Familie, Familiengeist, Familienfinn.
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zu nehmen. Ganz besonders schön ist in dieser Beziehung die Stellung, die die Heran-wachsende Tochter zur Mutter einnehmen kann und soll, da sie, ohne irgend den Gehorsamund die Ehrerbietung zu verleugnen, die sie als Tochter schuldig ist, doch schon viel mehrdie Freundin und Beratherin der Mutter ist, die auch in solchen Dingen, welche derMutter entgehen, denen sich zu widmen dieselbe entweder müde ist oder nie sonderlichgeneigt war, die mütterliche Fürsorge ergänzt, die in Bezug auf Forderungen des An-standes, die mit der Zeit ja auch fortschreiten, difficiler ist als die Mutter, deren ge-sundem Verstand und frischem, unverfälschtem Gefühl aber die Mutter selbst Recht zugeben nicht umhin kann. So schön solch ein Verhältnis ist, so schwer ist es anderer-seits, unter den Geschwistern immer den richtigen Ton herzustellen und zu erhalten.Gelingt es schon von vorn herein, eine gewiße Zartheit des gegenseitigen Benehmensin Gang zu bringen, freundliche Aufmerksamkeit für die gegenseitigen Wünsche, Verträg-lichkeit auch bei Differenzen, so ist unendlich viel gewonnen, und man muß manche Elternglücklich preisen, denen dies, ohne daß sie besondere Mittel dazu anwendeten, gelingt.Aber weit nicht alle Kinder, auch wenn sie von gutem Stamme sind, finden wir dazugenaturt; einander zu necken, bei jeder Kleinigkeit sich über das Mein und Dein zuzanken, das ist ein so allgemeines Stück Erbsünde, daß wir es bei Kindern finden,denen die Erwachsenen im Hause nie ein Beispiel dieser Art gegeben haben. Soll alsodie Familie ihren sittlichen Einfluß haben und nicht vielmehr ein Tummelplatz allerkindischen Leidenschaften sein, so bleibt nichts übrig, als die Zucht, die, was das Kindnicht von selber thut, ihm abnöthigt und, wo noch die brüderliche Gesinnung fehlt oderwenigstens noch unter den Stacheln der Unbändigkeit verborgen ist, dafür inzwischenein Recht aufstellt, das nicht verletzt werden darf. Dadurch wird eher Raum geschafft,daß mit den reifern Jahren auch ein edlerer Sinn, mit dem Verstand auch die Liebemehr gedeiht. Vielfach wollen sich die jüngeren Geschwister die Auctorität nicht gefallenlassen, die die ältern sich angeeignet haben; es entspringen daraus um so mehr Ver-drießlichkeiten, als z. B. Mädchen von 14—16 Jahren, obgleich sie den Brüdern von10—14 Jahren weit voran und deren Roheiten entgegenzutreten berechtigt sind, dochandrerseits selbst noch zu viel kindisches und unbesonnenes an sich haben, als daß siemit rechtem Takt jene Auctorität geltend machen und behaupten könnten. Uebrigens mußnicht nur Nespectirung des gegenseitigen Rechtes, Eigenthums re., sondern auch gegen-seitige Dienstleistung Gesetz im Hause sein und die Uebung derselben keineswegs vonfreier Neigung abhängig gemacht werden. — Wie sich hiedurch im Familienleben dieKräfte jedes einzelnen entwickeln, und ihm und den andern in ihrem Werthe fürsGanze zum Bewußtsein kommen: so wird auch, namentlich in zahlreicheren Familien,der Charakter eines jeden von den übrigen schärfer erkannt; die stehenden Titel, dieBeinamen, die z. B. ältere Geschwister von den jüngeren, diese von jenen erhalten, sindfür beide Theile oft bezeichnend; sie zeigen und üben den richtigen Takt in der gegen-seitigen Beurtheilung und werden, weil mack in solchem Kreise nicht eben aufs Schmei-cheln auszugehen Pflegt, oft ein ganz gutes Mittel zur Selbsterkenntnis. (Wenn z. B.in dem „töchterreichen Pfarrhaus" bei Frau Wildermuth, — Bilder und GeschichtenI. S. 239 ff. — eine Schwester bei den übrigen die Prinzessin, eine andre der Bücher-geyer heißt, so sind das Titel, gegen deren Gebrauch Vater und Mutter nichts einzu-wenden haben, so wenig sie auch selber solche Namen schöpfen dürfen.) Selbst wenneines der Geschwister der Liebling der andern ist, so ist das nicht vom Uebel, währendes einer der größten Fehler wäre, wenn die Eltern selbst solch einen Liebling sich ausihren Kindern ausläsen; huldigen die Geschwister freiwillig einem aus ihrer Mitte, soist diese Huldigung gewiß eine verdiente und ehrt beide Theile; würde aber etwa einegefeierte Schwester sich dadurch zu herrischem Benehmen gegen die andern verleiten lassen,so würde in demselben Augenblick auch die Huldigung zu Ende sein und — falls nichtjener große Fehler von den Eltern gemacht ist — man würde seitens der Geschwister
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