Erziehung.
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haben. So auch, wenn der Vater den Sohn etwa für den Dienst der Kirche, für dieMedicin, für den Kriegsdienst erzieht, so ist es ja vielmehr edel, wenn er dabei nichtbloß das künftige Wohl des Sohnes im Sinne hat, sondern auch der Kirche, dem Staatn. s. w. eine tüchtige Kraft heranbilden will. Und wenn Kant (s. s. Päd. von RinkS. 9) ausruft: „es ist entzückend sich vorzustellen, daß die menschliche Natur immerbesser durch Erziehung werde entwickelt werden und daß man diese in eine Form bringenwerde, die der Menschheit angemessen ist; dies eröffnet uns den Prospect zu einemkünftigen glücklicheren Menschengeschlechte!" — so wäre es grausam und unrecht, diesesEntzücken durch Leugnung solcher Wirkungen der Erziehung zu vernichten. Aber derErzieher thut dennoch wohl, den ersten, rein persönlichen Gesichtspunct vorzugsweise imAuge zu behalten. Denn sobald er dem zweiten sich ebenso zuwendet, geräth er in dieGefahr, von dieser — man möchte sagen glänzenderen, großartigeren Anschauungsweiseeinseitig beherrscht zu werden; indem er aber alsdann den Zögling mehr als Mitteldenn als Selbstzweck behandelt, also z. B. dem eignen Genius des Knaben Gewalt an-thut oder andererseits ihm solches, was nach gemeiner Moral einfach unrecht ist, darumhingehen läßt, weil es jenem vermeintlich höheren Zwecke nicht widerspricht (wie einstdie Münchner fliegenden Blätter einen Papa sehen ließen, der der Meinung ist, seinBube qualificire sich vortrefflich zum Advocateu, da ihm kein wahres Wort aus demMunde gehe — der also, wenn jene Berufswahl entschieden war, sicherlich dieser ab-sonderlichen Qualification nicht entgegentrat): so verletzt er nicht nur das persönlicheRecht des Zöglings, sondern er erreicht auch seinen Hauptzweck nicht, dem er dasselbegeopfert, eben weil jeder Mangel an persönlicher ethischer Tüchtigkeit auch ein Fehlerwird fürs Ganze. (Wie die neuerlich von vielen geforderte nationale Erziehung, d. h. Er-ziehung für das Nationalleben, für die nationalen Zwecke, die Ehre, Freiheit, den Wohl-stand der Nation ebenfalls schon eingeschlossen ist in die Erziehung zur Sittlichkeit, diedas Individuum als Selbstzweck behandelt, darüber s. Waitz, Allg. Päd. S. 70.)Der religiösen Auffassung des Erzieherberufs ist es allerdings eigen und angemessen,den Zögling fürs Reich Gottes, nicht bloß zu seiner eigenen Selbstbefriedigung, zurHarmonie mit sich selber bilden zu wollen; Stellen wie Eph. 1, 12 geben dem christ-lichen Erzieher die Weisung, seinen Zögling als ein Werkzeug zu betrachten, das zuGottes Ehre dienen soll. Aber wie anderswo, z. B. Kol. 1, 28, derselbe Zweck in denMenschen selbst verlegt wird, so ist es gerade die constante christliche Anschauung, be-ruhend auf dem christlichen Begriffe vom Wesen Gottes und seiner Gemeinschaft mitdem Menschen, daß, wie Gott am Menschen und im Menschen seine Ehre haben will,so auch der Mensch, indem er nur für Gott sein will, darin seine eigene höchste Ehreund Seligkeit findet. Das ist die Macht und das Wunder der Liebe, das wir an jedersich für die Ihrigen aufopfernden Mutter, an jedem für seinen Beruf sich selbst ver-gessenden Manne vor Augen sehen. Aber auch für den religiösen Erzieher ist es rath-sam, sich dessen stets bewußt zu bleiben, daß der Zögling Selbstzweck ist, weil er dadurchum so eher bewahrt bleibt vor denjenigen Abwegen, auf die auch eine exclusiv religiöseErziehung leicht geräth, wenigstens dem Zeugnis der Geschichte zu folge oft gerathenist. Die jesuitische Erziehung will auch eine wesentlich religiöse sein, aber weil ihr dasReich Gottes identisch ist mit der römischen Kirche, so erzieht sie auch nur für diese;der Zögling hat nur Werth als Werkzeug für den Ordenszweck. In andrer Weise kannauch die pietistische Erziehung durch zu ausschließliches Festhalten am religiösen Lebens-zwecke sich an der Selbständigkeit des Zöglings verfehlen; sie kann ihn für den Himmelbrauchbar machen wollen, aber versäumt darüber dem Rechnung zu tragen und zn ge-sunder Entwicklung zu helfen, was er an Gaben und Kräften für irdische, menschlicheLebenszwecke doch in sich trägt, ist aber eben damit auch nicht wahrhaft fromm, weilsie sich nicht dazu erheben kann, in allen guten Dingen auch Gaben und OrdnungenGottes zu erkennen.
Die Behauptung, daß der Zweck der Erziehung im Zögling selber liege, wird nun