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2 (1860) Director - Globus
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Erziehungsprincipien.

Erziehungstalent, Takt.

den Handgriff versteht, durch den sie in Bewegung zu setzen ist: so sollte auch vonder persönlichen, sittlichen und intellectuellen Qualität des Erziehers der Erfolg nichtim mindesten abhängen, wofern er nur den Mechanismus der Methode recht ein-geübt hätte, d. h. das Lehrbuch und die Reihen von Hebungen, die es vorschreibt,zu handhaben wüßte. In welchen Widerspruch mit sich selbst Pestalozzi sich hie-durch setzte, wie sehr er gerade das, womit er persönlich seine Erfolge errang, inseiner Theorie ignorirte oder leugnete, haben wir hier nicht auseinanderzusetzen; wirstellen dem bloß gegenüber, daß principiell 1) keine Methode als eine in obigem Sinnunfehlbare anerkannt, daß 2) jeder Erfolg als eine Gabe Gottes (Herbart hat gesagt:als ein Ereignis) dankbar hingenommen wird nach 1 Kor. 3, 6; und daß 3) was dermenschliche Erzieher dazu thun muß, um seinerseits keine Verantwortung zu haben(vergl. Ap.-G. 20, 26), jene Einheit von treuer Liebe und Einsicht ist, die wir Weis-heit nennen; diese macht den Erzieher zu dem, was er sein soll, zu einem Werkzeuge,durch welches der Herr selbst wirkt, durch welches der Erlöser seine Erlösung dem ein-zelnen Menschenkind zu eigen macht, d. h. dasselbe erzieht. Das ganze Erziehungs-werk damit zu beginnen, daß man bekennt, wir können keine Bürgschaft leisten (mitunsrer Macht ist nichts gethan!), aber auch, daß man alle Kraft des Geistes undWillens aufbietet, um an der edlen Pflanze nichts zu versäumen, daß sie seiner Zeitreiche Früchte bringe, um vielmehr im Namen und in der Kraft Christi zu wirken, solange es Tag ist, das ist auch ein Princip, dessen dominirende Bedeutung im ganzenSystem wie in der Praxis auch bei solchen zu erkennen ist, die nicht daran denken, auchin diesem Puncte ein Princip ausdrücklich aufzustellen. (Das sul, 6. kurz Gesagte istweiter entwickelt in des Unterzeichneten Evang. Pädagogik. 2. Ausl. S. 126135.)

Palmer.

Erzichnngstlllcnt, Takt. Vor allem anderen darf hier, als durch den Sprach-gebrauch festgestellt, angenommen werden, daß, sobald beide einem Menschen zugeschriebenwerden, Talent jederzeit eine natürliche Anlage, Takt dagegen eine, zwar aufnatürlicher Anlage beruhende, aber zugleich durch Uebung erworbene Fertigkeitbezeichnet.

Talent nämlich, eigentlich (r«icevrov) die Wage, dann das Gewicht und endlichdas dem Menschen durch höhere Macht beschiedene Theil, das geistige Pfund, womit erwuchern soll,*) bezeichnet die besonders kräftige geistige Anlage für irgend ein, oderauchfür mehrere Gebiete menschlicher Thätigkeit: durch die Nebenbegrisfe des Geistigen, besondersKräftigen und der specifischen Begabung für bestimmte Gebiete unterscheidet sich der Begriffdes Talentes von dem allgemeineren der Anlage (vgl. d. Art. I. S. 161). Nach denHauptgebieten geistiger Thätigkeit kann man unterscheiden: Talente der Erkenntnis,welche zur Erforschung des Wahren, ästhetische Talente, welche zur Darstellung desSchönen in der Kunst, und praktische Talente, welche zur Verwirklichung des Gutenim Leben berufen sind. Offenbar liegt das Erziehungstalent im Bereich der prak-tischen Talente; die bloß wissenschaftliche oder künstlerische Begabung reichen dazu nichtaus. Das Leben aber stellt der Einwirkung des Menschen verschiedene Aufgaben, dieim wesentlichen in zwei Classen zerfallen. Entweder handelt es sich um Gestaltungder Gegenstände und Verhältnisse des äußeren Lebens nach den sie bedingenden Ge-setzen und Regeln, wie bei der Mechanik, der Land- und Forstwirthschaft, dem Finanz-fache, der Heilkunde und dazu sind die technisch-praktischen Talente berufen.Oder es handelt sich um Einwirkung auf das Gebiet der sittlichen Freiheit nach Maß-gabe der ewigen Gesetze und zur Verwirklichung der höchsten Aufgabe des geistigenLebens, und dies ist, wie bei dem Berufe des Geistlichen, auch bei dem des Erziehersder Fall, während die Wirksamkeit des Staatsmannes und namentlich die des praktischen

*) Matth. 15 , 14 30 . Unser Begriff von Talent, als der geistigen Anlage, geht offenbarvon diesem biblischen Gebrauche aus.