Familie, Familicngeist, Familiensinn.
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schon eine umfassende Schule der Sittlichkeit; in ihm ist das Gute bereits zu einerobjectiven Realität, zur Sitte geworden. Damit es dies leisten kann, ist vorerst nichtsnöthig, als eben, daß der Sinn, in welchem Vater und Mutter regieren, ein rechtschaffenerist. Aber es sind doch auch speciellere Momente herauszuheben, an die wir eigentlichnur dadurch erinnert werden, daß sie vielfach zu vermissen sind. Indem wir das imArt. „Ehe" Gesagte nicht wiederholen und außerdem auf die schöne Ausführung vonWaitz (Allg. Päd. S. 202 ff.) verweisen, berühren wir hier Folgendes. In den erstenLebensjahren ist es vorzugsweise die Mutter, deren Pflege das Kind bedarf; die Ge-schwister verhalten sich nur helfend, der Vater ergötzt sich nur an und mit dem Kinde, —unentbehrlich ist ihm bloß die Mutter. Es ist wenigstens ein schlechtes Zeichen für denBestand des Hausregiments, wenn der Vater dem Kinde förmlich Dienste zu leisten hat.Sein Beruf schon bringt es mit sich, daß er es seltener des Tages sieht oder sich mitihm abgiebt; wäre er immer anwesend ohne Arbeit, so würde instinctpäßig des KindesAchtung ihm nie werden, wie sie dem Hausherrn gebührt. Es muff sehen, wie auchdie Mutter ihn als solchen anerkennt, wie nach ihm sich das ganzeoHIaus richtet, aberebenso, wie er mit männlicher Liebe in Wort und Miene, in Rath und That ihr solchesvergilt und von den Kindern gleiche Ehrerbietung, Dienstfertigkeit cknd Aufmerksamkeitfür sie fordert. Die ersten Keime alles Guten hat die Mutter Gelegenheit, in desKindes Herz zu pflanzen*); nicht aber ist das ein onus, das der Vater auf sie abwälzendürste; z. B. dem Kinde erzählen, mit ihm vor dem Einschlafen beten rc., das steht demVater ganz ebensogut an, wie der Mutter; es ist sogar wichtig, daß sie sich in dies Ge-schäft theilen. Mit dem Vater, mit beiden Eltern einen Spaziergang, einen Besuch zumachen, muß dem Kinde stets als eine Erlaubnis, als Freude und Ehre erscheinen; abereben darum muß es auch nicht an den Anspruch gewöhnt werden, als ob keines vonbeiden solch einen Gang thun dürfte, ohne es mitzunehmen. So muß es auch ohneGelüste zusehen können, wenn Vater oder Mutter bei Tisch etwas genießen, was ihnenreservirt bleibt. Ob die Eltern auch den ersten Unterricht geben, hängt ganz von ihrerBefähigung und den Umständen ab (vgl. den Art. Erzieher S. 231). Die Mutter kannwohl einige Elemente selbst vornehmen; der Vater kann den Sohn sogar bis zur Examens-tüchtigkeit bringen: aber eine Forderung irgend welcher Art darf diesfalls nicht an dieFamilie gestellt werden, weil die Lehrhaftigkeit nicht nothwendig da auch vorhanden ist,wo man im übrigen gut zu erziehen versteht. Was sich im Umgänge mit dem Kinde ohnedie Form eigentlichen Unterrichts ihm beibringen läßt, z. B. durch Erzählen biblischerGeschichten, Vorsagen von Sprüchen, Vorsingen von Liedern, das freilich gehört demHause; ebenso muß das Kind sehen, daß man sich im Hause für alles interessirt, was ihmin der Schule vorkommt, indem man sich von ihm berichten und vorweisen läßt, was esgelernt, indem man sich mit ihm, nach Maßgabe der eignen Sachkenntnis, darüber unterhält;
*) Wir verweisen auf den Art. Augustinus, wo ein Beispiel von dem Segen frommerMütter, von der lange nachwirkenden Kraft ihres Gebets angeführt ist. Der Segen einer frommenMutter war es, was den Knaben Fichte, als er von Schulpforta entlaufen wollte, plötzlich stillestehen, der mütterlichen Mahnung eingedenk beten und sofort sich besinnen und eilend nach seinerZelle umkehren ließ (vgl. Stoy, lieber Haus- und Schulpolizei S. 17 ). Aehnliches wissen wirvon dem stillen, aber tiefgehenden Einfluß mancher Großmutter; wie oft ist die Großmutter, diebei dem Sohn oder der Tochter wohnt, ein unschätzbares Kleinod für das ganze Haus und ihrabgelegenes Stübchen das Asyl für alle Glieder der Familie, die Rath und Aufrichtung, Ermun-terung und Zuspruch bedürfen. Die alten Griechen benannten die Enkel gern nach den Groß-eltern; es war ihnen die Beobachtung nicht entgangen, daß die körperlichen und geistigen Eigen-schaften sich sehr oft mit Ueberspringung des nächsten Gliedes vererben (vgl. Lucian's CharonCap. 13 und was Mönnich „Bildungsgeschichten" I. S. 75 von Lessing sagt) — eine weitereStütze der natürlichen Liebe der Großeltern, die bei normalen Verhältnissen durch Weisheit undErfahrung noch mehr geläutert ist, als bei den Eltern, deren Blut noch einen lebhafteren Rhyth-mus hat; unverständige Großeltern erschweren freilich auch oft die Erziehung. Schmid.