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2 (1860) Director - Globus
Entstehung
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373
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Festigkeit. 373

psychologische Grundverhältnis des „Festen" und die hierdurch bedingte pädagogischeThätigkeit in Kürze darzulegen.

Wir begegnen auf dem psychischen Gebiet denselben Gegensätzen wie auf dem desphysischen Lebens: auch da giebt es feste und flüßige, harte und weiche, elastische undstarre Naturen, und die auf das Naturell sich gründenden Temperamente können wirfüglich in feste und flüßige abtheileu. Die beiden festen sind das phlegmatischeund cholerische, die beiden flüssigen das sanguinische und melancholischeTemperament. Der Phlegmatiker wird von körperlicher Seite her durch die geringeNervenreizbarkeit, den langsamen Stoffwechsel, die Gleichmäßigkeit der Functionen über-haupt sehr begünstigt, auch im Geistigen und Sittlichen eine große Beharrlichkeit undFestigkeit zu entwickeln; er braucht nur dem in seinem Wesen begründeten Gesetz derTrägheit zu folgen, um eine gleichmäßige Stimmung seiner Seele zu behaupten unddas festzuhalten, was er als recht, gut und zweckmäßig erkannt hat. Der Cholerikerbesitzt von Natur eine kräftige Sinnlichkeit und mit dieser zugleich eine bedeutendeStärke der Seelenkräfte; er kann deshalb von äußeren Eindrücken zwar lebhaft erregtwerden, aber es wird dies überwiegend mit und zu eigener Selbstthätigkcit und zurGeltendmachung seines Wesens geschehen. Mit derselben Entschiedenheit, mit der erdas ihm Zusagende aufnimmt und verarbeitet, weist er das ihm Fremde oder Feind-liche zurück; er trotzt gegen fremde Einflüße und beharrt gern bei vorgefaßten Meinun-gen. Man hat wegen dieser günstigen Disposition zur Festigkeit auch wohl beide, dasphlegmatische und cholerische Temperament die Charakter-Temperamente genannt,und das sanguinische und melancholische die Naturell-Temperamente (vgl.PopuläreVorlesungen aus dem Gebiet der Physiologie und Psychologie von vr. Emil Harleß,1855), da bei diesen das Naturell, indem es der Charakterfestigkeit mehr hinderlichals förderlich ist, überwiegend sich geltend macht. Der Sanguiniker hat leichtes, durchlebhaften Stoffwechsel stets erfrischtes Blut, leichte Erregbarkeit und leichten Sinn;der Melancholiker hat schweres Blut und schweren Sinn; jener wird vorzugsweisedurch Lustempfindungen, dieser durch Unlustempfinduugen bestimmt. Beide Temperamentekönnen sich momentan zu großer Kraftentwicklung erheben, aber die Festigkeit undFolgerichtigkeit im Handeln geht ihnen ab, da für sie die stets beweglichen Gefühls-und Phantasiegebilde das Maßgebende sind. Der Sanguiniker giebt sich zu sehr denReizen der Außenwelt hin, der Melancholiker zu wenig, daher seine psychischen VermögenMangel leiden und Unlustgefühle sich bilden, während der Sanguiniker wegen derUeberfülle und des Wechsels "der Reize diese nicht kräftig genug bewältigt und festhält.Zum Glück für den Erzieher sind die Temperamente in der Wirklichkeit nie ganz reinausgeprägt, sondern vielfach gemischt und gemildert; sie bilden für die freie Selbst-bestimmung des Geistes keine absolute Schranken. Gleichwie es kein psychisches Gebildegiebt, das durchaus starr zu nennen wäre unv keine Verschmelzung oder Berührung mitanderen zuließe: so giebt es auch keine durchaus flüßige Bildungen, die aller Fixirungwiderstrebten. Wie eine umsichtige Erziehung verhüten soll, daß die Festigkeit desPhlegmatikers in Eigensinn, des Cholerikers in Starrsinn ausarte: so hat sie auch da-hin zu wirken, daß die Naturanlage des Melancholikers, der sich gern von der Außen-welt in sein Inneres znrückzieht und allerlei trüben Vorstellungen und traurigen Ge-fühlen Raum giebt, veredelt werde zum idealen Ernst, den das tiefe Gefühl von derVergänglichkeit und Unzulänglichkeit alles Irdischen zum tieferen Erforschen der Welt desGeistes, zum innigeren Glanbensleben treibt und so durch die Fixirung eines religiösenMittelpunctes auch zur ethischen Kraft und Festigkeit des Handelns überleitet. Die Er-ziehung strebt darnach, den psychischen Gebilden Festigkeit zu geben, wo sie der bloßenNaturanlage überlassen verschwimmen würden, indem sie die Vorstellungen für dieSeele des Zöglings abzugrenzen, ihre Bildung zu leiten, abzuschwächen und zu ver-stärken, und die in und mit den Vorstellungen sich entwickelnden Gefühle und Strebun-gen in der Art mit den intcllectuellen Gebilden zu verschmelze» sucht, daß sie gegen-