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2 (1860) Director - Globus
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Erziehung, verkehrte Richtungen in derselben.

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umsonst, wie die ganze Menschheit, Juden so gut wie Heiden, auf die immer ängstlicherwerdende Frage: „Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen von dem Leibe diesesTodes?" keine befriedigende Antwort fand, als die: „Ich danke Gott durch JesumChristum, unfern Herrn!" Durch ihn ist in die erstorbene Menschheit, wie in dieHerzen der Einzelnen, neues Leben gekommen, und die Erziehung, welche ihre Haupt-aufgabe darin erkennt, dieses neue höhere Leben dem natürlichen Leben des Heran-wachsenden Geschlechtes mitzutheilen, ist die allein naturgemäße, weil sie geeignet ist,die wahre Natur des Menschen, das Bild Gottes in ihm herzustellen und dadurchsein natürliches Leben zu reinigen, zu erhöhen und zu verklären. Denn freilich darfauch die Erziehung nicht, entgegen dem Vorbilde unseres Meisters, der sa nicht bloßgekommen ist, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn selig werde, dasChristenthum in verkehrtem Positivismus als ein neues Gesetz nur zur Unterdrückungund Vernichtung des natürlichen Lebens anwenden, statt daß durch es, als eine lebendigeKraft Gottes, selig zu machen, das natürliche Leben zu höherem Leben wiedergeborenwird. Gleichwohl ist es leicht begreiflich, daß ängstlichere Gemüther bei dem Einblickin das tiefe sittliche Verderben des menschlichen Geschlechtes zum freudigen Vertrauenauf die ja bereits in sichtbarer Wirksamkeit begriffene erlösende Kraft des Evangeliumsnicht haben durchdringen können, und daß in Folge davon eine Erziehung entstand,welche in dem Zögling alle Interessen und Lebensregungen, in welchen die Beziehungauf die Heilsgewinnung nicht unmittelbar und ausschließlich hervortritt, mistranisch zuunterdrücken suchte. Dieses ängstliche und kleinliche Verfahren, welches die tiefe undwohlbegründete Ueberzeugung von der allgemeinen Erlösungsbedürftigkeit zum Zweifelan der vollen Erlösungsfähigkeit überspannte, ist dem Pelagianismus in der Erziehungals Pietismus entgegengetreten, und es hat sich an ihm die nicht beherrschte, sonderngeknechtete Natur sehr häufig durch den Betrug heuchlerischer Vorspiegelung des voneiner engherzigen Pädagogik Erstrebten und nicht selten auch durch recht rohe undcrasse Ausbrüche, oder, unter dem täuschenden Scheine der als Zeichen eines neuenLebens überschätzten äußeren Geberden durch recht raffinirte Sinnlichkeit gerächt. — Mitdem pädagogischen Pelagianismus steht endlich der Jutellectualismus in innigemZusammenhang als die verkehrte Richtung in der Erziehung, welche ihre Hauptaufgabein der Aufklärung des Verstandes erkennt, überzeugt, daß dann alles andere sich von selbstmachen werde, nicht bloß das Können, sondern ganz besonders auch die rechte Bestimmtheitdes Wollens (vgl. d. Art. Erbsünde S. 159). Auch ist dieser Jntellectualismus in der Pä-dagogik geschichtlich im Geleite des Pelagianismus aufgetreten. Der eben so frischen alsfrommen Erziehung, wie sie Luther begründet hatte, stand als höchstes Ziel die „ckootaatgnö sloHnsns xistas" vor Augen, wonach also die Erweckung einer lebendigen frommenGesinnung als das Wesentliche, Wißen und Können nur als deren Attribute erschienen.Nachdem aber Rousseau die Entdeckung gemacht hatte von der ursprünglichen Bor-trefflichkeit der kindlichen Natur, welche in ihrer Entwicklung durch die Erziehung nurnicht gestört werden dürfe, trat auch sofort der Jntellectualismus hervor; denn jetztkonnten ja etwaige Vergehungen des Kindes nur als Folge von Unwissenheit undmangelnder Erfahrung erscheinen, welchen auf dem Wege der Belehrung eben so ein-fach als sicher zu begegnen war. Rousseau selbst zwar hatte noch mit der ihm eigenenlöblichen Jnconsequenz nachdrücklich die Albernheit gerügt, welche glaubt, mit Kindernauf dem Wege des Raisonnements etwas erreichen zu können. Basedow aber, der desFranzosen geniale und hinreißende Declamationen in hausbackene deutsche Prosa über-setzte, machte mit dem Jntellectualismus gründlichen Ernst und etablirte recht eigentlichdie auf- und ausklärende Pädagogik. Ernste Mahnung oder gar strenge Strafe mußtevon diesem Standpuncte ans als verwerfliche Tyrannei erscheinen; kam aber freilich inder Praxis immer vor, entweder weil der Erzieher gelegentlich doch durch seinen natür-lichen Justinct über die Grenzen seiner Theorie hinausgerissen wurde, oder weil manstatt der üblichen Strafen allerlei absurde Maßregeln anSklügelte, die zwar nicht wie