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2 (1860) Director - Globus
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Erziehung.

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ver Freiheit, nur daß der metaphysische Hintergrund, den der Philosoph erkennt undden das religiöse Bekenntnis im Momente der Andacht ansspricht, dem Handelnden,hier also dem Erzieher wie dem Zögling gar nicht zum Bewußtsein kommt. — Nocheine andere Art des Zweifels an der Möglichkeit der Erziehung betrifft mehr nur einenerwarteten bestimmten Erfolg, da der Prätention des Pädagogen, aus jedem Individuumalles machen zu können, die Schranke der Natur und der ganzen Lebenssphäre entgegen-gehalten wird, die den Zögling nmgicbt, und über die ihn die Erziehung nicht hinans-heben könne. Dies aber ist schon ein speciellerer, die Erziehung als Kunst mit bestimmtenErfolgen betreffender Punct, der unten erst etwas näher zu beleuchten sein wird.

Der Möglichkeit steht die Notwendigkeit gegenüber; von der Erziehung kann jenezugegeben und diese dennoch bezweifelt werden. Wenn Rückert irgendwo sagt:

„Bin ich selbst doch in der WildeAusgewachsen ohne Zucht;

Ohne daß ich andre bilde,

Will ich tragen meine Frucht;

Bin geworden was ich konnte,

Werde jeder, was er kann,

Wie ich mich an keinem sonnte,

Biet' ich Licht auch keinem an,''

so ist das ein poetischer Uebermuth, der seine Widerlegung in sich selber trägt, da ebendies die Frage ist, ob jeder, ob irgend einer das wird, was er kann, wenn ihm nichtdie Erziehung dazu hilft. Ein Dichter bietet, indem er öffentlich auftritt, sein Lichtwahrhaftig vielen an, und daß er an edlen Vorgängern sich sonnte, das will auch deroriginalste im Ernst nicht leugnen. Die Notwendigkeit der Erziehung liegt einfachdarin, daß der Mensch nicht Naturwesen, sondern sittliches Wesen ist, welchem die Ideeseiner Bestimmung zwar innewohnt, aber zunächst eben nur als Idee (nach Z. H.Fichte's Ausdruck als Grundwille, s. r. Art. Ethik), nicht aber schon so substantiell,daß sie mit Naturnotwendigkeit sich realisirte. Sie ist in ihm nicht von Anfang schonein Sein und Werden, sondern erst ein Sollen. Dieses Sollen aber ins Sein zu ver-wandeln, reicht die natürliche Entwicklung nicht aus, wenn ihr nicht jene Idee in leben-diger Wirklichkeit gegenübertritt und mit einer gewissen Macht jene Entwicklung beherrscht.Nicht bloß der christliche Begriff der Erbsünde, wonach die Naturentwicklung, sich selbstüberlassen, einen der ursprünglichen Bestimmung, der Idee entgegengesetzten Gang nimmt,macht jene Einwirkung notwendig, sondern selbst abgesehen hievon ist es Bedürfnis,daß das Natürliche und das Ethische versöhnt und geeinigt werden. Ob und wie diesgeschieht, darf nicht dem Zufall überlassen bleiben (vgl. Ziller, Einl. S. 79).Kommt doch selbst ein pures Naturproduct, wie die Pflanze, keineswegs immer zu seinerVollendung; die äußeren Einwirkungen des Bodens, der Wärme, des Regens n. s. w.können so ungünstig sein, daß die Pflanze verdirbt, ihr Wuchs ein verkrüppelter bleibt.Wenn nun deshalb schon das Naturproduct, sobald es in den Angen des Menscheneinen Werth hat, nicht dem Zufall Preis gegeben, sondern in Pflege genommen wird,so darf um so weniger irgend ein menschliches Individuum, dessen Werth als Personein unendlicher ist, jenem Zufall überlassen bleiben, zumal da hier, gemäß der Natureines freien Wesens, die Gewißheit einer bestimmungsmäßigen Entwicklung noch vielweniger verbürgt — nach christlicher Lehre aber durch die Erbsünde in die Gewißheitdes Gegcntheils umgewandelt ist. In diesem Zusammenhang ist die sonst nur theo-logische Frage, ob Christus als Kind einer Erziehung bedurft habe, auch von pädago-gischem Interesse, weil der außerdem nur denkbare, aber nie wirkliche Fall einer vonder Erbsünde nicht influirten Naturentwicklung hier als wirkliches Factum vorliegt.Freilich bietet die evangelische Geschichte hiefür schlechthin keine Handhabe dar; dasEinzige, was von Maria's Pädagogik berichtet wird, ist ein Fehler, der ihr Herzeleidgenug machte — ihre Sorglosigkeit beim Besuch in Jerusalem und beim Antritt der