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2 (1860) Director - Globus
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Erziehung.

freilich, sobald sie auf die angegebene Weise erläutert und modificirt wird (daß nämlichdieser Zweck den allgemeineren nicht aus-, sondern einschließe, daß der Einzelne zugleichfürs Ganze da sei und demselben als lebendiges Glied sich einstigen soll), auch vondenjenigen nicht bestritten, die etwa nach antiker Weise das Individuum lediglich fürden Staat, oder nach philanthropistischer Weise fürs Weltbürgerthum erziehen wollen;sie glauben damit ja zugleich die höchste Tugend und das höchste Glück des Individuumsselber zu begründen. So bringt es unter den Neuern —- um nur Ein Beispiel zunennen — Graser (s. d. Art.) eigentlich zu keinem höhern Zweck des Lebens und derErziehung, als daß aus dem Menschen der Bürger werde (vgl. „Divinität rc." 3. Ausl.S. 101. Z 74); aber hierin glaubt er dennoch die „Divinität" im Menschen zu erkennen;er ist also weit entfernt, das „Divine" im Individuum und damit dieses selbst demStaate oder der Gesellschaft opfern zu wollen, sondern in diesem Gemeinleben glaubter für jenes Persönliche erst die rechte Stelle und die wahre Vollendung zu finden.Deshalb kommt so sehr viel darauf an, daß der ethische Begriff von der Bestimmungdes Menschen richtig gefaßt wird, d. h. daß alle jene Potenzen, für die der Menschetwas werden soll, wie Familie, Staat, Welt in ihrer untergeordneten Stellung zumHöchsten, Ueberirdischen, Ewigen, zu Gott erkannt werden, in welchem die christliche Ethikallein daS höchste Gut erkennt. Gott im Menschen, der Mensch in Gott — das istdas Ziel, das der Erzieher für den Zögling gerade so im Auge haben muß, wie derChrist, der sich selbst erzieht, es für sich im Auge hat, wie Gott selbst es in seinemHeilsrathschluß und dessen Ausführung im Auge behält. Und da dies Ziel nur erreichbarist auf Grund der geschehenen, historischen Vereinigung Gottes mit den Menschen inder Person des Erlösers — „Menschen Gottes" (2 Tim. 3, 17) werden wir nur durchden „Gottmenschen" —: so ist klar, daß wir, wenn wir den obersten Zweck aller Er-ziehung als das Princip aller Pädagogik bezeichnen sollen, sagen müßen: dieses Principist Christus (wie Christus auch das Princip der christlichen Ethik ist); zu ihm sollder Zögling geführt werden, (Marc. 10, 14), damit Christus in ihm Gestalt gewinne(Gal. 4, 19), daß er in Christi Bild sich verkläre (2 Kor. 3, 18) und er in Christovollkommen werde (Kol. 1, 28). Darein ist alles, „waS wahrhaftig ist, was ehrbar,was gerecht, was keusch, was lieblich, was wohllautet, was irgend eine Tugend, irgendein Lob ist" (Phil. 4, 8), mit eiugeschlossen, somit auch alles, was sonst als weltlichdem Göttlichen, als profan dem Religiösen entgegengesetzt wird, alles aber in seiner rechtenUnter- und Einordnung. Darin kommt auch das Menschliche, statt vom Göttlichenaufgezehrt und vernichtet oder geknechtet zu werden, vielmehr allein recht zu sich selber,zu seiner Freiheit, Kraft und Wahrheit; „es ist der Begriff der menschlichen Natur,nicht eine selbständige Natur, sondern Organ, Tempel für die göttliche zu sein; in dem-selben Maße, als die menschliche Natur erfüllt ist von der göttlichen, erreicht sie ihrenBegriff, und es gilt von jedem menschlichen Individuum, daß es ein wahrer Menschwird nur sofern ein göttlich Wort in ihm Fleisch wird." (Martensen, Dogmatik tz 137.)Wie sich auch jenes Menschliche alles unter den obersten Zweck befasse, das hat imDetail die Theorie der Erziehung (s. die Päd. des Unterz. 2. Ausl. S. 94—100) undallgemeiner die christliche Ethik (z. B. in ihrer Exposition des Begriffes Welt, in ihrerGüterlehre rc.) zu zeigen. Daher, wenn der Dichter von Rousseau gesagt hat, er werbeaus Christen Menschen, so sagen wir vom Erzieher: aus Menschen wirbt er Christen,und was Nitz sch (Prakt. Theol. III. 1. S. 16. § 413) als den Maßstab der seel-sorgerischen Arbeit bezeichnet, das ist ganz ebenso auch der Maßstab, woran die erzieherischeArbeit zu messen ist, nämlich: „der Mensch Gottes, das Glied Christi, das Kind undder Erbe Gottes, der selige Mensch, der Christ, zunächst der durch den Glauben ge-rechtfertigte, in Hoffnung selige, frohe, wahrhaft freie, persönliche Mensch." „Es istalso," fahren auch wir mit Nitzsch fort, „weder der niedrige Maßstab irgend einer bloßzeitlichen Bestimmung, noch der hohe einer unbestimmt unendlichen Vervollkommnung