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2 (1860) Director - Globus
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Erziehung, verkehrte Richtungen in derselben.

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theilweise nur der extreme Rückschlag ist gegen extreme Zumuthungen. Gewiß mit Rechtfordert Kaut: „Kinder sollen nicht dem gegenwärtigen, sondern dem zukünftigen, mög-lich besseren Zustande des menschlichen Geschlechtes, d. i. der Idee der Menschheit undderen ganzer Bestimmung angemessen, erzogen werden." Wenn nun Staat und Kirchean die Stelle des zu erstrebenden Ideals ihre immerhin mangelhaften factischen Zuständesetzen und streng darüber wachen, daß nur für diese erzogen wird, und jedes Strebennach einem höheren Ziele rücksichtslos unterdrücken: so entsteht ein Verfahren, welchesman Polizismus und Klerikalismus in der Erziehung nennen kann, und wel-chem großentheils die Verantwortung dafür zufällt, daß das gedrückte Recht auf freiereBildung in einem mit der Wirklichkeit völlig brechenden Radicalismus Rache sucht.Doch schreitet die Opposition gegen einen übertriebenen kirchlichen Positivismns nichtimmer bis zu paganistischem Radicalismus fort, sondern sie begnügt sich zuweilen mitdem Uebertritt zur „Vernunftreligion", welche dem positiven Christenthum die BegriffeGott, Vorsehung, Freiheit, Unsterblichkeit entgegenhält, freilich ohne zu bemerken, daßauch diese erst auf dem Boden des Christenthums in einer die gegenwärtigen Ansprücheder Vernunft befriedigenden Weise hervorgewachsen sind. — Dieselbe Verkennung desnothwendigen Zusammenhanges zwischen dem Gesammtorganismus der Gesellschaft undzwischen dem Einzelnen als ihrem Gliede, welche bezüglich des Objectes der Erziehungden von Rousseau zuerst in seiner ganzen Einseitigkeit ausgesprochenen Individualis-mus zur Folge hatte, hatte auch auf das Subject der Erziehung, auf den Erzieher, dieWirkung, daß dieser den Zusammenhang mit der Gesammtheit und deren seitherigerEntwicklung zerriß. Der Schlendrian der früheren Erziehung beruhte auf Traditio-nalismus, indem er sich lediglich an das Ueberlieferte hielt, gewohnheitsmäßig in Er-ziehung und Unterricht forttrieb, was man seit Jahrzehnten getrieben hatte. Insofern:man aber jetzt die der Erziehung feindselig entgegenwirkenden finsteren Mächte eben s»sehr übersah, als die unterstützenden Kräfte und Verhältnisse des geschichtlich gewordenengesellschaftlichen Lebens, und den neu erfundenen methodischen Theorieen blind vertraute,stellte die moderne Pädagogik als abstracter Methodismus sich dar, oder da auchdies letztere Wort bereits anderweit seine bestimmte Verwendung gefunden hat, als sub-jectiver Doctrinarismus. Mit ihrer ganzen naiven Oberflächlichkeit und Sieges-gewißheit trat diese Verirrung zuerst in Basedows marktschreierischen Einladungenzu seinen philanthropischen Experimenten hervor, in ernsterer und soliderer Gestalt kehrtesie dann in Pestalozzi's Didaktik wieder, bis in neuerer Zeit die Ueberspannung, zuwelcher sie Jacotot steigerte, zugleich ihre Blößen offen legte und der Pädagogik denDienst that, alle Besonnenen zu überzeugen, daß auf diesem Wege das Heil nicht liege.In der That gehört es zum werthvollsten Gewinn der neueren Pädagogik, daß ihr zwarder aus jenen Bestrebungen hervorgegangene und gewiß für alle Zeiten heilsam nach-wirkende Anstoß unverloren ist, ihres Zieles und ihrer Mittel durch eine eingehendeWissenschaftliche Untersuchung der pädagogischen Fragen immer klarer und bestimmter sichbewußt zu werden; daß sie aber auf der andern Seite den bedeutsamen pädagogischenEinfluß der objectiv gegebenen realen Lebensverhältnisse würdigen und zugleich erkennengelernt hat, wie der Erzieher die sicherste subjective Garantie für den Ersatz der Er-ziehung nicht sowohl durch seine methodischen Principien und Kenntnisse, als durch dieTüchtigkeit seiner gesammten Persönlichkeit und insbesondere durch seine Anctorität bietet.Vgl. außer den zum vorigen Absätze angeführten Schriften noch Goltzsch, Einrichtnngs-und Lehrplan für Dorfschulen, 2. Aufl. Vorrede; Palmer, a. a. O. II. S. 52 ff.und Dahlmann, Politik S. 288 ff.

5) Endlich gehen falsche Richtungen aus der unrichtigen Auffassung des Zweckesder Erziehung hervor. Das letzte und höchste Ziel der Erziehung kann kein anderessein, als das, welches der gesammten Menschheit vorgesteckt ist: es ist für den einzelnenMenschen durch den Begriff der Gottähnlichkeit, für die gesammte Menschheit durch

Pädag, pncyklvpädic. II