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Falk.
Richtung auf das pädagogische Gebiet, nach dem Bedürfnisse der Zeit. Doch ordnetesich sein Wirken gleich anfangs dem religiösen und kirchlichen Leben unter, nicht imSinne einer bestimmten Verfassung und amtlichen Organisation, sondern im Sinne desReiches Gottes, und seiner von dem Herzen ausgehenden freien Bethätignng. Nichtdie Linderung der Armut war der erste Gesichtspnnct, so sehr eine gründliche Be-kämpfung dieses Nebels in dem Gesammtzweck mit enthalten war; das Erste war ihmdie Neberwinrung der Sünde und die Heilung der Seele durch die Kraft des lebendigen,nicht bloß in Worten stehenden Evangeliums, des christlichen Glaubens und der christ-lichen Liebe. Das „Heidenthum" innerhalb der christlichen. Welt will er bekämpfen.„Der seit 11 Jahren verfolgte Hauptzweck unseres Vereins," schreibt er 1823 im Jahres-bericht, „scheint eine Art Missionsgeschäft, eine Seelenrettung, eine Heidenbekehrung zusein, aber nicht in Asien oder Afrika, sondern in unserer Mitte, in Sachsen, Preußen"u. s. w. „Er sucht Criminal- und Zuchthaus um so viel Kandidaten wie möglich zubetrügen, ein löblicher, Gott wohlgefälliger Betrug, dessen Gelingen die gedrucktenActenstncke (in den Jahresberichten) unwiderleglich beweisen." Und die Mittel einersolchen Erziehung und Seelenrettung fand er nun nicht in äußerer Gewalt, sondern inder Anwendung eben derjenigen Kräfte, welche in dem Zögling zur Bethätignng undHerrschaft gebracht werden sollten, des Glaubens und der Liebe und der durch dieseGrundkräfte geheiligten und gestärkten Persönlichkeit. Vaterherz und Vaterweisheit, aufdem Boden des religiösen Lebens erwachsen und erstarkt, sind ihm die Kräfte der Er-ziehung. Damit fesselt und regiert er die wilden Knaben, die er dem umherschweifendenLeben entzogen hat. „Wir schmieden alle unsere Ketten von inwendig," sagt er ineinem Briefe, der in den Jahresberichten mitgetheilt wird. So wie der recht frei sei,den Christus frei mache, so solle auch derjenige es wohl lassen, über Berg und Thal zuschweifen, den Christus in Bande lege. Wie Eltern nicht nöthig hätten, ihre Kinderdurch Schloß und Riegel zurückzuhalten, so bedürfe auch er solcher Mittel nicht. DieLiebe sei es, die alles überwinde. — Es versteht sich wohl, so richtig dies an sich ist,und so wenig wir an der Wahrhaftigkeit dieser Aussage zweifeln dürfen, daß dennochauch hier, bei der vielfachen Gestaltung menschlicher Dinge und ihrer Bedingungen, dieErfahrungen und Erfolge verschieden gewesen sein müßen, wie denn auch dieses inden Jahresberichten bezeugt wird.
Seiner Organisation nach bestand das Unternehmen Falk's eigentlich aus einerReihe von besonderen Instituten, welche nicht gleich anfangs als Ein Ganzes gedacht,sondern mehr auf historischem Wege, wie das Bedürfnis drängte, zu gegenseitiger Er-gänzung gestiftet wurden. Den Mittelpunct bildete die zur Erziehung, Versorgung,Unterstützung von Kindern und Jünglingen gegründete Einrichtung. Man brachte dieKinder in Familien unter, die schon confirmirten Knaben zur Erlernung eines Hand-werks bei Meistern. Erwachsenere — cs gab auch Studenten unter ihnen — lebtenselbständig und wurden nur unterstützt. Diese Versorgung und Unterstützung geschahnicht aus einer gemeinschaftlichen Casse des gesummten Vereins, sondern in wenigergeschäftsmäßiger, mehr persönlicher Weise, indem einzelne oder einige der Mitglieder sicheinzelner Kinder annahmen und nach gemeinsamen Grundsätzen, ohne Zweifel auchunter Genehmigung und Bestätigung des Vorstandes für sie sorgten. Falk selbst hatteimmer eine Anzahl von Zöglingen im eigenen Hause, wohl nicht über zwölf, wozu ertheils die am meisten verwahrlosten, theils solche auswählte, welche für eine höhereAusbildung, namentlich für das Lehrfach, geeignet schienen, und von welchen Mitwirkungund Hülfe in der Leitung dieser Erziehungsfamilie, auch in der Führung der Korrespon-denz erwartet werden konnte. Außerdem waren alle Kinder, welche der Verein zur Ver-sorgung anfnahm, zuerst eine Zeitlang in Falk's Hause, zum Zweck genauerer Bekanntschaft.So finden wir die beiden Principien der sogenannten Kosterziehung und der eigentlichenAnstaltserziehung, welche nachmals in zweierlei Stiftungen, in den Erziehungsvereinen(Pastor Bräm in Neukirchen) und den eigentlichen Rettungsanstalten (Düsselthaler An-