Erzichungsprincipicn.
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in deren Hände, wie Schieiermacher (Erz.-L. 701) sich ausdrückt, die Erziehungihren Zögling dereinst abzuliefern hat (s. über diesen Gegensatz selber den Art. Er-ziehung). Diese beiden Linien berühren sich allerdings vielfach; darin z. B., daß ichirgend einem Allgemeinen, wie dem Vaterland, der Civilisation u. s. w. mich dienstbarmache, kann ja auch mein eigenes höchstes Glück erreicht sein, und umgekehrt, wennmeine eigene Bildung ihren Höhepunct erreicht hat, so wird sie mich auch fürs Allge-gemeine desto brauchbarer und nützlicher machen. Aber die Frage ist, auf welche derbeiden Seiten das Hauptgewicht gelegt wird; hiernach rubriciren sich uns die betreffen-den Principien folgendermaßen.
1) Subjective Seite.
«) Principien von idealem Charakter.
Dahin gehört Graser's „Divinität," Niemeyer's „Humanität," welche letztere(in seinen Grundsätzen der Erz. u. d. Unt. I. K 9) schließlich als Harmonie der Frei-heit mit der Vernunft gefaßt wird. Aehnlich ist die Definition des Erziehungszweckesbei Rosenkranz (Syst, der Päd. Z 13): Menschlichkeit als Verwirklichung der demGeist nothwcndigen Freiheit. Dasselbe Princip liegt in der Definition von 2. G.Fichte (Grundlage des Naturrechts 1796): Erziehung ist Aufforderung (?) zur freienSelbstthätigkeit. Diesen Ideen allen lasten wir ihre volle Berechtigung, aber um andie Spitze der Pädagogik gestellt zu werden, müßte ihnen schon ein bestimmter Inhaltgegeben sein, da sie sich allesammt in sehr verschiedenem Sinn und Geist auffassenlassen. Während jedoch diese Principien zwar das Ziel der Erziehung in den Zöglingselber setzen, aber in jedem Individuum das Gleiche als solches Ziel postuliren, nämlicheben die Humanität, die Divinität u. s. w.: so subjectiviren andere dasselbe nochmehr; sie setzen es nicht nur in das Subject, sondern in das Individuum. So fordertSchwarz (Erz.-L. II. S. 331): „suche das göttliche Urbild in jedem Individuum zuerschauen: dieses Urbild des Individuums muß zur Wirklichkeit werden;" eben so2ean Paul (Levana I. Z 26): „Jeder von uns hat seinen idealen Preismenschen insich, den er heimlich von Jugend ans frei oder ruhig zu machen strebt. In einem An-thropolithen kommt der Jdealmensch auf der Erde an; ihm von so vielen Gliedern dieSteiurinde wegzubrechen, daß sich die übrigen selber befreien können, dies ist oder seiErziehung; — nur muß jener Jdealmensch, der in jeder besseren Seele der stehendeHauslehrer bleibt, vorher errathen werden; kein solcher könnte gegen einen andern aus-gewechselt werden." — Es ist die Idee der Persönlichkeit, die in diesem Princip auf-tritt; wie viel wahres darin liegt, haben wir in dem Art. „Charakter" Largelegt, aberin einem pädagogischen Princip muß eben so sehr das für alle gleichmäßig Gültige zuseinem Recht kommen; als Princip also wäre obiges zu einseitig. Es ist daher ganzrichtig, wenn Gustav Baur beides zu combiniren sucht (Grundz. der Erz.-L. Z 4): „Jederist" (H 26) „bestimmt, zur Förderung des göttlichen Lebens in der Menschheit eine ganzeigenthümliche Stellung im Organismus derselben einzunehmen." Aehnlich Schleier-macher, Erz.-L. S. 50 ff.: „das Ende der Erziehung ist die Darstellung einer per-sönlichen Eigenthümlichkeit des Einzelnen; die Erziehung soll den Einzelnen ausbildenin der Aehnlichkeit mit dem größer» moralischen Ganzen, dem er angehört."
st) Der realen Welt entnommen sind diejenigen Principien, die uns entweder dieGlückseligkeit' (wie die Philanthropisten, vergl. Trapp, Vers, einer Päd. 1780S. 25), oder die Gesundheit (Lo cke's sann mens in oorxors sano), oder die Kräftig-keit (Pestalozzi's Ideal: „ungeheure Kraft") oder die Schönheit (Schreber, Kallipädieoder die Erziehung zur Schönheit. 1858), als Erziehungsziel Vorhalten; der Industrialis-mus weiß uns auch die Arbeit als solches zu empfehlen, wornach eigentlich der ouvrisrdas Ideal eines Menschen ist (Friedrich, die Erziehung zur Arbeit. 1852). Hiehergehört aber auch das Rousseau'sche Princip der Naturgemäßheit; denn wenn gleichdasselbe die Natur zunächst nur als Muster und Maßstab bezeichnet, dem gemäß dieErziehung bewersttelligt werden soll, so ist doch als Resultat nichts anderes gedacht als