Erziehung.
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keit entwickelt werde, sondern nur um den Moment auszufüllen und die Kinder inSchranken zu halten, damit sie (Ziller S. 2) den Erwachsenen nicht lästig fallen,vielmehr „den Ansprüchen genügen, welche die Gesellschaft an sie macht, auch wenn sienoch unselbständige, willen- und bewußtlose Glieder von ihr sind." So fein undtreffend oft die Distinctionen sind, durch die Ziller das eigenthümliche Wesen der Re-gierung bezeichnet, und so sehr viel praktisch Tüchtiges er aus demselben zu entwickelnweiß, so haben wir uns doch noch nicht überzeugen können, daß jener Begriff ein wirk-licher Fundamentalbegriff der Pädagogik ist; es steht uns vornehmlich der Grund imWege, daß im Kindesleben und in der erzieherischen Einwirkung auf dasselbe schlechthingar nichts seine Bedeutung bloß für den Augenblick und nicht zugleich auch für die Zu-kunft hat; es will uns auch immer bedünkeu, diese Regierung, consequent nach dem auf-gestellten Begriffe gehaudhabt, sei etwas, das eigentlich nicht im Interesse der Kinder,sondern im Interesse der Erwachsenen geübt werde, damit die Ordnung, in der man lebt,durch der Kinder Ungestüm und Thorheit keine Störungen erleide. Daher hat Waitz(Allg. Päd. S. 145) das Verhältnis zwischen Zucht und Regierung umgekehrt und unterletzterer vielmehr die Behütung, Leitung und Unterstützung der sittlichen Kräfte verstanden,während er den Druck, den das Kind im Interesse der Ordnung — und, worauf Waitzebenfalls im Gegensätze zu Herbart dringt, zugleich im Interesse seiner eignen Zukunft —zu empfinden bekommt, unter die Zucht befaßt.
6) Diese Mittel nun ihrem Zwecke gemäß richtig handhaben zu können, das nennenwir die Erziehungsk u n st. Als Kunst hat sie zwar nicht ihren Platz in der Reihe derschönen Künste; um am Tanze der griechischen Musen Theil zu nehmen, dazu ist dierömische Levana nicht hoffähig genug; sie kann auch nicht eben viel Poesie in das Er-ziehuugsgeschäft bringen, da sie eigentlich nur die harten Herzen der römischen Väterdazu stimmen soll, ihre Kinder, nachdem die Frauen sie geboren, von der Erde aufzu-heben und damit anzuerkennen. Die schöne Kunst hat nur den Zweck, das Schöne dar-zustellen, damit es genossen werde, sie ist Selbstzweck; die Erziehnngskunst aber dienteinem praktischen, einem sittlichen Zwecke. Gleichwohl gebührt ihr der edle Name einerKunst sowohl wegen dessen, was sie leistet, als wegen der zu dieser Leistung erforderlichenQualification. Was sie zu Stande bringen soll, ist der vollendete Mensch; wie dieKunst das Naturproduct nach einer Idee gestaltet, die Idee ihm einhaucht und in ihmzur sinnlichen Erscheinung bringt, dadurch aber es verklärt, d. h. es schön macht: so istder sittliche Mensch, der gebildete Charakter auch entstanden durch Gestaltung seinesNaturwesens nach einer höhern, ewigen Idee, durch Verklärung desselben zur Darstellungdieser Idee; daher auch die Thätigkeit der Selbsterziehung, überhaupt die Ethisirung,der sittliche Proceß, den jeder in sich selbst durchzuführen hat, von der Ethik als einkünstlerisches Thun bezeichnet worden ist (s. z. B. Fichte, System der Eth. II. S. 123;Herbart hat sogar in noch allgemeinerer Weise die Ethik als einen Theil der allge-meinen Aesthetik behandelt, s. s. Einleitung in die Philos. H 8—10). Gewiß ist dasedelste Kunstwerk, Las der Mensch schaffen kann, ein wirklicher, tüchtig ausgebildeterMensch, der nicht bloß als schöne Bildsäule, nicht bloß als großer Charakter in einerDichtung, sondern als wirkliche, lebendige Person aus seinen Händen hervorgeht. So-ist andererseits auch das pädagogische Talent (s. weiter d. Art. Erziehungstalent) einspecifisch künstlerisches; die geistige Kraft, um die Idee innerlich anzuschauen und festzu-halten, das feine Urtheil über die Angemessenheit des Products zur Idee, die geschickteHand, jenes zum Ausdrucke dieser zu gestalten, das scharfe Auge des Bildhauers unddes Malers, das feine Gehör des Musikers — all das, nur in andrer Form und Rich-tung, wiederholt sich im pädagogischen Künstler. Er bildet damit den Gegensatz zu demIdioten, der mit seinem Objecte nichts zu thun weiß, der es aus Gleichgültigkeit werdenläßt, wie es eben wird ohne seine Zuthun, oder der, ideenlos und ohne sittlichen Trieb,mit dem Objecte, d. h. dem Zögling, spielt, sei es aus Leichtsinn, sei es aus Affenliebe.Er steht ferner im Gegensätze zu der gemeinen Handwerker- und Krämerseele, die aus