Erziehung.
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wird, je weniger sie dem Kinde gegenüber eine speciell beabsichtigte und berechnete ist.Bewußt muß sich der Erzieher dessen wohl immer sein, daß des Kindes Auge und Ohrein Spiegel ist, in dem sein Bild, sein Thun und Reden sich nicht nur reflectirt, sondernsogar haften bleibt und fortwirlt, daher die große Bedeutung des Aergernisses (s. d. Art.)in der Erziehung. Aber das heißt nun nicht, er soll es beständig darauf anlegen, demZögling ein Muster zu geben; das würde ihn geradezu unwahr machen, er würde zumSchauspieler werden. (Auch Christus hat sein Reden und Handeln nicht in solch ten-dentiöser Weise zum Vorbild machen wollen; vgl. die Abh. des Vers, über das VorbildJesu in den Jahrbb. für deutsche Theologie 1858. III. S. 663.) Je mehr er sich durch-aus giebt, wie er ist, um so sicherer wird jene Einwirkung sein; um sich aber so gebenzu können, muß er selbst ein sittlich durchgebildeter Mensch, ein Charakter sein; also —was auf die innere Einheit des pädagogischen und des ethischen Princips deutet: umals Erzieher zu jener Selbstdarstellung fähig zu sein, braucht er nur die Qualität zuhaben, in der er sich auch vor Gott darstellen soll; was er um des Zöglings willenzu sein nöthig hat, ist wesentlich dasselbe, was er um seines eigenen Werthes und Heileswillen sein muß. (In wie weit jedoch zur Lösung der erzieherischen Gesammtaufgabe,von der diese Selbstdarstellung nur ein Theil ist, eine specifisch pädagogische Begabungerforderlich ist, darüber s. d. Art. Erziehungstalent.) — An Obiges schließt sich aberauch die ganze Umgebung, die Lebensweise an, die der Mann sich schafft, weil sie seinemInnern entspricht, also dasjenige, was wir in einer Familie die Hausordnung nennen(s. d. Art.). In sie wächst das Kind hinein, es weiß nicht wie, und gewinnt so schoneine Bestimmtheit seines Lebens, seines Denkens und Wollens, die fürs ganze Lebenentscheidend sein und alle späteren Einwirkungen überdauern kann. (Vgl. dazu Nie-meyer's Grundsätze d. Erz. u. d. Unt. I. Z 97 und den Art. Gewöhnung.)
b) Das zweite Mittel, in welchem bereits die Einwirkung auf den Zögling einedurchaus bewußte und beabsichtigte ist, besitzt der Erzieher im Worte, das ihm theilsals Lehrwort (s. d. Art. Didaktik) dazu dient, dem Kinde die Wahrheit, die er selbsterkannt, zu übermitteln, damit diese nicht bloß einen geistigen Besitz desselben bilde,sondern als freimachende Kraft (Joh. 8, 32) von innen heraus erziehe; theils aber alseine unmittelbar bestimmende, von der Auctorität (s. d. Art.) getragene und erfülltegeistige Macht auf den Willen des Kindes wirkt, sei es als Gebot und Verbot, sei esals Strafwort, als Zurechtweisung. Da diese Momente alle in einzelnen Artikeln zubehandeln sind, so genügt es hier sie an ihrer Stelle genannt zu haben. Bloß daraufsei noch hingedeutet, daß der menschliche Erzieher in seinem Worte auch das Mittel be-sitzt, die göttlichen Erziehungsmittel, die nicht in seine Hand gelegt sind, für das Kindfruchtbar, d. h. eben erst zu wirklichen Erziehungsmitteln zu machen, so daß demselbenz. B. eine Krankheit, ein Verlust nicht als Mißgeschick lästig, sondern als eine göttlicheFügung nach ihrem göttlichen Sinn und Zweck erkennbar wird.
o) Das dritte ist die That; theils als absichtliches Vorthun, damit der Zöglingdasselbe nachthue (wie bei allen Fertigkeiten, bei Leibesübungen, dann auch in rein sitt-lichen Dingen bei solchen Handlungen, die lediglich den Zweck des Beispiels haben, sichmithin von der unter a) genannten Selbstdarstellung im Motiv unterscheiden); theils alsein Handeln für den Zögling, worunter sich alle Fürsorge und Veranstaltung, alle Hin-gebung, alles Opferbringen, somit auch namentlich Gebet und Fürbitte befaßt, in welcherder Zögling die Liebe und Weisheit des Erziehers zu fühlen bekommt; also ein Handeln,das unmittelbar mehr nur Raum schafft für Erziehungszwecke, aber mittelbar auch selbstwieder erziehend wirkt; theils ein Handeln mit dem Zögling, d. h. ein Theilnehmen anseinen Spielen, Arbeiten, Reisen n. s. f.; theils als ein Handeln, dessen unmittelbaresObject der Zögling selber ist; eine Kategorie, unter die außer den das physische Lebenerhaltenden oder heilenden Thätigkeiten und außer dem, was die Reinlichkeit, die Sauber-keit in Kleidung und Haltung betrifft, die alle mehr die Natur des Zwanges als derLiebkosung an sich tragen, vornehmlich die Strafe fällt.
P-idag. Encyklopäkic. II.
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