Falk.
Familie, Familicngeist, Familiensinn.
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Jnstanzenzug in Disciplinarsachen verderbe Zucht und Ordnung; ein thörichter Gedankesei es gewesen, alle Strafen auf Schulen durch Polizeidiener verrichten zu lassen. Fürdie Volksbildung macht er die Nothwendigkeit der Erziehung geltend in seinem „Aufrufzunächst an die Landstände des Großherzogthums Weimar, sodann an das ganze deutscheVolk und dessen Fürsten, über eine der schauderhaftesten Lücken unserer Gesetzgebung,die durch die traurige Verwechslung von Volkserziehung mit Volksunterricht entstanden,"1819. Für Gelehrtenschulen empfiehlt er ferner gegenüber dem Studium ver alten undüberhaupt fremden Sprachen, das er übrigens sehr hochstellt, zur Abwehr des Formalis-mus und der Gedankenlosigkeit eine sorgsame Benützung der Muttersprache; er fordert„frühe Einführung von deutschen Sprachschulen, worin der Knabe fühle und verstehe,was er spreche, die Bekanntschaft desselben mit den ersten Geistern unserer Nation ein-geleitet und so stufenweis zu den ersten Geistern des Alterthums fortgeführt werde.Ohne innige und vertraute Bekanntschaft mit deutschen Clafsikern aus den verschiedenstenZeitaltern vom Lied der Nibelungen, von Luther's Bibelübersetzung an bis herunter zuKlopstock und Göthe sei an kein lebendiges und wahres Eindringen in den Geist derAlten zu denken." Für die Volksschule fordert er anschauliche und lebendige Erfassungdes Concreten auch auf dem geistigen Gebiet; daher Empfehlung des Geschichtlichen undder Poesie; diese sei die älteste Lehrerin des Menschengeschlechts gewesen und sei esnoch; kein „altkluges Berstandeswesen, Sentenzenkram, feine Distinctionen." Liebermöge man das seither allzu oft vernachlässigte Gedächtnis entwickeln, die Musen seiennach Homer Töchter des Gedächtnisses; womit er jedoch einer einseitigen und geistlosenBethätigung desselben durchaus nicht das Wort reden will.
Falk starb am 14. Februar 1826 unter großen körperlichen Schmerzen mit derreinsten Fassung der Seele. Die Anstalt wurde nach seinem Willen von der Witweunter der Leitung Herrn Kettuer's, des bisherigen Gehülfen fortgeführt, bis sie imJahre 1829 vom Staat übernommen wurde, der sie aus dem Luthergäßcheu vor dasThor in eine bessere Räumlichkeit verlegte. Hier besteht sie noch in gesegneter wennauch beschränkter Wirksamkeit und giebt jährliche Berichte aus. Der Geist aber, auswelchem sie hervorgegangen, wie er gleich nach ihrem Beginn in den noch blühendenStiftungen zu Beuggen, Erfurt, Düsselthal und anderen seine weitgreifende Wirksamkeitbewährte, lebt unter uns fort in einer verhältnismäßig großen und stets wachsenden,immerhin für das Bedürfnis noch nicht hinreichenden Zahl von Vereinen und Anstalten,zum Theil in vollkommeneren Formen und Einrichtungen; er wird, so hoffen wir, unterkeinem Schicksal, das uns bevorstehen mag, der Welt wieder verloren gehen.
Quellen: Falk's Schriften; Neuer Nekrolog der Deutschen von 1826, unv die inHolzschuher's Lutherbüchlein (Nürnberg 1835) gegebene Lebensbeschreibung; briefliche Mit-theilungen aus persönlicher Bekanntschaft, von Herrn Reinthaler, Vorsteher des Martins-stifts in Erfurt und von Fräulein Rosalie Falk in Weimar, der ältesten Tochter desVerewigten. Ernst Möller.
Falschheit, s. Wahrhaftigkeit.
Familie, Familiengeist, Familiensinn. Wie sehr man in unfern Tagen das Voll-gewicht dieser Begriffe erkennt, beweisen nicht nur die Lehrsysteme der Ethiker, die inganz anderer Weise als früher die Familie als Basis und Heimat der Sittlichkeit(nicht bloß als eines der Objecte, gegen die man Pflichten habe) behandeln (vgl. diein dem Art. Ethik genannten Werke von Chalybäns, Fichte, Wirth, Geizer,Rothe, Harleß rc.), sondern verschiedene der Beleuchtung des Familienlebens speciellgewidmete Schriften, worunter die von W. H. Riehl „Die Familie" (Stuttg. 1855,zugleich dritter Band seiner „Naturgeschichte des Volkes") und die von H. W. I. Thiersch„lieber christliches Familienleben" (3. Ausl. Franks. 1857), jene vom culturgeschichtlichen,diese vom christlich-religiösen Standpunct aus, den jedoch auch Niehl einhält, nur infreierer, nationaler unv politischer Weise — als sehr werthvoll hervorragen. Daß wirüber Familienleben mehr denken, reden und schreiben, kann freilich — wie dasselbe