Erziehung. Erziehung, verkehrte Richtungen in derselben. 26l
dem Nie UNockus, llio salta ihnen zu Leibe gehen kann; bis die Zeit da wäre, wo sieeine ehrliche Probe könnten geliefert haben, ist die Theorie sammt ihrem Urheber längstvergessen. („Fraget nicht zuerst: wie locken wir die Kraft aus der Seele heraus? fragetvorher: wie viel Procente hat die Natur in ihn gelegt? Ans Blei hat noch niemandLouisd'ore geprägt." Christmann a. a. O. S. 18 f.) So sehr aber obigem Paradoxongegenüber daran festgehalten werden muß, daß der Erzieher der Natur nicht Gewaltanthun darf, daß er vielmehr erkennen soll, wozu der Zögling innerlich berufen ist unddieser Spur folgen, darnach auch die Berufswahl und somit die specielle Bildung be-stimmen muß: so darf er doch andrerseits sich nicht dadurch täuschen lassen, daß erdenMangel an Neigung schon als Zeichen des Mangels an Begabung ansieht; manchenschon hat man zu etwas gezwungen, es hat wenigstens allen Ernst gekostet, ihn dabeifestzuhalten, worin er doch nachher seinen eigentlichen Beruf gefunden, womit er vielleichtseinen Ruhm gegründet hat. In dieser Art kann die Erziehungskunst ganz wohl etwasaus einem Menschen machen, was niemand ihm angesehen und zugetraut hätte. Dannaber bestand diese Kunst in allererster Linie darin, den verborgenen Schatz erkannt, demZögling zum Bewußtsein dessen verholfen zu haben, was er in sich trug, ohne selbst eszu wissen.
Doch, wenn auch der menschliche Erzieher unter all seinen Mitteln die Leiter nichtbesitzt, mit der er jenen Wall ersteigen kann, der den Willen des Zöglings gegen jedeGewalt schützt: so kennt er, wofern er ein Christ ist, einen höhern unsichtbaren Erzieher,der zwar, wie er den Willen frei geschaffen hat, so ihn auch nicht durch die Mittelseiner Allmacht bezwingen, d. h. die Freiheit aufheben will, aber der, ohne eine Leiteranlegen zu müßen, im Innern der Festung selbst geheime Zugänge hat; der Antriebegeben, Gedanken und Bewegungen wecken, Stimmungen Hervorrufen, und dem allementsprechend auch die äußeren Umstände so lenken und ordnen kann, daß der Wille sichin Demuth und Liebe ihm ergiebt. Wo daher für den menschlichen Erzieher alle Mög-lichkeit, direct auf den Zögling zu wirken, aufhört, da bleibt ihm das Eine übrig, sichbetend an jenen unsichtbaren Pädagogen zu wenden und ihm des Kindes Seele anzubc-fehlen, daß er, wo wir nur pflanzen und begießen können, das Gedeihen gebe. Abernicht erst als letztes verzweifeltes Mittel, wenn alles andere sehlschlägt, soll es darumangesehen werden — ähnlich dem Entschluß, den oft die Aufgeklärtesten fassen, zu einemWunderdoctor zu laufen, wenn die ordentliche Medicin mit ihrer Weisheit zu Ende ist —,sondern es geht von Anfang schon neben allem her, was für das Kind und an ihmgethan wird; es weiht sein Leben, noch ehe es ans Licht geboren ist, es begleitet Sohnund Tochter auch auf den Wegen, die sie aus dem Elternhause wegführen, und bildetso ein geistiges Band zwischen Eltern und Kindern, das darum unzerreißlich ist, weilGottes Hand es ist, die dasselbe hält. Wenn wir daher auch gleich andern (s. dieAbh. „über das Gebet als Erziehungsmittel" im südd. Schulboten 1851 Nro. 24.Zeller, Lehren der Erfahrung 1. Ausl. III. S. 57) das Gebet oben unter den Mittelnder Erziehung aufgeführt haben, so ist dies nicht so gemeint, als wäre es nur einesneben den andern, das möglicherweise auch überflüssig sein könnte, wenn die andern an-schlagen — ebensowenig als etwa einem Kranken einmal statt der Pillen oder einerMixtur zur Abwechslung das Gebet zu verordnen ist—, sondern während wir oben dasGebet nur nach seiner Form an der geeigneten Stelle einreihten, greift es viel weiterund umfaßt das ganze Gebiet — es ist der Ausdruck der religiösen Grundlage undRichtung der Erziehung überhaupt. (S. übrigens das Nähere im Art. Gebet.)
Alle weiteren Fragen, betreffend z. B. die körperliche Erziehung, die religiöse, con-fessionelle, kirchliche Erziehung, die nationale und Politische Erziehung, die Erziehung inder Familie, in Instituten, dann die Erziehung der weiblichen Jugend im Unterschiedevon der männlichen u. s. f., werden ihres Orts in eigenen Artikeln beantwortet werden.Eine Uebersicht der Erziehungsliteratur wird der Art. Pädagogik geben. Palmer.Erziehung, verkehrte Richtungen in derselben: Moderner Paganismus, Pelagia-