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Erziehung.
L) Als letztes Mittel, das zugleich den Pendant zum ersten bildet, bezeichnen wir-ble Versetzung des Zöglings in eine Umgebung, eine Gemeinschaft, einen Verkehr, woerziehende Kräfte auf ihn wirken, wo Persönlichkeiten in Umgang mit ihm treten, diemomentan an der Stelle des Erziehers, aber gewollt von ihm, einen seinen Zweckenentsprechenden Einfluß auf den Zögling ausüben. Die unter a) b) o) genannten Mittelsetzen voraus, daß Zögling und Erzieher einander allein haben; hier nun erweitert sichder Kreis; es sind Gespielen, in deren Umgang sich erst mancherlei Tugenden (wie Ver-träglichkeit, Gefälligkeit u. s. w.) entwickeln und üben können. Der Erzieher nimmthiemit andere, die aus irgend einer Ursache, also z. B. altershalber, dem Kinde näherstehen, als er, zu Hülfe, um auch nach dieser Seite hin das, was in ihm ist, zur Ent-faltung zu bringen, nöthigenfalls aber auch zu reinigen und zu bessern.
Die Systematisirung aller dieser Erziehungsmittel ist bei den verschiedenen Theore-tikern eine verschiedene; wir führen nur die erwähnenswertheren an. Schon die ge-wöhnlichste, seit Niem eh er von vielen, selbst von Beneke (der sich I. S. 91 ff.varüber zu rechtfertigen sucht) acceptirte Eintheilung des ganzen Gebiets in Erziehungund Unterricht gehört hieher, sofern doch beide einem höchsten einheitlichen Zwecke, demeigentlichen pädagogischen Princip, wie man dasselbe auch nennen mag, dienen sollen.Unrichtig ist aber diese Eintheilung immer, weil die Erziehung das Ganze, der Unter-richt nur ein Theil ist, letzterer auch ganz gewiß ein schlechter ist, wenn er nicht erziehendwirkt (s. Roth, von der Erziehung im Unterricht, Kl. Schriften I. S. 1—22). —Gräfe (Allg. Päd. II. S. 105) theilt ein in Pflege, Zucht und Unterricht, was wirdarauf stützen würden, daß es Mittel giebt, die das im Kinde Vorhandene wecken undentwickeln, andre, die Las in ihm vorhandene Ueble beseitigen, und das was nicht vor-handen ist, wozu das Kind nicht Trieb noch Neigung hat, dennoch bei ihm durch Nöthi-gung zu Stande bringen; und Mittel, die es schon jetzt mit einem innern Wahrheits-schatze versehen, durch den es in Stand gesetzt wird, künftig sich selbst sowohl in Pflegeals in Zucht zu nehmen. Wenn übrigens Gräfe jene Trias nicht unter die Mittel,sondern unter die Zwecke rechnen will, so erledigt sich dies durch das oben Bemerkte. —Verwandt mit dieser Eintheilung ist die von Kant (s. Päd. v. Rink S. 5) angedeutetein Wartung und Bildung, welche letztere Zucht und Unterweisung unter sich befassensoll; es ist nur der Begriff der Wartung zu enge, weil er sich aufs zarteste Alter be-schränkt. Auch in Schleiermacher's Erz. L. klingt eine ähnliche Grundeintheilungdurch, ohne daß sie jedoch als solche auch äußerlich die Anordnung bestimmen würde,wenn er nämlich das unterstützende Verfahren von dem verhütenden und gegenwirkendenunterscheidet; noch mehr, wenn er (Aphorismen, ebv. S. 681) sagt: „der Unterricht mußberedt sein, das Leben gesprächig, die Erziehung wortkarg," so trifft dies ziemlich genaumit Obigem zusammen, da das „Leben" hier gar nichts andres bedeuten kann, alsdenjenigen Umgang mit dem Kinde, der, specifisch pädagogisch betrachtet, oben alsPflege desselben bezeichnet worden ist. Ebenso verwandt ist die Eintheilung der Er-ziehungsmittel in dem Schwarz'schcn Lehrbuche (4. Ausl, bearb. von Curtman,I. S. 135 ff.): 1) absichtliche Stärkung der dem Kind angebornen Kräfte (Pflege, Er-nährung und Uebung); 2) den hervorbrechenden fehlerhaften Trieben gegenüber Schwächungeiner Kraft, Entziehung der Nahrung (z. B. für die Phantasie), Jsolirung einer Kraft;3) Widerstand entgegengesetzter Kräfte; im weitern werden die Mittel dann als solcheclassificirt, die a) im Vorstellungs-, b) im Gefühls-, o) im BegehrnngSvermögen liegen. —Eigenthümlich ist der Herbart'schen Schule die Aufstellung des Begriffs der Negierung,neben Unterricht und Zucht, eines Begriffs, der neuerlich im Geiste des Systems lehr-reich ansgeführt worden ist von Ziller (die Regierung der Kinder, Leipzig 1857).Nach Herbart's eigner, von seinen Schülern festgehaltenen Erklärung (s. Umriß pädag.Vorlesungen K 42) unterscheidet sich die Regierung von den beiden andern dadurch, daßsie lediglich für die Gegenwart bestimmt ist; sie hat die Kinder nur zu beschäftigen,und zwar nicht darum, damit für die Zukunft etwas gelernt, die Kraft geübt, die Thätig-