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2 (1860) Director - Globus
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Erziehung.

dem Kinde nur etwas machen will, das sich verwerthen läßt — das dereinst Gold oderEhre bringen soll. Er steht endlich als Künstler im Gegensätze zu dem Pfuscher, dernur etliche Mittel aus der pädagogischen Apotheke mit sich führt, und diese in allenFällen anwendet, oder der auch da doctert, wo die Natur selber den richtigen Weg findet,wo sie daher frei muß wirken können. („Leicht kann zu viel erzogen werden über denKindern, viel leichter zu viel, als zu wenig" Rothe, Eth. III. S. 700.) Und wie jedeKunst eine specifische Begabung, die niemand sich selbst schaffen kann, die eben eine gött-liche Gabe, ein Charisma ist, aber zur Begabung ebensosehr auch die eigne sittlicheThätigkeit, Fleiß und Anstrengung erfordert, so nicht minder die Erziehungskunst. Daswird nicht aufgehoben durch die Wahrnehmung, wie viele Eltern, namentlich Müttervortrefflich erziehen, ohne sich von einer Kunst träumen zu lasten, die sie üben, oder gareine solche erlernt zu haben, während den Pädagogen von Profession ihre Arbeit oft soschwer wird, ja oft geradezu mislingt. Denn, noch abgesehen von der Unsicherheit jedespädagogischen Erfolgs (s. unten), ist wohl zu beachten, daß es auch hier ein natürlichesTalent giebt, das, zusammenwirkend mit gesundem Verstände und edler Gesinnung,künstlerisch wirkt, ohne daß sein Inhaber sich desselben als einer besonderen Kunst be-wußt wird; er glaubt bloß zu thun, was seine Pflicht ist; die einfachen Lehren desChristenthums, die Erfahrungen, die er an eigenen und fremden Kindern macht, reichenihm als theoretischer Hintergrund vollständig aus. Allein das Thun selber bleibt nachwie vor ein künstlerisches, und die Gesetze, nach denen ein solcher unbewußt handelt,sind ihrem Inhalte nach keine andern, als die die Kunstlehre auch in sich aufnehmcnmüßte, wenn sie sie etwa noch nicht erkannt und gewürdigt hätte.

An Einem Pnncte aber verläßt uns die Parallele mit den übrigen Künsten aller-dings gänzlich. Der Künstler, der sein Material ebenso beherrscht, wie er seine Ideeklar in sich trägt, kann Garantie leisten, daß sein Werk gelingt; der Pädagog kann dasnicht. Denn der Wille des Zöglings ist ein anderes Material, als Marmor und Lein-wand; und mit einer Schule, mit einer Schaar Geschwister ein bestimmtes pädagogischesZiel zu erreichen, ist eine andere Aufgabe, als mit einem Orchester eine neue Symphonieeinzustudiren oder mit etlichen hundert Arbeitern eine Basilika zu bauen. Das hat diePädagogen „«r allezeit geärgert, daß ihre Kunst nicht soll für unfehlbar geachtet

sein, daß die Verheißungen Basedow's nicht wie ein Evangelium gelten, daß Pestalozzi'sabsolute Methode nicht mit der Sicherheit einer Maschine, wie er meinte und wollte,das Fabricat eines rechtschaffenen und intelligenten Menschen sollte liefern können. Darumeben forderte einst I. G. Fichte in seinen Reden an die deutsche Nation eine neue Er-ziehung, die (S. 36) ihren Erfolg nicht mehr wie die alte erst abhängen lassen müßevom guten Willen des Zöglings, sondern die seinen Willen von vorn herein so mache,wie er sein soll, so daß er zuletzt gar nichts mehr wollen könne, als er wollen solle.Aber alle Versuche, in diesem Grade Herr zu werden über des Zöglings Willen, habenfehlgeschlagen; da ist die Schranke aller Erziehung; sie vermag viel, sehr viel auch überden Willen, sie kann ihn in alleweg bis auf oinen gewissen Punct so leiten und beherr-schen, daß er nur will, was sie ihm vorgezeichnet und eingeflößt hat; aber an eineBarriere kommt sie irgendwo bei jedem, die sie nicht überspringen, nicht niederwerfenkann, — diese Barriere heißt Freiheit des Willens (s. d. Art.). Dieses Gut aber, diesesUrrecht des Menschen, wollten wir, wenn wir auch könnten, nicht einmal um den Preishingeben, daß dann die Pädagogik die glänzendsten Erfolge aufweisen und verbürgenkönnte; mit solchen Erfolgen würde die Erziehung zur Industrie, der Mensch zur Waareherabsinken. — In anderer Weise tritt derselbe Aberglaube an die Allmacht der Erziehungauch auf intellectuellem Gebiete auf, wenn Jacotot (vergl. Raumer, Gesch. d. P.III. 1. S. 85) die närrische Behauptung vorbringt, alle Menschen haben gleiche In-telligenz, und es liege also einzig in Ver Hand des Erziehers, aus dem einen einenMathematiker, aus dem andern einen Dichter, aus dem dritten einen Feldherrn zumachen. Für solche Behauptungen ist es ein Glück, daß man nicht augenblicklich mit