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2 (1860) Director - Globus
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Erziehungsanstalten.

Erziehungskunst.

liebender Erinnerung gesetzt, und werden das auch ferner um so sicherer thun, je mehrihre gesammte Thätigkeit in dem Grunde christlicher Wahrheit und Liebe wurzelt.*)

Strebel.

Erziehungsklmst. Wäre die Erziehung nichts anderes als Abrichtung (s. d. Art.),so würde von einer Kunst der Erziehung nicht die Rede sein können. Sie wäre danneine rein handwerksmäßige, durch Nachmachen und glückliches Finden sich fortsetzendeBeschäftigung, welche durch eine Summe von Fertigkeiten einen willkürlichen Zweck zuerreichen suchte. Aber vor allem ist der Zweck der Erziehung nicht in die Willkür desErziehers gestellt, er ist vielmehr das Ideal der Persönlichkeit, welches in Christus amvollkommensten auf menschliche Weise realisirt wurde und als Musterbild unvermeidlichallem Wollen und Handeln vorschwebt. Dieses Ideal hat der Erzieher in die geistige,allerdings ihren eigenen Gesetzen unterworfene Natur des Zöglings, so weit sie es»erstattet, hineinzntragen, **) um ihr durch Umwandlung nach dem Ideale einen selbst-ständigen Werth zu verleihen und dadurch das Wohlgefallen Gottes wie jedes unpar-teiischen Zuschauers zu verschaffen. Die Erziehung hat also wie jede Kunst ein ideales,unmittelbar werthvolles Element in einen natürlich gegebenen Stoff zu legen, und diesendadurch so umzugestalten, daß er ein Gegenstand des absoluten Wohlgefallens werde,was er an sich nicht ist. Sie hat sich auch dabei, wie wiederum jede andere Kunst,der natürlichen Beschaffenheit und Gesetzmäßigkeit des Stoffes auznbequemeu, und diesenso zu behandeln, wie es die in ihm liegende Nothwendigkeit, die von psychologischer Artist, verlangt, wenn der Zweck, daß Christus in dem Zögling eine bestimmte Gestaltgewinne, erreicht werden soll. Darum ist die Erziehung selbst eine Kunst.

Von der Erziehungskunst ist die Unterrichtskunst ein Theil, und zwar der wichtigsteTheil nach der Meinung derjenigen Theoretiker, die wie Herbart überzeugt sind, daß beider Erziehung der Unterricht überwiegen muß. Der ächte Erziehungskünstler aber zeich-net sich theils durch die von der Wissenschaft prädiSponirte Stimmung aus, mit der ererzieht, theils durch den Erziehungstakt, der mit Rücksicht auf eine begünstigende Indi-vidualität Erziehungstalent heißt, und der bei der Ausübung der Erziehung so entsteht,wie jede Fertigkeit durch fortgesetzte Uebung sich bildet. Der Takt giebt dem Erzieherdie Raschheit, Leichtigkeit und Sicherheit des Handelns, und seine Richtigkeit, wegenwelcher er im Unterschiede von dem falschen und werthlosen Takte der Routine als ge-bildeter rationaler Takt bezeichnet wird, wird ihm durch die Stimmung verbürgt, weildiese durch die Wissenschaft vorbereitet ist. Sie wird durch eine hingebeude, tief ein-dringende Beschäftigung mit den wissenschaftlichen Grundsätzen erzeugt, und giebt sichdurch den warmen Entschluß kund, diesen Grundsätzen gemäß in der Praxis zu handeln,und von ihnen nicht ans Nachläßigkeit oder Trägheit, sondern erst dann abzulassen,nachdem ihre Unhaltbarkeit dargethan ist. Ist der Erzieher von einer solchen Stim-mung erfüllt und verbindet sich damit bei ihm der Takt, so bedarf er in der Praxisnicht zahlloser Vorschriften für die concreten Fälle, wie sie auch jeder andere Künstler-leicht entbehrt. Er kann diese Fälle, um sie richtig zu beurtheileu und zu behandeln,nur nach ihrem Gesammteindrucke auffassen, und er braucht sich nicht erst die allgemei-nen Grundsätze ins Bewußtsein zurückzurufen, welchen er sie unterzuordnen hat, wiegleichfalls jeder andere Künstler ohne Reflexion die theoretischen Grundsätze richtig zurAnwendung bringt. Seine Leistungen dienen selbst zur Ergänzung und Erweiterung derTheorie, wie es gleichfalls auch bei andern ächten Knnstleistungen der Fall ist.

Nun bedarf wohl der Takt des Erziehers keiner Vorbildung, weil er gerade durch

*) Der obige Artikel legt in die beiden Wagschalen (Institut Familie und öffentlicheSchule) nicht durchaus gleiche Gewichte, in der Hinsicht mit Recht, als er die Berechtigung derPrivaterziehungsanstalten vorzugsweise auf die nicht normale Beschaffenheit der Familie und deröffentlichen Schule gründet. Vgl. den Art. Instituts- und Familienerziehung. D. Red.

Eine abweichende Ansicht wird in dem Art. Bildung I. S. 666 ausgesprochen.