Erziehung, verkehrte Richtungen in derselben.
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muß es um so mehr, je geringer noch die Selbständigkeit des Zöglings ist. Sie mußdie förderlichen Einwirkungen unterstützen, den nachtheiligen entgegenwirken, und dadie eigentliche Welt des Kindes zunächst doch das elterliche Haus und demnächst dieSchule ist, so gelingt in der That der Auctorität der Eltern und Lehrer jene Gegen-wirkung der ganzen übrigen Welt zum Trotz. Allmählich lernt der Zögling selbstunterscheiden, was ihm dienlich ist und was nicht, es bildet sich in ihm der feste Kerneiner Gesinnung, welcher den Versuchungen selbständig Widerstand leistet, und an dieStelle der „behütenden" Maxime darf mehr und mehr die „kühne" treten, welche ihmüberläßt, im Kampfe mit der Welt die eigene Kraft zu versuchen. — Vergl. Schleier-macher, Erziehungslehrc S. 105 ff. 156 ff. und besonders Jean Paul's Levana,deren 1. „Bruchstück" im 2. Capitel die „Schulrede gegen den Einfluß der Erziehung/'im 3. Capitel „die Schulrcde für denselben" enthält; auch den Artikel Erziehung,4) u. 5) o. ck.
2) Andere Verkehrtheiten entstehen, wenn der Erzieher vergißt, daß die ZöglingeUnmündige sind, die allmählich zur Mündigkeit herangebildet werdensollen. Durch das Vergessen dieser Aufgabe wird zunächst die spielende Päda-gogik erzeugt, welche verfährt, als ob die kindische Unfertigkeit an sich das Berechtigtewäre, und statt den Zögling aus ihr allmählich emporzuheben, sich nur zu ihr herab-läßt. Wenn das Spiel während des ganzen Lebens sein Recht behalten muß, damit inseiner unbefangenen, nicht auf einen bestimmten Zweck gerichteten, in sich selbst be-friedigten Thätigkeit der Geist ausruhe von der Anstrengung, welche die bestimmtenZwecken dienende ernste Berufsarbeit begleitet: so hat es doch im Kindesalter seineeigentliche Stelle, indem in dieser Periode bestimmte äußere Zwecke noch nicht erreichtwerden können, es sich vielmehr nur darum handelt, daß das Kind in unbefangenerUnmittelbarkeit die Eindrücke der Außenwelt aufnehme und verarbeite, seine Kraft übeund seine eigenthümliche Anlage offenbare. Es bewegt sich auf dieser Altersstufe, alsoetwa in den sieben ersten Lebensjahren (s. d. Art. Altersstufen), im wesentlichen„in der Indifferenz zwischen Spiel und Ernst," und wie es in der Ordnung ist, daß indieser Zeit jede Uebung, zu welcher man die Kinder veranlassen will, doch den Charakterdes Spiels nicht verliere, so genügt es, zugleich darauf zu achten, daß das Spiel denCharakter der Uebung erhalte: auf bestimmte äußere Zwecke gerichtete und an eine be-stimmte Zeitordnung gebundene regelmäßige Uebung würde unnatürlich sein und die freieund frische Entwicklung des Kindes beeinträchtigen. Demnach erfolgt der Uebergangans der Periode des Spiels zum Ernst nicht plötzlich. Auch in dem eigentlichen Kindes-alter schon findet der Ernst seine Stelle und zwar von dem Augenblick an, wo dasKind im Stande ist, von seiner natürlichen Neigung das höhere Gesetz zu unterscheiden,welches durch die zu seiner Erziehung berufenen Erwachsenen, vor allen die Eltern,reprasentirt wird und als Gebot oder Verbot seinem kindischen Eigenwillen entgegen-tritt. Hier muß man nicht meinen, allein mit der Milde der spielenden Pädagogikdurchzukommen, vielmehr muß dem Zöglinge ein immer deutlicheres Bewußtsein von derGrenze erweckt werden, an welcher das Spiel aufhört und der Ernst anfängt. Mitdem Austritte aus dem eigentlichen Kindesalter ist dieses Bewußtsein schon so gefördert,daß das Kind der Schule übergeben werden kann, wo seine subjective Willkür in denDienst einer festen Ordnung eintritt, damit es in bestimmten Stunden durch bestimmteUebungen für bestimmte Zwecke herangebildet werde. Wie verkehrt es wäre, wenn mander freien Beweglichkeit des Kindes nicht Zeit und Gelegenheit gäbe, an die neue Ord-nung allmählich sich zu gewöhnen, oder wenn man durch Berschmähung jeder Ver-knüpfung des Unterrichtsstoffes mit dem kindlichen Interesse das Lernen gleichsam ab-sichtlich erschwerte: so liegt es doch in der Natur der Sache, daß mit dem Eintritt indie Schule jene unbefangene Indifferenz zwischen Spiel und Ernst aufhört. Neben dernatürlichen Neigung muß jetzt als Triebfeder immer bedeutsamer wirken der Wetteiferder Kinder in der Lösung ihrer Ausgaben, die Freude an der Ucberwindung der