unmittelbar ver-werthen und anwenden läßt; sie ist vielmehr das Streben nach der Einheit des Lernensund Lebens. An dieser Einheit fehlt es uns Deutschen noch an vielen Puncten nament-lich des kirchlichen und staatlichen Lebens. Die Christenlehre entbehrt eine Hauptstützeihrer Festigkeit, so lange das christliche Gemeindeleben darnieder liegt, und der Geschichts-unterricht würde viel fester im Gemüthe wurzeln, wenn unser Nationalleben wenigerzerfahren wäre. Der Deutsche, weil er von Jugend auf zu sehr mit allgemeinen Ve-rgriffen und Phantasievorstellungen aus der Idealwelt genährt wird, weil er im öffent-