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Exposition.
zu wollen, hieße Zweck dieser Lectüre und Aufgabe der höheren Gymnasialstufe verkennenund den Schülern die classischen Werke entleiden, die sonst sie fesseln und begeisternkönnten. Selbst ausführliche Darlegung des Gedankenzusammenhangs, ästhetische Ueber-blicke und Reflexionen sind auf das gehörige Maß zu beschränken und dürften oft mindernothwendig sein, als man glaubt. Wenigstens fesselt den aufmerksamen und strebsamenSchüler rasches Voranschreiten am meisten an den Zusammenhang. Das Wichtigste ist,daß der Schriftsteller durch sich selbst, durch seine eigenen, möglichst ununterbrochenenGedankenreihen auf den Leser wirke, und hiezu ist wohl besonders dienlich, wenn derLehrer nach längeren Abschnitten eine gute (eigene oder fremde) Uebersetzung vor-liest. Ist die Uebersetzung musterhaft, was sie bei Musterhaftigkeit der Originale jeden-falls erstreben sollte, so trägt sie unleugbar dazu bei, auch ohne kleinliche Fingerzeigeden Eindruck des Ganzen möglichst zu reproduciren.
Wenn wir demgemäß hinsichtlich des Maßes von Erläuterungen, welche der Lehrerauf den höheren Gymnasialstufen geben darf, als leitenden Grundsatz aufstellen,daß im allgemeinen die Erklärung dasjenige gebe, was zum Verständnis der vorliegendenSchrift nothwendig ist, so beseitigen wir den Streit um statarische oder cursorischeLectüre. Der löbliche Grundsatz, gründlich zu verfahren, verbunden mit einer gewissenschwerfälligen Beharrlichkeit, die nicht leicht von der Stelle kommt, endlich auch einegewisse Eitelkeit, mit Hintansetzung des Schriftstellers, den man erklären sollte, sichselbst in den Vordergrund zu stellen und von der eigenen Gelehrsamkeit der Jugend nichtsvorzuenthalten, alle diese Motive mochten Zusammenwirken, um in der Lectüre und Er-klärung namentlich der alten Klassiker eine Methode hervorzurufen und zu unterhalten,da von den Schriften der Classiker gewöhnlich nur sehr kleine Fragmente zur Kenntnisder Schüler kamen. Eine natürliche Reaction gegen dieses statarische oder stagnirendeVerfahren verlangte, viel und schnell zu lesen. Am entschiedensten hat dies VerlangenH. Köchly ausgesprochen: „Die Sprache soll nur als das Mittel, die Schriftstellerkennen zu lernen, betrachtet, und die Schriftsteller selbst sollen historisch aufgefaßtwerden; d. h. mittelst ihrer Schriften sollen wir sie selbst in ihrer ganzen Totalität, und
daraus zugleich ihre Zeit-kennen lernen."*) Demgemäß verlangt Köchly, daß
die Grammatik in Tertia abgeschlossen, von den höheren Classen alle grammatischenund kritischen Erörterungen entfernt werden. Cursorische Lectüre soll bereits in Tertiabeginnen und nach historischem Princip, mit Einleitungen, welche die Individualität desSchriftstellers, auch seine Schreibart charakterisiren, mit einer Uebersicht über den In-halt der behandelten Schrift und Eingehen in dessen Idee durch die oberen Classen fort-gesetzt werden. Diesem Plane gemäß würde z. B. in 1 Jahr mit 3 Stunden in derWoche nach einer Einleitung über die homerische Frage die Ilias und die Odyssee voll-ständig (in der Schule jedoch nach Lachmann's Theorie nur das vorzugsweise Wichtigeund Bedeutsame), in IVs Jahren mit 3 Stunden von Cicero's Reden die pro Ilosoioibmorino, eine Verrinn, pro IsZs Vlanilia, die Oatilinnrino, pro 8estio, pro Llilono,pro luZario, pro vsjotaro, eine oder zwei Mrilipxioao**) gelesen. Köchly's Grund-sätze eignete sich der Dresdener Gymnasialverein an. Indessen daß diese Grundsätze,
*) Ueber das Princip des Gymnasial-Unterrichts der Gegenwart 1845 Z 12 S. 7. ZurGymnasialreform 1846 S. 65. Hier werden „beiläufige grammatische Bemerkungen, welchebei der Lectüre wirklich nothwendig Vorkommen mäßen — sie werden sich größtentheils aufsyntaktische oder sprachliche Eigenheiten des betreffenden Schriftstellers beziehen —" für Secundaund Prima zugegeben. — Vermischte Blätter zur Gymnasial-Reform, I. und 2. Heft 1847. 48.Gegenschriften und Recensionen, theilweise znstimmend und anerkennend, von Stallbaum, Ameis,Rauchenstein u. a.
") lieber das Princip tz 28. ß 30. ß 34; etwas modificirt: Vermischte Blätter. ZweitesHeft S. 66 f.