Fönölon.
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stolzen Herzen das Bedürfnis nahe legte, mit allem Wollen und Thun dem Herrn allerHerren gegenüber sich zu denken, vor welchem menschliche Größe und Herrlichkeit einNichts ist und nur ein demüthiges, nach Lauterkeit und Treue ringenres Gemüth be-stehen kann. Dabei wußte Fönolon natürlich eine Fülle trefflicher Belehrungen inden mannigfachsten Formen anzubringen : leichte Erzählungen, einfache Allegorieen, mun-tere Dialoge; Mythologie und Geschichte, die Schriften der Dichter, der Redner, derPhilosophen wurden für diesen Zweck ausgebeutet, und wenn man die lange Reihe vonErzählungen, Fabeln und Gesprächen, welche Fömllon für seinen Zögling niedergeschrie-ben hat, überblickt, so erkennt man alsbald, mit welcher Sorgfalt, mit welchem Fleißer sein Werk trieb, mit welcher Feinheit und Klarheit er alles Einzelne für die beson-dere Aufgabe zurecht zu legen wußte. Dabei verstand er es auch, mit seinen Mitthei-lungen noch besondere Exercitien zu verbinden: er ließ das Mitgetheilte vom Prinzenbald übersetzen, bald mündlich wiedergeben, in mancherlei Weise nachbilden und damitum so fester aneignen. Aber er war doch wenig geneigt, die intellectuelle Entwicklungdes Knaben durch besondere Reizmittel zu beschleunigen, was bei einem so begabten, soaußerordentlich lebendigen Geiste leicht zu der schlimmsten Ueberreizung hätte führenkönnen; allein indem er dem empfänglichen Zöglinge in besonnener Auswahl und an-gemessener Reihenfolge, auch bei Gesprächen, bei Spielen, bei Tafel, auf Spaziergängendie anmuthigsten Gegenstände vor das Auge führte, fesselte er immer sicherer seine Auf-merksamkeit, brachte er ihn zu zusammenhängendem Nachdenken, zu einer gewissen Stetig-keit im Verarbeiten des Aufgefaßten. Und so machte er es auch bei den ersten sprach-lichen Uebungen. Der Knabe hatte bald große Freude am lateinischen Unterrichte, beiwelchem Fönölon vor ihm zunächst aus den einfachsten Elementen die Sätze, bei Bear-beitung dieser die Regeln entstehen ließ, um ihn von da aus zur Beobachtung derEigenthümlichkeiten des Lateinischen und des Französischen anzuleiten.
Unter solchen Uebungen entwickelten sich die Anlagen des Knaben mit großerSchnelligkeit: er faßte sehr leicht und hielt doch auch das Aufgefaßte sicher fest; seinUrtheil war treffend und fein, seine Phantasie lebendig und fruchtbar; dabei strebte ermit wachsendem Ernste in die Tiefe, aber zugleich mit wunderbarer Wissbegierde in dieWeite. Anfangs gleichwie im Fluge auch Hohes ergreifend liebte er es bald, metho-disch vorwärts zu gehen und machte dabei nur um so raschere Fortschritte. Auch seinCharakter befestigte sich immer mehr.. Als indes an die Stelle übergroßer Lebhaftigkeiteine fast auffällige Schüchternheit trat, die wohl aus der Sorge vor Uebereilungenkam und allmählich in Abneigung vor öffentlichem Aüftreten übergieng, war Fsnölonwieder sorgsam bemüht, den Prinzen an freien Verkehr mit den Menschen zu gewöhnen.Das früher zuweilen heftig hervorbrechende Mitgefühl für anderer Leid wußte er zuedler Humanität zu verklären. Uebrigens war der Herzog später allezeit sehr geneigt,sich selbst scharf zu beobachten und harte Wahrheiten, die man ihm sagte, gelassen auf-zunehmen. Besonders empfänglich erwies er sich für religiöse Unterweisung, aus derer bald auch starke Motive zur Abwehr des Bösen wie zur Kräftigung im Gutenableitete.
Es versteht sich von selbst, daß der Unterricht im weiteren Fortschreiten auch indie Geographie und Geschichte einführte und dabei wurde das Land, dessen Regent derPrinz einst werden sollte, besonders genau behandelt, obwohl es gerade hier an passen-den Hülfsmitteln sehr fehlte. Allmählich erhob sich der Unterricht auch zu philosophi-schen Betrachtungen. Doch ließ sich hierbei Fönölon auf hohe Speculationen nicht ein;was er darbot, das sollte Zusammenhang in die schon erworbenen Kenntnisse bringen,an folgerichtiges Denken gewöhnen, ein freieres Ueberschauen der Gebiete des Wissensund des Lebens möglich machen, neue Bahnen und Ziele zeigen. Der Gang des Unter-richts scheint einen historischen Charakter gehabt zu haben. Es sollte dem Prinzen zumBewußtsein kommen, wie die großen Verirrungen der alten Philosophen nicht eigentlichVerirrungen der Vernunft, sondern des über die von Gott gesetzten Schranken hinweg-