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2 (1860) Director - Globus
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Ethik.

andern, während die geoffenbarte Wahrheit nur Eine sei. Ja, aber sind denn der theo-logischen Systeme und kirchlichen Controversen etwa wenigere? Ist das Eine Bibelwortnicht von jedem Ausleger, von jeder theologischen Schule und jeder Secte wieder an-ders, nach individueller Geistesrichtung aufgefaßt und ausgelegt worden, deren jedesich selber die ausschließliche Wahrheit zuschreibt? Mit obigem Argument gegen die philo-sophische Erkenntnis kann sich nur die Ignoranz zufrieden geben. Geht aber seinerseitsder Philosoph seines Wegs, ohne sich um die christliche Ethik zu kümmern, so ist er ent-weder in der Selbsttäuschung befangen, daß er nicht merkt, wie viel Christliches auch ermit der Muttermilch eingesogen, wie viel von dem, was er rein der Speculatiou zuverdanken glaubt, er vielmehr vom Christenthum entlehnt hat; oder, wenn er sich dessengewaltsam entledigt, so läßt er in seiner Rechnung einen Hauptfactor aus und rechnetdarum nothwendig falsch, den Factor nämlich, daß das sittliche Bewußtsein in derMenschenbrust, das er autonomisch entwickeln will, selbst erst durchs Christenthum zuseiner Wahrheit und seinem Rechte gelangt ist, somit jedes Absehen vom Christenthumzu einem geflissentlichen Schöpfen aus trüber Quelle führt. Ohne uns hier auf diemancherlei Versuche einzulassen, die gemacht sind, um zwischen philosophischer und theo-logischer Ethik ein Abkommen zu treffen (daß z. B. das Christeuthum keine neuenTugenden gelehrt, sondern nur den schon bekannten durch neue Motive eine weitereStütze gegeben habe; oder daß das Christenthum die moralische Erkenntnis, zu dernach und nach die Vernunft von selbst gekommen wäre, nur früher schon der Mensch-heit entdeckt habe Ansichten, die von Theologen aus der Kant'schen Schule, wie z. B.Vogel in der Schrift:Das Philosophische und das Christliche in der Moral," Er-langen 1823 aufgestellt, aber selbst auch bei Reinhard Moral I. Einl. K 13.S. 32. 34.j deutlich zu erkennen sind), bemerken wir über obige Frage nur Folgendes.Die philosophische Sittenlehre wird wohl immer eine andere sein, als die theologische,nicht aber eine andere, als die christliche. Zwischen den beiden ersten muß der Unter-schied der wissenschaftlichen Form immer vorhanden sein; der Theolog hat die Identitätseiner ethischen Begriffe mit den in der h. Schrift enthaltenen und wieder mit den inder Kirckienlehre sanctionirten nachzuweisen; er hat den Proceß des Werdens der Sitt-lichkeit im genauen Anschluß sowohl an die Geschichte der Offenbarung als an die Lehrevon der Heilsordnung darzustellen; der Philosoph dagegen hat alle diese Rücksicht nichtzu nehmen; er entwickelt vollkommen frei den Inhalt des sittlichen Selbstbewußtseins,und stellt zur Probe dem, was auf wissenschaftlichem Wege als Inhalt des subjectivensittlichen Geistes gewonnen wird, nur den objectiven sittlichen Geist gegenüber, der sichin der Geschichte offenbart. Aber wenn hiernach auch die Darstellungsweise, die Artder Deduction und Argumentation, die Sprache eine andere sein wird, so folgt darausgar nicht, daß die philosophische Sittenlehre nicht eine christliche wäre; das reelle, prak-tische Resultat, die sittliche Lebensanschauung und Lebensgestaltung, die sich aus derphilosophischen Sittenlehre ergiebt, wird und muß genau Zusammentreffen mit dem, wasdie theologische Sittenlehre auf ihrem Wege schließlich zu Tage fördert; sind also auchdie beiden Wege verschieden, das Ziel ist dasselbe: in dem Manne, in welchem dietheologische Ethik die vollendete Sittlichkeit, den gediegenen christlichen Charakter erkennt,wird auch die philosophische die Nealisirung ihres Begriffs von Tugend erkennen. Seitdas Christcnthum in der Welt ist, hat dasselbe die sittliche Grundanschammg, das sitt-liche Bewußtsein selber wesentlich erneuert; es ist nicht etwa zu dem vorher schon voll-ständig entwickelten und auch hernach ebenso selbständig functionirenden Gewissen derMenschen hinzugekommeu, sondern es hat das Gewissen selber christianisirt, so daß auchdie reinste philosophische Speculatiou, je lauterer sie das wirkliche Bewußtsein ergründetund analysirt, um so gewisser christliches Metall aus dieser Tiefe ans Licht schaffenwird. Ist das nicht der Fall, wäre das Resultat vielmehr eine Doctrin, die sich mitder christlichen in Widerspruch befände, so könnte dies nur entweder aus einem Mis-verständnis der letztem (indem z. B. irgend eine temporäre Auffassung des Christenthums