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Erziehungsanstalten.
paffenden Schule (Landaufenthalt, Unvollständigkeit der Schule rc.). Manchmal fehlt esan Schule und Haus zugleich, was da thun? — den Sohn an einem paffenden Schul-ort in einer guten Familie, vielleicht der eines Lehrers, unterbringen? — das läge amnächsten; die Häuser der obersten Lehrer (Präceptoren) in den kleineren Städten Würt-tembergs sind darauf eingerichtet und werden manchmal zu Erziehungshäusern für 10,20 und noch mehr Knaben. In Gymnasialstädten aber ist das nicht so leicht undpraktisch, als man glauben sollte. Es lassen sich da im ganzen wenige Lehrer — ausverschiedenen Gründen — auf die Annahme fremder Söhne ein. Von anderen dazugeeigneten Familien scheuen die meisten die das eigene Familienleben vielfach beschwerendeMühe und Verantwortlichkeit. Einen Hauslehrer zu halten, vermag nicht jeder Vaterin solcher Lage, und vermöchte er es auch, wer stellt ihm gleich den rechten Mann?Auch Fälle, da man den geliebten Sohn aus der verpesteten Atmosphäre der großenStadt in ein Asyl zu bergen wünscht, oder da ein Sorgensohn in Haus und Schulenicht mehr gut thun will und in ein passenderes Feld verpflanzt werden sollte, sindnichts unerhörtes. In solchen und ähnlichen Fällen wird eine Anstalt zum Bedürfnis,wo Schule und Haus unter Einem Dache verbunden wären. Ihnen kommt nun dieErziehungsanstalt entgegen, für manche eine Wohlthat, für manche eine wahreNettungsanstalt. Sie bleibt ein Bedürfnis, selbst wenn Staat und Gemeinde alles mög-liche für öffentlichen Unterricht thun. Geschieht aber dieses nicht, oder nicht genügend,dann tritt vollends die Privatthätigkcit mit Nothwendigkeit ein für das, was nun ein-mal sein muß; daher denn auch die Privatunterrichts-und Erziehungsanstalten ganz beson-ders häufig sind in Ländern, wo Staat oder Kirche die Sorge für die Bildung des jungenNachwuchses noch nicht, oder wenigstens nicht genügend in den Kreis ihrer Pflichtenund Sorgen ausgenommen haben, wie z. B. in England. Fast die Hälfte aller Eng-länder dürfte bisher ihre Erziehung in vom Staate unabhängigen Schulen und Anstal-ten empfangen haben. — Aber auch wo der Staat in ausgedehntem Maße für dasSchulwesen sorgt, kann es sein, daß die Schulen den Ansichten und Wünschen einzelnerEltern nicht entsprechen. Der Arme muß die vorhandenen Schulen nehmen, wie siesind; der Vermögliche kann sie nach seinem Wunsche wählen. Die Erziehungsanstaltgiebt ihr Programm aus über Geist, Zweck und Ziel, Lehrplan, Erziehungsmittel rc.Wenn nun Eltern ihre Kinder einer solchen Anstalt übergeben, die ihrem Geiste undihren Wünschen für die Bildung der eigenen Söhne zusagt, so sind sie damit in vollemRechte, legitimiren aber eben damit auch diejenigen, welche ihnen eine solche Bildungihrer Söhne ermöglichen.
Aber auch abgesehen vom Bedürfnisse der Eltern liegen Gründe für die Berechti-gung dieser Anstalten in ihrem Wesen selbst. Sie sind Bahnbrecher für neueIdeen auf dem pädagogischen Gebiete. Sie haben in ihrer Unabhängigkeit von demschwerer beweglichen Mechanismus des städtischen oder staatlichen Gemeinwesens Frei-heit, Beweglichkeit, Elasticität genug, um neue Gedanken an der ihnen übergebenen Ju-gend zu verwirklichen und zu erproben. Sie sind die leichten Truppen, die fliegendenCorps, die voranziehen, das Feld erkunden und so dem schwerer sich bewegenden Haupt-heere den Weg bereiten, sich auch, falls das Vorrücken in dieser Richtung auf ernsteSchwierigkeiten stößt, leichter wieder zurückziehen, als es dem Hauptheere möglich wäre.—Sie sind ein Stachel für die öffentlichen Schulen und ihre Behörden, bewah-ren jene vor Verknöcherung oder Versumpfung, diese vor Sicherheit. — Sie sind eineBrücke für das dabei betheiligte Publicum der Eltern, der Jugend- undVaterlandsfreunde, Einfluß auf Geist und Richtung des Unterrichts und der Schuler-ziehung zu üben und so an der Bildung des Heranwachsenden Geschlechts Theil zu neh-men. — Besonders gestatten sie eine umfassende und eingehende Bethätigung der Per-sönlichkeit. Was aus der Tiefe einer lebensvollen Persönlichkeit kommt, das wirktauch wieder Person und Charakter bildend. So selbst in bloßen Schulen. Unter I.Sapidus hatte das Gymnasium zu Schlettstadt 900 Schüler. Württembergs Latein-