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2 (1860) Director - Globus
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Erziehung, verkehrte Richtungen in derselben.

ihren zerstörenden Einfluß geltend gemacht, und wir werden bei Besprechung des Natu-ralismus, Paganismus, Radicalismus und Utilitarismus ihren warnenden Spuren be-gegnen.

1) Wenn der consequente Materialismus principiell gegen eine Erziehung nach demoben aufgestellten Begriffe sich erklären müßte, so wird von anderer Seite eine plan-mäßige Erziehung um deswillen für überflüssig gehalten oder doch sehr be-schränkt, weil man erfahren zu haben glaubt, daß von ihr wenig Erfolg zu erwartensei, indem einerseits das angeborene Naturell weder geändert noch ihm zum Trotz etwasanerzogen werden könne, andrerseits die immerhin vereinzelten planmäßigen pädagogischenEinwirkungen den stets wirkenden, mannigfaltigen Eindrücken der Außenwelt auf dasKind nicht die Wage halten könnten; auch dürfe bei dem Zusammenwirken dieser beidenFactoren erwartet werden, daß das riHtige Resultat von selbst zu Stande kommenwerde. Da die aus solchen Ansichten hervorgehende falsche Richtung in der Erziehungalso auf ein Lockern der geregelten Leitung, auf ein Gewährenlassen des Zöglingshinauslaufen wird, so kann man sie als Laxheit und Libertinismus in der Er-ziehung bezeichnen. Die ihr entgegengesetzte Einseitigkeit ist der Pedantismus, wel-cher „für das Leben der Jugend alles unter bestimmte Regeln gebracht" wissen will,und im Gegensätze gegen diese Verkehrtheit hat auch jener Libertinismus seine relativeBerechtigung. Er hat wohl gethan, darauf hinzuweisen, daß unter einer so pedanti-schen Regelung des gesammten Lebens nothwendig die kräftige Frische der Jugend leidenmüße, und daß das Bestreben, den Zögling vor allen möglicherweise schädlichen Be-rührungen mit der Außenwelt zu behüten, wenn es erfolgreich wäre, nur um so ver-werflicher sein müßte, da es den allzu ängstlich Behüteten bei dessen nicht zu vermeiden-der endlicher Entlassung in den freien geselligen Verkehr ganz unvorbereitet jenenBerührungen preisgsben würde. Aber eine ihrer Aufgabe bewußte und die Tragweiteihrer Mittel richtig ermessende Erziehung denkt auch nicht daran, so zu erziehen, alsob in der Entwicklung des Zöglings ohne planmäßige Erziehung nichts von selbst er-folge, sondern sie erzieht mit Rücksicht auf das von selbst Erfolgende. Sie weiß wohl,daß einem ausgesprochenen Naturell ein ihm widerstrebender Beruf nicht mit gutemErfolge aufgedrängt werden kann; sie weiß aber auch, daß selbst dem ausgesprochensteneine Bekanntschaft mit anderen Berufssphären eben so heilsam als möglich ist, und zwarnicht bloß, damit es in richtiger Würdigung derselben demnächst auch seine eigeneStellung in der Gesellschaft gehörig schätzen lerne, sondern auch um der Tüchtigkeit inseinem besonderen Berufe willen, die bei der ausschließlichen Hingebung an die natür-liche Neigung mehr gefährdet als gefördert wird. Der sich selbst überlassene Zöglingwürde natürlich nur dieser Neigung nachhängen und eben darum muß zur Vermeidungvon Einseitigkeit und Erschlaffung die pädagogische Einwirkung eintreteu. Ganz beson-ders leuchtet diese Nothwendigkeit ein, wenn man auf das Gebiet der eigentlichen Fertig-keit hinblickt. Auch die entschiedenste natürliche Anlage und Neigung bedarf, um es zutüchtigen Leistungen zu bringen, gewisser Kenntnisse und Fertigkeiten. Da diese zumTheil mit Mühe erworben werden müßen und mit den vollendeten Leistungen in diesemoder jenem Berufe, deren Vorstellung das Interesse des Kindes dafür erweckt hat undwach erhält, für den kindlichen Verstand in keinem erkennbaren Zusammenhänge stehen:so ist der Zögling geneigt, ihre Vorbedingungen zu überspringen, und somit auf dembesten Wege, in Pfuscherei zu gerathen, wenn nicht die Erziehung zügelnd eintritt, diezwar das fehlende Talent nicht ersetzen, ohne welche aber auch das glücklichste Talentes nicht zu vollendeten Leistungen bringen kann. Aber auch in Bezug auf die Ge-sinnung und ihre Bedingtheit durch die Eindrücke der Außenwelt ist es mit dem liber-tinistischen Gewährenlassen nicht gethan, wiewohl die Erziehung hier auf gleich unmittel-bare und sichere Erfolge, wie auf dem Gebiete der Fertigkeit, nicht rechnen darf. DieErziehung darf sich nicht einbilden, die ohne sie erfolgenden Einwirkungen der Außen-welt völlig paralysiren zu können; aber sie kann sie doch zum Theil abhalten und sie