stalt, Rauhes HauS), allerdings zur Förderung des Zweckes bestimmt auseinandergetretensind, bei Falk schon deutlich unterschieden, wenn schon noch in der gleichen Stiftungund unter der gleichen Leitung vereinigt. Ebenso finden wir schon das Noviziat, undnicht minder in der Heranbildung jener Begabteren die Einrichtung der „Brüderanstalt"im voraus angedeutet. Es sind dies eben die in der Natur der Sache liegenden Ein-richtungen, auf welche die von der Liebe erleuchtete Erziehungsweisheit mit Nothwendig-keit führen mußte. — - Für den Unterricht wurde je nach Umständen auf verschiedeneWeise gesorgt; einige der Zöglinge empfiengeu ihn in Privatstunden, andere in denSchulanstalten des Orts; für die jungen Handwerker wurde durch eine besondere demVereine angehörigc Anstalt, durch eine Sonntagsschule gesorgt, zu deren Besuch dieselbenin contractmäßiger Uebereinstimmung mit dem Lehrmeister verpflichtet waren. Bibel-lesen, Schreiben, Rechnen und Zeichnen waren hier die Gegenstände. Eine dritte An-stalt war für Mädchen die Näh-, Spinn- und Strickschule. Eine vierte „die Bibel-stunden", welche jeden Abend von Falk selbst für Knaben, die sich dem geistlichen Standewidmen wollten, gehalten wurden. Hier wurde nicht bloß gelesen und gelernt, sondernauch Musikunterricht ertheilt und namentlich der Choralgesaug geübt.
Ueber die Erziehungsmittel, welche'Falk anwendete, ist im Vorigen das Wichtigsteschon angedeutet worden. Seine in religiöser und sittlicher Hinsicht durchgereifte Per-sönlichkeit that die Hauptsache; dazu kam die Gabe volksthümlicher und praktischer Redeund pädagogischer Dialektik, die er in hohem Grade besaß, wovon die Unterredung mitdem kleinen Poppendorfer in dem Jahresbericht und wieder abgedruckt in Falk's „Volks-spiegel zur Lehre und Besserung," 1826, und das von Heinrich Holzschuher in demLutherbüchlein, 1835, S. 76 ff. mitgetheilte Abendgespräch den Beweis geben. Einebesondere Macht übte auch Musik und Gesang, weltlicher sowohl wie geistlicher, der letztereauch zu liturgischer Belebung des Gottesdienstes angewandt; und auch in dieser Be-ziehung hat Falk nicht unbedeutend angeregt. Wir haben von ihm den „christlichenGlauben" in abwechselnden Gesängen, Erzählungen und Bekenntnissen und das Vater-unser in ähnlicher Weise bearbeitet, welche Stücke in seiner Anstalt eingeübt und aus-geführt wurden. Auch ist sein „Luther und die Reformation in Volksliedern" hier zuerwähnen, wo einfache Erzählung in Versen mit eigentlichen Liedern wechselt (erst nachFalk's Tode, 1830 herausgegeben). — Daß auch Mittel der Strenge, Vermahnung undStrafe augcweudet wurden, leidet keinen Zweifel; weichliche Sentimentalität war nichtseine Sache, und er wird ein Durchgreifen an geeigneter Stelle eben so wenig gesckeuthaben, wie Pestalozzi, mit dessen Wirksamkeit in Stanz seine Art mit den Kindern um-zugehen und auf sie einzuwirken die größte Aehnlichkeit hat. Neben den andern Er-ziehungsmitteln nahm die Arbeit eine wichtige Stelle ein; nicht allein, um die Zöglingezu einer gesicherten Lebensstellung vorzubereiten und der Verarmung einen Damm zusetzen, auch nicht bloß um ihre wilde Kraft physisch zu bändigen, sondern noch in derhöhern Absicht, durch den idealen Sinn eines freudigen Schaffens den Sinn der Zer-störung, welcher der Roheit und Verwilderung innewohnt, zu überwinden. Er konntein dem Jahresbericht von 1825 darauf Hinweisen, wie „durch die Hände verlorenerKnaben ein Haus und zwar eins vom größten Umfange bereits zur Hälfte vollendet,unter Anführung eines alten Zimmermanns und verständigen Maurers Dinge geleistetseien, die man sonst nur von Männern zu erwarten sich berechtigt fühlte; wie einegrößtentheils dem Vagabundenleben verfallene Jugend, die weit eher den Fall derStädte herbeizuführen, als sie im Flor zu erhalten bestimmt schien, sich in einer ganzentgegengesetzten wohlthätigen Richtung fortbewege und sich durch Anlegung einer Bau-schule gleichsam auf die Erbauung eines Dorfs, einer Stadt, einer Colonie in reiferenJahren anschicke und vorbereite."
Aus dem bisher Gesagten dürfte denn auch klar geworden sein, wie der Geist unddie wirkliche Ausführung der Falk'schen Erziehung zum pietistischen Erziehungsprincipsich verhalte, wie es sich z. B. in Halle, allerdings in der Hauptsache erst nach A. H.