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2 (1860) Director - Globus
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Familie, Familicngcist, Familiensinn.

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d) Speciell aber wirkt es in obengenannter Richtung sehr gut, wenn die Elternvon ihren Eltern und Großeltern den Kindern fleißig zu erzählen wissen; wenn sie mitEhrerbietung von ihnen reden, und das Bild derselben in einzelnen lebendigen Zügenihnen vergegenwärtigen. Hiefür sind Familienbildnisse mehr nach dem Maß ihrerTreue als nach ihrem absoluten Kunstwerth sehr erwünscht; wie nicht minder, wasNiehl a. a. O. S. 263 so dringend empfiehlt, die Anlegung von Familienchroniken,wie sie die Väter einst auf etliche der Hausbibel beigebundene Blätter eintrugen, einezweckdienliche Herstellung alter Sitte wäre. Riehl sagt a. a. O. 261 treffend gegendas moderne Auseinanderfallen der Familie:Unsre Väter haben sich emancipirt vonder Kleinstädterei, und wir mäßen uns von der Großstädterei emancipiren. Selbst inden begütertsten, gebilvetsten Bürgerkreisen wissen ja die meisten Leute nicht einmal mehr,wer und was ihr Urgroßvater war. Das wäre ja ganz bäuerisch, noch etwas vom Ur-großvater zu wissen." In der Hauptsache sind wir hiemit einverstanden, nur glaubenwir, daß damit dem Bauernstände zu viel gutes zugetraut wird; von Ehni und Ahnewird wohl den Enkeln noch erzählt, die Einförmigkeit eines zwar thätigen, aber thaten-losen Lebens macht es jedoch kaum möglich, daß sich eine Familiengeschichte bildet undforterbt. Das aber ist und bleibt richtig: von Großvater und Urgroßvater nichts wissenzu wollen, selbst Vater und Mutter lieber zu vergessen, da sie ja noch nicht auf derHöhe der Zeitbildung standen, das ist proletarisch, darin verräth sich der ächte Bnmmler-sinn, der in seinem windigen Selbstbewußtsein alles Gedächtnis und alle Pietät ausge-löscht hat. *)

o) Niehl macht a. a. O. ebenfalls mit Recht darauf aufmerksam, daß sich derFamiliensinn auch an die der Familie zugehörigen Realitäten, an Haus und Hausrath,an Kirchenstühle und Gräber knüpfe; die Gleichgültigkeit, mit der die moderne Weltnach amerikanischer Art eine Wohnung verläßt, Garten und Möbel veräußert, hat eben-falls etwas stark plebejisches, etwas käsekrämerhaftes, da alles, auch was von Vater undMutter stammt, nichts als eine Waare ist, nur so viel Werth, als man Geld damitmacht. Doch darf in dieser wie in andern Beziehungen nicht vergessen werden, daßder Conservatismus unsrer Vorväter unter den einmal vorhandenen und nicht zu um-gehenden Verhältnissen einer Modisication unterliegen muß. Als die Stände noch viel-mehr kästenartig geschieden waren, als der Sohn, namentlich der älteste, regelmäßig demBeruf des Vaters folgte oder die Tochter einen Zunftverwandten heirathete: da tonntedie Familiensitte, es konnte das seit Generationen fortgeerbte Haus u. s. w. bcibehaltenwerden. Jetzt wo die Stände ganz anders sich durchkreuzen, fängt auch jeder, der einHaus gründet, eigentlich wieder von vorn an. Bei der in der Weise unsres Staats-dienstes liegenden Mobilität ist es für den Beamten schwer, mit der Familie irgendwoso anzuwachsen, daß das Familienbewußtsein solch einen reellen Halt an einer Localität

*) Vilmar (Schulreden über Fragen der Zeit S. 83 f.) führt in dieser Beziehung ans,wie es zunächst darauf ankomme, daß man dem Kinde von den früheren Jahren seines Daseinsan eine Geschichte seines eigenen Lebens gebe, daß die Eltern und Erzieher sich mit dem Kindein die bedeutenden oder unbedeutenden Ereignisse seines Lebens vertiefen und es in denselben dasBedeutende und Große finden oder vielmehr ahnen lehren; es sei aber keines Kindes Leben völligarm an wahrhaft bedeutenden Ereignissen, ob es nun in die brechenden Angen der Mutter ge-schaut oder die erkaltende Hand des Vaters ergriffen, oder den Vater, die Mutter hat beten sehenoder hören ans der Fülle eines tiefbewegten Herzens; solche Begebenheiten sollen festgehalten undzu Denksteinen gemacht werden in dem Leben des Kindes, indem man'auch von dem Schmerz-lichen mit ihm redet. Aber auch das äußerlich Gewöhnlichere könne zu einem Erlebnis gemachtwerden; die Jugendschriftsteller der Philanthropie haben sich darauf verstanden, die alltäglichenBegebenheiten zu eigentlichen Geschichten zu machen, sie haben uns erweckt, in unserem Alltags-leben Aehnliches aufzufinden und so sei unsere Fähigkeit zu erleben und zu erfahren belebt, er-weitert und bis in das Mannesalter erhalten worden. Vgl. auch die treffliche RedeVon denWeltmenschen und den Hausmenschen" a. a. O. S. 23 ff. Schund.