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Erziehung, verkehrte Richtungen in derselben.
uismus, Radicalismus, Formalismus, Materialismus, Utilitarismus, Subjectivismus,Jntellectualismus u. s. w. — Wie dieses Verzeichnis andeutet, soll hier von den — ismenin der Erziehung gehandelt werden, welche als solche bekanntlich Namen von nicht ebengutem Klange sind. Nicht ohne Grund! Denn wenn im Griechischen die Verba aufund die davon abgeleiteten Substantive auf von intellectueller und sittlicherThätigkeit gebraucht, eine mit Geflissentlichkeit und bewußtem Gegensätze gegen eineandere festgehaltene Richtung ausdrücken, so liegt bei einem solchen —ismus, wenn ernicht schon wirklich eine Verkehrtheit bezeichnet, doch immer mindestens die Gefahr vor, daßer in eine Einseitigkeit oder in ein Extrem sich verrenne: nicht bloß der Rationalismusist verdächtig, auch der Supernaturalismus kann nach der entgegengesetzten Seite hinsich verirren, und nicht bloß der Liberalismus und Absolutismus arten leicht durch Ein-seitigkeit zu höchst verderblichen Richtungen aus, sondern auch der Constitutionalismusist vor einer solchen Ausartung nicht sicher. Sonst tritt allerdings einem —ismus inder Regel ein entgegengesetzter gegenüber; auch bei den pädagogischen —ismen ist diesder Fall, und man kann sich hier die aristotelische Definition von Tugend (Nikom. EthikII. 6) insofern gefallen lassen, als das richtige pädagogische Verfahren meist in derMitte liegt zwischen zwei entgegengesetzten —ismen, nicht in dem Sinne freilich, alsob es nur aus im richtigen Maße von beiden Seiten entlehnten Elementen zusammen-gesetzt wäre, sondern als von einem eigenthümlichen höheren Princip aus die beiden sichentgegenstehenden Einseitigkeiten überwindend.
Die obengenannten pädagogischen Verkehrtheiten sind ohne ein ordnendes Principnur beispielsweise zusammengestellt: jene Benennungen sind zum Theil nur verschiedene,von verschiedenen Gesichtspuncten aus gewählte Namen für eine und dieselbe Sache.Um Ordnung und Uebersichtlichkeit in die Menge jener —ismen zu bringen, welche diemit klarem Bewußtsein ihres Zieles und Weges auf sicherer Bahn ruhig fortschreitendeErziehung umschwärmen, ist nöthig, den Begriff der Erziehung nach seinen einzelnenMomenten zuerst sich bestimmt zu vergegenwärtigen, und zwar muß, da es sich nichtum einzelne Erziehungsfehler, sondern um falsche Richtungen handelt, auch unter Er-ziehung nicht der im Verkehr zwischen Mündigen und Unmündigen von selbst siich er-gebende Einfluß jener auf diese verstauben werden, sondern eine ihrer Aufgabe undihrer Mittel sich bewußte absichtliche Einwirkung. Wir definiren demnach die Erziehungals die bewußte und absichtliche Einwirkung Mündiger auf Unmündige, wodurchdieselben angeregt, gelehrt und gewöhnt werden sollen, als lebendige d. h.von dem göttlichen Gesetze selbst durchdrungene Glieder im Organismus derGesellschaft zu stets vollständigerer Verwirklichung jenes Gesetzes selbständigthätig zu sein. Wenn nun diese verschiedenen Momente den Begriff der richtigen Er-ziehung constituiren, so sind verkehrte pädagogische Richtungen durch Vernachläßigungeines oder des andern dieser Momente möglich: 1) es wird eine bestimmter Grundsätzesich bewußte absichtliche Einwirkung auf die Jugend überhaupt für überflüssig erklärt;2) es wird übersehen, daß die Erziehung es mit Unmündigen zu thun hat, die deinStande der Unmündigkeit enthoben werden sollen und ihm nur allmählich enthobenwerden können; 3) es wird die Natur der Pädagogischen Anregung und der positivenBelehrung und Gewöhnung, so wie das gegenseitige Verhältnis dieser Einwirkungenfalsch aufgefaßt; 4) es wird vergessen, daß der Zögling zwar in seiner eigenthümlichenIndividualität geachtet, zugleich aber als Glied der Gesellschaft aufgefaßt werden muß,und zwar der Gesellschaft, wie sie durch die in ihr wirkenden Kräfte und mit den ihrenOrganismus bestimmenden Ordnungen geschichtlich geworden ist; endlich 5) es wird derZweck der Erziehung, statt in die Verwirklichung des göttlichen Gesetzes, in die Er-reichung irgend eines endlichen Vortheiles gesetzt. Nach diesen verschiedenen Gesichts-puncten die mannigfaltigen falschen Richtungen in der Erziehung zu classificiren ist hierder eigentliche Zweck. Auf das Einzelne ausführlicher sich einzulassen wird es in andernhistorischen und dogmatischen Artikeln an Veranlassung nicht fehlen. Manche Anhalts-