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2 (1860) Director - Globus
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Erziehung.

auch auf Höheres und Allgemeineres auszudehnen, so weit sogar, daß ein erziehenderEinfluß selbst da statuirt werden kann, wo gar keine Absicht dazu vorhanden ist, somiteines der angegebenen Merkmale fehlt. („Die Gesellschaft arbeitet an der Erziehungoder Verziehung ihrer Mitglieder unaufhörlich durch ihre Institutionen, durch die Artder öffentlichen Geschäftsführung, durch die Gelegenheit zu eigener Thätigkeit, die sieihnen darbietet oder abschneidet, durch die Begünstigungen und Hemmungen, die derEinzelne in ihrer Mitte erfährt, durch die Art, wie sie ihn anstellt, belohnt, bestraft,hervorzieht oder zurücksetzt, selbst durch den Stoff der Beurtheilung und Kritik, den sieihm darbietet." Hartenstein, Die Grundbegriffe der ethischen Wissenschaften S. 513.)So weit aber in solchen Dingen wirklich keine pädagogische Absicht liegt, die den Gesetz-geber geleitet hätte, sondern nur die Wirkung der durch ganz andre Mächte (Naturnoth-wendigkeit, Zufall, sogar schlimme, egoistische Motive) bedingten öffentlichen Verhältnisseeine erziehende ist, gerade so, wie mich auch eine Krankheit, wie mich irgend ein Ge-schick, irgend eine Berührung mit Menschen und Dingen erziehen helfen kann: in soweit fällt dies alles unter den Begriff einer göttlichen Pädagogie, der aller theistischenReligion wesentlich ist. (Israel darf es unter seine Prärogativen rechnen, daß „derHerr, sein Gott, es gezogen hat, wie ein Mann seinen Sohn zeucht" 5 Mos. 8, 5;das Christenthum aber erkennt vermöge seines Universalismus Gott, von dem

kV oäycevolL ««l kTli /stx Eph. 3, 15, als den Erzieher sowohl der

Völker als jedes einzelnen, und sieht als seine Mittel dazu theils die Lenkung derSchicksale überhaupt swas man göttliche Führungen nennt, erinnert ja schon der Wort-bedeutung nach an ecluoarsj, theils insbesondere die Verhängung von Leiden Hebr. 12,5—11, theils aber das Institut der Kirche an, die sich freilich im katholischen Mittel-alter nicht damit begnügt hat, bloß Organ der göttlichen Erziehung zu sein und alssolches durch Bewahrung und Verkündung des göttlichen Wortes und durch christlicheDisciplin zu wirken, sondern sich als Mutter auch die Rechte des Vaters beilegte, als obdieser nicht in Person die Zügel des Hausregiments führte. — Die Religionen selbst undihren Entwicklungsgang als eine göttliche Pädagogie darzustellen, ist ein Gedanke, denLessing in seiner Schrift: „Die Erziehung des Menschengeschlechtes" 1780 ausznführenversucht hat). So sehr aber jener Begriff einer göttlichen Erziehung ein nicht nur demKreise des Erbaulichen oder doch der theologischen Borstellnngsweise ungehöriger, sondernauch von der Philosophie anerkannter ist (s. Chalybäus, Specul. Ethikl. S.76), soberührt er doch die pädagogische Wissenschaft und Praxis nur in so weit, als es aller-dings znm idealen Hintergründe im Bewußtsein des Erziehers nothwendig ist, sich alsOrgan eines höheren, unsichtbaren, allweisen Erziehers zu wissen, der den menschlichenErzieher selbst noch in seiner Zucht hält. Das giebt eben so sehr die rechte Demuthwie das richtige Selbstgefühl; was kann doch ein Menschenkind höheres sein, als einRüstzeug Gottes des Allerhöchsten? (Das Weitere über dieses Moment im Begriffe derErziehung s. in dem Art. „Erzieher.")

2) Ebenso wie das Subject, ist auch das Object der Erziehung der Mensch. („Er-zogen werden kann allein der Mensch, gezogen und dressirt wird das Thier. Manspricht von Viehzucht, nicht aber von Vieherziehung." Daub, Prolegomena zur theol.Moral S. 360.) Ob es für höhere Wesen, wie sie uns das Christenthum in der Engel-welt vorstellt, etwas der Erziehung entsprechendes giebt, ist eine Frage, die den Pädagogennoch kein Kopfzerbrechen gemacht hat, die dieselben aber auch schon darum auf sich be-ruhen lassen mäßen, weil selbst der Theosoph und der Scholastiker ihnen darüber nichtsannehmbares zu sagen wissen. Für die Pädagogik ist die Hauptfrage an diesem Punctvielmehr die, ob die Erziehung das einzelne Individuum zu bearbeiten oder auf dieMassen zu wirken habe. Zu letzterem haben die informatorischen Geister unter denPädagogen stets Lust gehabt, sie wollten ja durch neue Organisation der Erziehung einneues Menschengeschlecht, ein goldenes Zeitalter herbeiführen. Großartiger hat sich kaumjemand dies geträumt als I. G. Fichte. Aber so wenig man die Menschenkinder in