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Erziehung, verkehrte Richtungen in derselben.
den Begriff des Reiches Gottes bezeichnet. Beides läßt sich zusammenfassen in denBegriff vollständigster Verwirklichung des göttlichen Gesetzes. Wo nun an die Stelledieses einen göttlichen und ewigen Zweckes einzelne endliche, menschliche Zwecke tretenund die Richtung der erziehenden Thätigkeit bestimmen, da artet diese in Utilitaris-mus aus: an die Stelle des absolut Guten tritt das relativ Nützliche, an die Stellepädagogischer Weisheit eine zweckmäßig abrichtende Klugheit, und statt daß für Erzieherund Zögling der kräftigste Antrieb in dem Bewußtsein liegen sollte, mit Gottesheiligem Willen in Uebereinstimmung und darum auch mit Gottes Beistände zu arbeiten,dem kein Ding unmöglich ist, wird das treibende Motiv ein eiteles, eifersüchtiges,ehrgeiziges Trachten nach bestimmten äußeren Erfolgen: „Wo keine Götter sind, waltenGespenster." Der Utilitarismus hängt mit mehreren der bereits charakterisirten Ver-irrungen auf das genaueste zusammen. Nicht bloß der Materialismus kennt kein
höheres Ziel, als sinnlichen Lebensgenuß, sondern auch der individualistischen Jsolirungdes Zöglings blieb der Sinn für die höheren Aufgaben der Menschheit verschlossen:ein Zustand, worin dem Einzelnen und der Gesammtheit eine behagliche Befriedigungihrer sinnlichen Ansprüche an das Leben möglich sei, das war das Ideal dieser Pädagogik.Die Basedow'sche Schule war die Hauptvertreterin des pädagogischen Utilitarismus,und allerdings redete sie nicht allein von den Vortheileu, welche sie mit ihrer Erziehungdem einzelnen Zögling verschaffen wolle, sondern auch ein brauchbares Glied der Ge-sellschaft, ein „nützlicher Weltbürger" sollte er werden. Aber der Gedanke der Aufopferungdes Einzelnen um der Gesammtheit und um Gottes willen lag dieser Richtung fern;das Wort des Herrn: „Wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren; wer abersein Leben verliert um meinetwillen, der wird es finden" vermochte sie sich nicht anzu-eignen, und das andere Wort: „Was ihr wollt, daß euch die Leute thun, das thut ihrihnen auch" verstand sie nur in dem Sinne: damit euch Nutzen von andern zu Theilwerde, müßt auch ihr euch ihnen nützlich machen; der Schwerpunct der pädagogischenTendenz lag immer in dem Streben des natürlichen Menschen nach sinnlichem Wohl-behagen. Auf die Frage der Utilitarier, ob denn nun die künftige Brauchbarkeit desZöglings von der Erziehung völlig außer Betracht gelaffen werden soll, antworten wir:keineswegs, und nur ein nicht minder verkehrter einseitiger Idealismus könntedies behaupten. Es mag hin und wieder ein Vertreter der hauptsächlich durch elastischeStudien zu fördernden sogenannten formellen Geistesbildung diese so verstanden undbetrieben haben, daß dadurch die Brauchbarkeit des Schülers für das wirkliche Lebengefährdet wurde. In der Natur der Sache aber liegt dies durchaus nicht. Viel-mehr wird gerade die utilitaristische Tendenz nach praktischer Brauchbarkeit es nichteinmal zur wahren und gründlichen Brauchbarkeit bringen, weil sie in ihrer Richtungauf bestimmte thatsächliche Verhältnisse und bestimmte in ihnen zu erreichende Vortheilees unterläßt, dem Zögling die Willensrichtung und den Fonds mitzugeben, womit erunter allen Verhältnissen das wahrhaft Nützliche finden und fördern kann. Wer da-gegen in der Erweckung eines kräftigen Strebens nach Verwirklichung des göttlichenGesetzes die höchste Aufgabe der Erziehung erkennt und alles andere diesem Zweckedienstbar macht, der weiß, wie auch das ein göttliches Gesetz ist, daß der Einzelne nichtsich selbst lebe, sondern auf das Ganze sich beziehe und als lebendiges Glied in dessenDienst eintrete, und so wird sich auch in dieser Beziehung das Wort des Herrn be-währen, daß wer am ersten nach dem Reiche Gottes trachte, dem alles andere zufallenwerde: der Erziehung, welche von dem Trachten nach dem Reiche Gottes als nachihrem letzten und höchsten Zwecke durchdrungen ist, wird die wahre, vielseitigste undausgiebigste praktische Brauchbarkeit ihrer Zöglinge von selbst zufallen.
Dies mag genügen zur Charakteristik und Classification der mannigfaltigen Päda-gogismen. Träten ihre Merkmale immer mit der Bestimmtheit und Vollständigkeit her-vor, in welcher wir sie darzustellen versucht haben, so hätte cs mit ihnen keine großeGefahr, man würde sich vor ihnen zu hüten wissen; so aber schleichen sic sich in ihren