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2 (1860) Director - Globus
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Familie, Familiengeist, Familiensinn.

aber zum eigentlichen Unterrichten qualificiren sich selbst lehrfähige Väter ihren eignenKindern gegenüber häufig darum nicht, weil sie hier viel ungeduldiger sind, als bei fremdenKindern; von ihren eigenen Sprösslingen erwarten sie mehr und können sie weniger er-tragen. Die Ausübung der Disciplin hat keines der Eltern für sich als alleinigesRecht in Anspruch zu nehmen und ebensowenig als etwas lästiges dem andern aufzn-laden; sie ist gemeinsame Pflicht, so daß immer dasjenige von beiden, in dessen Gegen-wart ein Vergehen begangen wird oder dessen Departement dasselbe berührt, auch dieZüchtigung ertheilt, wofern aber beide anwesend wären, der Vater dieselbe vollzieht.Weiter aber muß die Familie, um ihre erziehende Wirksamkeit ausüben zu können, einwirkliches Leben als Familie, als Gemeinschaft führen, so daß alle sich als zusammen-gehörig wissen und jedes Glück als ein gemeinsames genossen, jedes Leid als ein gemein-sames getragen wird. Dazu ist aber am nöthigsten, daß von den Eltern selber keinesseine Unterhaltung,, sein Vergnügen mehr außer dem Hause als im Hause sucht. EinMann, der vom Emnptoir oder von der Kanzlei heimkehrend nur eilt um ins Kaffeehausoder in seinen CWszu kommen, eine Frau, der es zu Hanse immer langweiliger oderverdrießlicher ist, lals in ihren Cirkeln diese zerstören von Grund aus den Segender Familie für sich Nnd die Ihrigen. Es mäßen auch im geschäftsvollsten Hause täg-lich solche Zeiten festgesetzt sein, wo Vater und Mutter einander nnd den Kindern ge-hören. Ein Mann, dessen Beruf es ist, den Tag über viel zu reden, wird nicht immeraufgelegt sein, die Unterhaltung in der Familie selbst zu führen; aber schon daß er daist, daß die Kinder in seiner Gegenwart spielen oder arbeiten, und daß dies Regel ist,sein Fernesein aber Ausnahme, ist ein wichtiges Band des Familienlebens. Wo vollendsin einem Hause jedes frühstückt oder zu Abend ißt, wann nnd was ihm beliebt, da fällt,was zusammengehört, vollends auseinander; das ist ja der schöne, ethische Sinn desgemeinsamen Essens, daß dieses Materielle den äußern Vereinigungspunct bildet für dieberufsmäßig zerstreuten Glieder, und so das Physisch Nothwendige zu einem stets wieder-kehrenden Mittel wird, das Gefühl des Zusammengehörens stets frisch zu erhalten.Was der Vater mit seiner Arbeit erworben, die Mutter in der Küche bereitet hat, wirdgemeinsam unter Danksagung gegen Gott genossen; wie dieses Bewußtsein, wie die Liebedas Mahl würzt, so thut die leibliche Erquickung auch dem Sorgenvollen das Herzwieder ans; auch ein zahlreich besetzter Familientisch erregt nicht die ängstliche Frage:was werden wir essen, was werden wir trinken, sondern das erhebende Gefühl, dasPsalm 128, 3 ausspricht. Welche Bedeutung in dieser Hinsicht der Hausandacht zu-kommt, sei bloß angedentet unter Verweisung auf den Art. Hansgottesdienst; ebensovergleiche man, was die Abendmahlsfeier anbelangt, d. Art. Konfirmation und Abend-mahl Bd. I. S. 880. Sehr lieblich ist der obige Punct veranschaulicht in einer Stelleder in Geffcken's Bilderkatechismus des 15. Jahrh. (I. Leipz. 1855 S. 106 ff.) näherbeschriebenenHimmelsstraß" von Stephan Lanzkranna, Propst in Wien, 1. Ausg.Augsburg 1484, wo zum dritten Gebot unter andrem gesagt ist:O wie ein bessereKürzweil wollt ich ihn lernen, daß er nach Essens des ersten mit seinem Völcklin giengzu einer Predig, darnach seß er daheim mit seiner Hausfrauen nnd mit seinen Kindernnnd mit seinem Völcklin, und fraget sh, was sh in der Predig gemercket hetten, undsagt, was er hat gemercket, verhöret sh auch, ob sie die 10 Gebott künen und verstündendie 7 Todsünd, den Pater Nester- und den Glauben, und lernet sh, und ließ ihm darzuein Trünckle bringen und ein guotes Liedlin von Gott oder von unser liben Frauenoder etwas von den liben Heiligen singen, und wär also frölich in Gott mit seinemVölcklin, das wär ein gnote Kürzweil, bei der auch Cristus der Herr würde gegenwärtigsein, als er das verspricht im Evangelij: wo zween oder drh gesampt sein in meinemNamen, da bin ich in jrer Mitt." Aber nicht bloß diese Erholungsaugenblicke, sonderndas Arbcitslcben selber muß den gleichen Gedanken in sich tragen. Wie das Kind sieht,daß von den Eltern jedes in seinem Theil seine Arbeit dem Wohl aller widmet, somuß es sich gewöhnen, nach Maßgabe seiner Kräfte an diesem Wirken fürs Ganze Theil