Ethik.
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mit dem Christenthum selbst verwechselt würde) oder aber aus einer gewaltsamen Los-reißung von christlicher Wahrheit, aus einer pikirten Feindseligkeit gegen dieselbe er-klärt werden, die als eine, wenn auch noch so weit verbreitete, doch immer nur persön-liche Stimmung, als Idiosynkrasie zu betrachten wäre und ihre objective Falschheit jedemUnbefangenen verriethe. Dies alles an den verschiedenen philosophischen Systemen derEthik nachzuweisen, würde uns viel zu weit führen; wir begnügen uns darauf hinzu-deuten, wie viele Anklänge an positiv christliche Lehren gerade in den tüchtigsten neuerenBearbeitungen der philosophischen Sittenlehre sich finden, und wie sehr damit alle jeneVorwürfe, die sich rie christliche Moral einst (vornehmlich von Shaftesbury an,vergl. Stäudlin, Geschichte der christl. Moral rc. Göttingen 1808 S. 711.Lechler, Gesch. des engl. Deismus S. 259 ff.), theils wegen ihrer Motive, theilswegen Vernachläßigung wichtiger Pflichten machen lasten musste, als von der Philosophieselbst unstichhaltig erkannt und antiqmrt sind. — So sind, um nur die Hauptwerke zunennen, in Fichte's System der Ethik (Leipzig 1850 u. 1851) nicht bloß zahlreicheStellen zu finden, in welchen die philosophische Anschauung und das Resultat philo-sophischer Untersuchung in Begriffen und Sätzen zu Tage tritt, die mit den christlichenBegriffen und Lehren (z. B. von der Heiligung II. 1. S. 122; vom Thun des Gutenum Gotteswillen ebd. S. 171; von den göttlichen Kräften, die der Mensch in seinemWillen aufzunehmen und wirken zu lassen hat ebd. S. 183; von Erweckung und Wieder-geburt, S. 187. 211 u. s. f.) Zusammentreffen (wogegen auch z. B. das I. S. 30 überdie Perfectibilität des Sittlichen, kraft dessen es nie ein letztes Mustergültiges gebe, inwelchem das Ethische, wie in seiner einzigen Gestalt, objectiv geworden wäre, nicht eineBeeinträchtigung der principiellen Stellung enthalten soll, die Christus in der christlichenEthik einnimmt, da auch er als geschichtliche Person und als Charakter das absolutGute, was in ihm zur Erscheinung kommt, doch in individueller, somit begrenzterForm ausgeprägt zeigt — wie dies der Unterzeichnete in einer Abh. über das VorbildJesu in den Jahrbb. für deutsche Theologie 1858 S. 690—697 auseinandergesetzt hat);
— sondern es ist der ganze letzte Abschnitt (II. 2. Z 174—187) eine philosophischeDurcharbeitung des in der christlichen Kirche factisch vorliegenden ethischen Materials.
— Ein Durchklingen der christlichen Anschauungen, ein Hervorspringen von Begriffenals Resultaten speculativen Denkens, die uns sonst als ethische Begriffe des Christen-thums geläufig sind, kennzeichnet auch das im übrigen die Bildung der Hegel'schenSchule an sich tragende, jedoch selbständig und gedankenreich ausgeführte „System derspeculativen Ethik" von I. U. Wirth (Heilbronn 1841. 1842); und wieder in ganzanderer Weise erkennen wir solches Zusammentreffen, trotz der spröden Haltung, die dieHerbart'sche Philosophie dem Christenthum gegenüber eingenommen, in dem zu denlehrreichsten Moralwerken gehörenden Buche von Hartenstein: „Die Grundbegriffeder ethischen Wissenschaften" (Leipzig 1844). Die Auseinandersetzung S. 55 ff. stelltzwar den Einfluß des Christenthums, d. h. dessen, was namentlich der Katholicismusaus dem Christenthum gemacht hat, als einen für die Ethik ungünstigen dar und schreibtdie Reinigung der Kirche dem unverwüstlichen Bedürfnisse des Geistes zu, „sich überseine wesentlichen Interessen selbst zu orientiren," während wir die Reformation dochnicht sowohl aus diesem theoretischen oder philosophischen Bedürfnis, als vielmehr zuallererst aus dem seiner Fesseln müden, sich kräftig ermannenden christlichen Gewissenableiten; aber trotzdem ist die Einheit der unverfälschten christlichen Moral mit derphilosophischen in obiger Stelle ausgesprochen und im ganzen Werke nirgends verletzt.Noch positiver aber und durchgreifender wird dieselbe festgehalten von Chalybäus (inseinem „System der speculativen Ethik" Leipzig 1850) und von Martensen (Grund-riß des Systems der Moralphilosophie Kiel 1845). Bei Chalybäus athmet die ganzetheistische Grundlegung (z. B. die Definition der Ethik I. S. 105 als Wissenschaft„von der Art und Weise, wie der Mensch seine Bestimmung, die vollendete Freiheit
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