Druckschrift 
2 (1860) Director - Globus
Entstehung
Seite
365
Einzelbild herunterladen
 

Fsnslon.

Ferien.

365

sucht auf seinen Regierungsantritt harrenden Reiches durch die ausgedehntesten undbedeutungsvollsten Rathschläge auszurüsten. Aber unter den erschütternden Ereignissen,welche den königlichen Palast verödeten, sank auch dieser Prinz in jähen Tod (Februar1712). Fsnslon, im tiefsten Herzen verwundet, das Leben und der Tod des Her-zogs von Bourgogne war in der That das Leben und der Tod Fsnslons schloßseitdem mit der Welt ab und wandte alle Gedanken, alle Sehnsucht dem Friedender Ewigkeit zu. Am Ende des August 1714 sank auch der treue Beauvilliers in dasGrab. Mit dem Eintritt des neuen Jahres erkrankte Fsnslon selbst; am 7. Januarvollendete er sein reich geschmücktes, vielgeprüftes Leben.

Fsnslons Werke erschienen zum ersten Male gesammelt, doch nicht vollständig,Paris 178792 in neun stattlichen Quartbänden, deren erster eine gut geschriebeneBiographie Fsnslons von Abbs Querbeuf enthielt. Im Jahre 1810 folgte eine zweiteAusgabe (Paris, 10 Bde. 8) und fast gleichzeitig eine dritte (Toulouse, 19 Bde. 12).Die pädagogischen Werke sind sehr oft aufgelegt worden; kaum zu übersehen sind dieAusgaben und Uebersetzungen des Telemach. Vgl. Ebert, bibliographisches Lexicon I.Die beste Biographie ist noch immer äs Uaussst, Histoirs Ls Isnslon (1?ar. 1808,3 Bde. 8. 2. Ausgabe 1809), die in deutscher Bearbeitung von Feder (Würzburg1811 f. 3 Bde.) auch bei uns bekannter geworden ist. Eine pädagogische WürdigungFsnslons hat der Verfasser dieser Skizze in drei Schulprogrammen versucht (Fsnslonin Versailles, Zittau 1857. 4. Fsnslon und sein Telemach. Ebend. 1858. Fsnslonund der Dauphin. Ebend.) Eine umfassendere Arbeit in dieser Richtung bereitet jetztein norddeutscher Gelehrter vor. H. Kümmel.

Ferien (Schulferien). Sobald das Unterrichtswesen eine gewisse Ausdehnungund Stetigkeit gewonnen hatte, trat auch das Bedürfnis ein, zu gewissen Zeiten Ver-lernenden Jugend wie den Lehrern und Führern derselben Erholung zu schaffen. Esist bekannt, daß für die Schulen in Rom das Fest der Quingnatrus (Quinquatria)eben deshalb eine froh begrüßte Zeit war (Uorat. exp. II. 2, 197). Bei der reichenEntwicklung des neuern Unterrichtswesens mußten, je mehr die Kräfte der Lehrendenund der Lernenden in Anspruch genommen wurden, um so mehr auch Zeiten der Er-holung ein Bedürfnis werden. In den Schulordnungen des 16. und 17. Jahrhundertssind daher Bestimmungen über Ferien oft gegeben; seitdem hat die Schulgesetzgebungdiesem Gegenstände immer wieder sorgfältige Aufmerksamkeit gewidmet, und die daraufbezüglichen Bestimmungen sind ebenso genau als mannigfaltig, drücken aber durchweg dieAnerkennung aus, daß Ferien nothwendig sind. Dabei ist nun freilich von vornhereinklar, daß das Bedürfnis ein sehr verschiedenes ist: ein anderes für den Lehrer, einanderes für den Schüler, ein anderes wieder für den Volksschullehrer, ein anderes fin-den Lehrer des Gymnasiums und der Realschule, wie denn auch der Jüngling von1618 Jahren solcher Unterbrechungen in anderer Weise bedarf, als der Knabe von8 Jahren; aber das Wesentliche ist doch unter allen Umständen, daß den durch Wochenund Monate in gleichmäßiger Spannung gehaltenen Kräften eine Frist geschenkt wird,wo die Spannung aufgehoben und freiere Bewegung möglich ist, wo die Ermüdungund Verstimmung sich lösen und Lust und Trieb zu neuer Thätigkeit sich bilden kann(vgl. die Art. Arbeit, Erholung). Dabei wird dann Bedürfnissen anderer Art wievon selbst auch Rechnung getragen: dem Bedürfnis der Lehrer, für einige Zeit einmalentschiedener ihrer Familie leben, ihren persönlichen Verhältnissen dienen zu können,ebenso dem Bedürfnis solcher Eltern, welche ihre Kinder fern vom häuslichen Kreisebilden lassen und doch die eigene Einwirkung auf das Gemüth derselben nicht aufgeben,sie überhaupt wieder einmal besitzen wollen, wie das Bedürfnis derjenigen Eltern, welchezu gewissen Zeiten des Jahres der wenn auch noch so beschränkten Unterstützung ihrerKinder im Hause oder im Felde nicht entbehren können. Gewiß wird, wie jede zweck-mäßige Abwechslung von Arbeit und Ruhe, auch die durch Ferien herbeigeführte fin-den scheinbaren Zeitverlust in der erneuten Arbeitslust vollständige Entschädigung ge-