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2 (1860) Director - Globus
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Fenölon.

strebenden Stolzes gewesen sind, wie sie aber doch alle in großen Wahrheiten zusammen-getroffen, obwohl freilich auch die edelsten dem sittlichen Leben nur schwache Stützenund Antriebe zu gewähren vermocht. Von hier aus war wieder ein Uebergang zu tie-ferer Würdigung des Christenthums leicht, und es scheint, daß der Prinz, zu größererSelbstthätigleit gelangt, bei aller Bereitwilligkeit, das von der Auctorität der Kirche ihmVorgehaltene gelten zu lassen, doch auch schärfer eindringendes Verständnis verlangte,das Fünälon wohl besonders durch historisch-apologetische Darstellungen (vgl. die Briefeüber verschiedene Gegenstände der Metaphysik und Religion) zu vermitteln strebte.

Indem er aber seinen Zögling, dessen Wahrheitssinn sich immer lebendiger ent-wickelte, zu diesen Höhen der Erkenntnis emporleitete, suchte er ihn auch auf dem Ge-biete der schönen Künste heimisch zu machen. Er selbst hatte sich, namentlich im Ver-kehre mit dem Maler Mignard, der oft in Versailles sich aufhielt, tiefere Einsicht indie Grundgesetze der Kunst und über die eigenthümlichen Unterschiede der alten und derneuen Meister zu verschaffen gesucht, und wie er nun den Prinzen in die Welt desSchönen einzuführen wußte, das zeigen z. B. die beiden Todtengespräche, in denen erPoussin einmal mit Parrhafius, dann mit Leonardo da Vinci sich unterhalten läßt.

Von besonderem Interesse ist freilich immer die Art, wie er die classische Literaturstudirt hatte und für den Unterricht benützte. Er kannte die griechische Literatur inziemlicher Ausdehnung, und es ist bezeichnend für ihn, daß er an Homer das höchsteWohlgefallen fand und über ihn nur die Poesie des alten Testaments stellen mochte,während er, sehr im Widerspruche mit den Gelehrten seiner Zeit, Virgil weit hinterjenen zurücktreten ließ. Zu verwundern ist es dann nicht, daß er unter Len Tragikernbesondere Vorliebe für Sophokles hatte, dem er auch vor den gepriesenen Dramatikernseiner Zeit entschieden den Vorzug gab. Eben so erschien ihm die Beredtsamkeit seinerZeit in großem Abstande von den Leistungen der alten Redner, und vor Demosthenesmußten ihm auch Bourdaloue, Bossuet und Massillon weichen. Den Historikern derGriechen scheint er mindere Theilnahme zugewendet zu haben. Unter den Lateinernschätzte er am meisten Cicero, und während er für die Schwächen seiner Reden einscharfes Auge hatte, waren seine rhetorischen Schriften für ihn Gegenstand des fleißig-sten Studiums. Virgil setzte er freilich unter Homer; aber die eigenthümlichen Vor-züge desselben erkannte er dabei lebhaft an, und sp hatte er auch an Horaz seineFreude. Die römischen Historiker waren ihm genau "bekannt. Aber wie ausgebreitetauch seine Bekanntschaft mit der classischen Literatur war, so wenig war er geneigt,im Unterrichte den Kreis dieser Studien planlos auszudehncn; ja er hat keinen Anstandgenommen zu erklären, daß das classische Alterthum, obgleich es eine durch Jahrhundertesortgehende Entwicklung darstelle, im Grunde doch nur wenige wahrhaft mustergültigeWerke hervorgebracht habe. Uebrigens hatte er dies mit allen Kunstrichtern jener Zeitengemein, daß er in den Klassikern vorzugsweise ihre formalen Schönheiten aufsuchte, diereale Seite der Alterthumsstudien eher vernachlässigte; als die höchsten Vorzüge derAlten aber bezeichnte er ihre Jugendlichkeit, Naturwahrheit und Simplicität. Ebendarum war ihm Homer so theuer, und vielleicht ist er unter den Neueren der Erste,dem die ganze Herrlichkeit homerischer Poesie aufgegangen und Gegenstand eines leben-digen Verständnisses geworden ist. Darum suchte er nun auch seinen fürstlichen Zöglingdadurch, daß er diejenigen Gesänge der Odyssee, welche die Irrfahrten des Helden er-zählen, für ihn in freiem Auszuge übersetzte, in diese Wunderwelt einzuführen. Wieeng mit diesen Bestrebungen der Telemach Fvnolons zusammenhängt, braucht hier ebennur angedeutet zu werden. Von den römischen Historikern lernte der Prinz nach undnach Cäsar, Livius und Tacitus kennen, und es ist bezeichnend für den Schüler und fürden Lehrer, daß der Erstere besonders an Tacitus sich erfreute, dessen Werke er spätervollständig übersetzte. (Für das Einzelne hier fast überall Fänvlons OialoZuss sur1'Äogusuoe zu vergleichen).

Der historische Unterricht der späteren Jahre war vorzugsweise eine umsichtig ge-