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2 (1860) Director - Globus
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Erziehung.

Rousseau der Begriff Natur bloß das Oppositum der Cultur war), müßen wir jenenSatz in dem Sinne, in dem das Christenthum die menschliche Bestimmung auffaßt,darum festhalten, weil dem Erzieher der Mensch als Person Selbstzweck sein muß; nichtetwa damit andere etwas an ihm haben, wie man ein Pferd für einen großen Herrneinschult, sondern damit er an sich selbst etwas habe, wird er erzogen. „Wir denkennicht daran," sagt Ziller a. a. O., „den Zweck der Erziehung außerhalb des Einzelnenzu suchen. Wir wollen diesen nicht dazu benützen, um aus der Familie, aus demStaat, aus der Menschheit etwas zu machen, um sie bestimmten Zielen entgegenzu-führen. Die erziehende Thätigkeit muß in dem Einzelnen ihren Ausgangspunct, ihrenVerlauf und ihr Ende haben. Eine Thätigkeit, die durch den Einzelnen hindurch aufdie Gesellschaft zu wirken sucht, ist keine erziehende. Den Erzieher als solchen geht esnichts an, daß die Bildung, die der Einzelne in sich trägt, auch der Gesellschaft zugute kommt, ja daß die Erhebung der letzteren von dem Einzelnen auszugehen hat.Es sind das politische Reflexionen, die außerhalb des pädagogischen Gesichtskreises liegen.Die Sorge für die Menschheit sollte ohnehin der beschränkte Menschengeist dem höchstenWesen überlassen." Das ist etwas stark ausgedrückt, aber es ist in der That nur dieKonsequenz davon, daß der Mensch nie aufhören kann, Selbstzweck zu sein, weil erPerson ist. Er soll einen absoluten Werth bekommen, aber nicht einen Werth für je-mand außer ihm, als wäre er für diesen nur eine Sache, sondern für sich selbst; dieserabsolute Werth ist (s. d. Art. Ethik) kein anderer, als der sittliche, zu dem sich alleandern, z. B. der Werth der Intelligenz, des Talentes u. s. w. immer nur verhalten,wie das Relative zum Absoluten, so daß sie dem Sittlichen sich unter- und einordnen.Aber diese letzten Sätze müßen das Bedenken erwecken: ob denn nicht der Mensch einenWerth haben soll für andere, für das größere oder kleinere Ganze, dem er angehört —christlich gesprochen: für Gott und Gottes Reich? Wird dies zugestanden, dann habenwir auch Len Zweck der Erziehung nicht allein im Zögling selber zu suchen; wir habenihn auch für die menschlichen Gemeinschaften, für Staat und Kirche, wir haben ihnfürs Himmelreich zu erziehen nicht bloß in dem Sinn, daß er das Himmelreich in sichträgt als die eine kostbare Perle, sondern daß das Himmelreich an ihm auch etwas hat,einen „lebendigen Stein" (1 Petr. 2,5), der das Ganze mitträgt, der also auch umdes Ganzen willen da ist. Diese beiden Tendenzen sind nun aber keineswegs in demVerhältnisse zu einander, daß jede beschränkt werden müßte, um der andern Raum zulassen. Das ist vielmehr (wie H. Fichte es nennt, vgl. Syst, der Ethik II. 1.S. 112) „das innerliche, überempirische Bezogensein der Geister auf einander," daß jedernur in dem Maße Werth hat für sich selbst, für sein eigenes Bewußtsein, als er auchWerth hat fürs Ganze (ob dieser von den Andern wirklich erkannt wird oder nicht,ändert daran nichts), und umgekehrt, daß er nur Werth hat fürs Ganze, wenn er fürsich selbst etwas werth ist. Wer sich egoistisch abschließt und sein eigenes Ich zumMittelpuncte macht, um den sich alles drehen soll, der ist nicht nur nichts werth fürsGanze, er bettet auch sich selbst am schlimmsten; an seinem Egoismus geht er mit Seeleund Seligkeit zu Grunde. Umgekehrt: wem daran gelegen ist, zu sittlicher Vollendungzu gelangen, der kann dies gar nicht, ohne durch die Macht der Liebe, die gerade denKernpunct dieser sittlichen Vollendung bildet, wie Gott die Liebe ist, auch das Ganzemit zu umfassen. Gerade indem er sich hiugiebt, gewinnt er sich erst wahrhaft (wersein Leben verliert, sagt Christus, der wirds finden Matth. 10, 39. Ioh. 12, 25). Esist somit an sich durchaus keine Aufhebung oder Beschränkung des absoluten Werthes,den die Person als Selbstzweck hat, wenn gesagt wird: jeder ist auch nm der andern,um Gottes willen da, er soll etwas für jene, für diesen sein; und es ist noch keine Spurvon Unrecht oder Unlauterkeit darin, wenn etwa der Missionar, indem er Einzelne be-kehrt, dabei zugleich schon beabsichtig! und sich der Hoffnung freut, eine Gemeinde zusammeln; denn diese wünscht er doch nur wieder darum zu Stande zu bringen, damitdie einzelnen Seelen alle in ihr eine geistige Heimat, einen Halt und Nahrungsquell