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2 (1860) Director - Globus
Entstehung
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Erziehung, verkehrte Richtungen in derselben.

schiefen und unrichtigen, selbst unter der Herrschaft der Sinnlichkeit stehenden Reflexio-nen. In diesem Zustande muß er gehorchen lernen, weil sein Wille noch nicht dervernünftige ist. Durch das Gehorchen kommt das Negative zu Stande, daß er auf diesinnliche Begierde Verzicht thun lernt, und nur durch diesen Gehorsam gelangt derMensch zur Selbständigkeit." Oder wenn Hegel auch nicht unverdächtig ist, weil ervielleicht auf das geschichtlich Gewordene größeren Werth zu legen scheint, als der Sinnfür die „reine Natur" und ihre Forderungen gestattet, der höre das Wort des nüchternenKant (a. a. O. S. 442 u. 686): „Ob aber der Mensch nun von Natur moralischgut oder böse ist? Keines von beiden, denn er ist von Natur gar kein moralischesWesen; er wird dieses nur, wenn seine Vernunft sich bis zu den Begriffen der Pflichtund des Gesetzes erhebt. Man kann indessen sagen, daß er ursprünglich Anreize zuallen Lastern in sich habe, denn er hat Neigungen und Jnstincte, die ihn anregen, ob ihngleich die Vernunft zum Gegentheile treibt." — —- „Der Mensch kann nur Menschwerden durch Erziehung. Er ist nichts, als was die Erziehung aus ihm macht. Es istzu bemerken, daß ver Mensch nur durch Menschen erzogen wird, durch Menschen, dieebenfalls erzogen sind." Daß trotz solchen Auctoritäten, wie sie doch sonst auch die „vor-urtheilsfreie Aufklärung" gelten zu lassen geneigt ist, und trotz der deutlich redendentäglichen Erfahrung die naturalistischen Anschauungen im Gepräge der Rousseau'schenRedensarten von der ursprünglich durchaus guten Natur des Kindes, die man nur sichselbst zu überlassen habe, unter Pädagogen immer noch als baare Münze cursiren, dasist wieder nur bei der Jnconsequenz dieser Naturalisten möglich. Die consequenteDurchführung ihrer Principien würde sie sicher aä adsnrctuin führen, aber nach dem Vor-bilde ihres Meisters lassen sie die principiell hinausgejagte positive Einwirkung, denEinfluß der Gesellschaft und der in dieser wirkenden geistigen Mächte, ihnen selbst un-vermerkt, factisch wieder herein und polemisiren von einer Grundlage aus, welchedurch die von ihnen bestrittenen Einflüsse geschaffen ist und ihnen unter den Füßenschwinden würde, wenn einmal mit ihren Principien Ernst gemacht würde. —Der Satz von der Unmöglichkeit, daß die sich selbst überlassene Natur des Men-schen ihre Bestimmung erreiche, wird, erweitert, vertieft und bestimmter gefaßt, zueiner der Grundlehren des Christenthums. Die Eigenthümlichkeit deS Christenthumsconcentrirt sich in dem Bekenntnis zu Jesu von Nazareth als dem Erlöser, unddieses Bekenntnis schließt das andere unmittelbar ein, daß der Mensch aus eigenerKraft nicht im Stande sei, zum richtigen Verhältnisse zu Gott sich zu erheben und daßer eben darum eines Heilandes bedürfe, der ihn erlöse und selig mache. Wenn nundie Pädagogische Opposition gegen positive Einwirkungen auf den Zögling überhaupt,insbesondere gegen den Einfluß des Christenthums sich wendet, sobald dieses mehr seinwill, als eine die Entwicklung des natürlichen Menschen durch ihre Lehren förderndeVernunftreligion, und wenn sie sich dabei in Sätze kleidet, wie der von Diester weg(Pädag. Jahrb. für 1852 S. 239): „Wir wollen von keinem glücklich, wir wollen vonkeinem fromm und selig gemacht werden. Wir verlangen nur, daß man uns dem

tiefsten Bedürfnis unserer Natur gemäß an der freien Entwicklung nicht hindere.-

Der wird der Messias dieser Zeit sein, der sie uns bringt": so geht der Naturalismusin der Erziehung bestimmter in Pelagianismus über, insofern man hierunter dieAnsicht versteht, welche das Erlösungsbedürfnis des Menschen leugnet, da er aus natür-licher Kraft seine Bestimmung erreichen könne. Von diesem Standpuncte aus muß dasBekenntnis zu dem Erlöser als ein Product der Unklarheit über sich selbst, der Feigheitoder der Trägheit erscheinen. Für die ihm eigene oberflächliche und äußerliche Auf-fassung der Anforderungen Gottes an den Menschen, welche in ihrer ganzen Fülle undStrenge im Gebote der Gottähnlichkeit zusammengefaßt ist, ist das belehrende Beispielvon Männern wie Paulus, Augustinus, Luther, verloren, welche eben, weil sie daskräftigste sittliche Streben durchdrang, für ihre Seele nicht anders Ruhe fanden, als inJesus Christus, der in den Schwachen mächtig ist. Und auch die heilige Schrift zeigt