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2 (1860) Director - Globus
Entstehung
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Exposition.

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welche die Fähigkeit von Knaben und Jünglingen großentheils überschätzen,*) nurzu dem andern Extrem, nämlich dahin führen würden, statt ein wirkliches, gediegenesVerstehen der Schriften Oberflächlichkeit und ein Scheinwissen zu befördern, kann demerfahrenen Schulmann nicht entgehen.**)

Irren wir nicht, so hat man, von einzelnen Fällen abgesehen, wo dem einen oderandern Extrem gehuldigt wird, seit jenem in Sachsen entbrannten Streit zwischen zweientgegengesetzten Methoden in einer richtigen Mitte, in dem Grundsatz sich vereinigt, mitAufgebung des reinen Gegensatzes von entweder statarischem oder cursorischem Lesen,je nach dem Bedürfnis der Schüler das zum Verständnis der vorliegenden Stelle Nöthigebeizubringen. ***)

Wenn wir jedoch dies als leitenden Grundsatz feststellen, so sind wir dochkeineswegs gemeint, mit doctrinärer Pedanterie den Lehrer immer innerhalb dieserSchranke festhalten zu wollen. Ohne Bedenken und mit allgemeiner Zustimmung wer-den wir einen Schritt weiter gehen und behaupten müßen, daß auch solche durch dievorliegende Stelle veranlaßte Anmerkungen durchaus zweckmäßig sind, welche, wenn sieauch zum Verständnis der Stelle nicht gerade nothwendig erscheinen, doch auf eine sprach-liche oder sachliche Eigenthümlichkeit des Schriftstellers aufmerksam machen und dazudienen können, entweder das weitere Verstehen desselben, beziehungsweise die Vorberei-tung zu erleichtern, oder auch den Vorstellungskrcis des Schriftstellers und seiner Weltüberhaupt treffend zu charakterisiren.

Selbst auf die Kritik des Textes, so selten auch dergleichen Bemerkungen ange-messen erscheinen, kann der Lehrer nicht schlechthin verzichten. Nothwendig dürste einesolche insbesondere da werden, wo von den Schülern verschiedene Textausgaben gebrauchtwerden; aber selbst wo dieser Misstand beseitigt ist, kann hie und da eine den Schülern,wenigstens den fähigeren, vorgelegte kritische Frage wesentlich beitragen, zu prüfen, wieweit sie in den Zusammenhang und die Idee einer Schrift eingegangen sind, oder Ilr-theil und Geschmack zu üben, -s) Bäumlein.

*) Vergl. in dieser Hinsicht Mützell's treffende Bemerkungen über den württ. Entwurf.Ztschr. f. d. Gymn. Miss. 1848. 8. S. 628.

**) Etwas anders wird sich die Sache insgemein bei der Lectürc in den modernen Sprachendarstellen, insofern die in den Schulen gewöhnlich gelesenen Schriftsteller in sachlicher Beziehungweniger Schwierigkeiten darbieten; man kann deshalb ans sprachliche Hebungen, Rückübersetzung,mündliche Zusammenfassung des Inhalts u. dergl. mehr Zeit verwenden. D. Red.

»«») Schon Benecke, Erziehungs- und Unterrichtslehre II. S. 465 suchte das rechte Maß fest-zustellen. Eingehender ist die Frage behandelt in Roth's Votum: Württ. Entwurf S. 158, jetztin seinen Kleinen Schriften I. S. 415.Was die Unterscheidung zwischen statarischem und cur-sorischem Lesen betrifft, so bekenne ich, daß ich diesen Unterschied nicht verstehe, wofern man nichtunter cursorischem Lesen ein solches Lesen begreift, bei welchem man darauf ausgeht, einen flüch-tigen Eindruck von dem Inhalte des Gelesenen zu erlangen." Ausführlich auch Ranchenstein,Die Zeitgemäßheit der alten Sprachen. Aarauer Progr. 1850, namentlich S. 21 s. Dieselbe An-sicht lag den Verhandlungen der pädagogischen Section zu Basel zu Grund, S. 128. Thau-low, Die Gymnasial-Pädagogik K 470. S. 152. Landfermann, Zur Revision des Lehrplanshöherer Schulen 1855 S. 8.

ch) Vergl. über diesen Gegenstand noch weiter in Bd. I. die Art. Llass. Schnllectüre l7S8fs.sund Aufsätze s332 f.), ferner die treffliche Abhandlungdas Herkommen und die Methode" indenKleinen Schriften von E. L. Roth," II. S. 49 ff. Die oben ausgestellten Forderungenan die Präparation des Schülers werden in Deutschland Wohl allgemein in der Theorie gebilligtund in guten Schulen in der Praxis dnrchgeführt; Jngerslev bekämpft sie in seinenBemer-kungen über den Zustand der gelehrten Schulen in Deutschland und Frankreich" S. 1016, undempfiehlt den Grundsatz, den Schülern diejenigen Schriftsteller vorznerklären, von denenman glaube, daß sich die Schüler mit Wörterbuch und Grammatik nicht zum deutlichen Ver-stehen ihres Pensums durcharbeiten können, und nur die leichteren Schriften ihrer eigenen Vorbe-reitung zu überlassen; nach unserer Ansicht soll man überhaupt nur diejenigen Schriftsteller mit